Was sich Pferdebesitzerinnen gönnen würden — wenn das Pferd halb so teuer wäre

Wir haben in unserer RidersDeal Reitsport-Studie 2026 3.515 Pferdebesitzerinnen eine eher ungewöhnliche Frage gestellt: "Was würdest Du Dir gönnen, wenn Dein Pferd plötzlich nur halb so teuer wäre?" — und die Antworten haben uns überrascht. Niemand hat von Designer-Schmuck oder einem Sportwagen geträumt. Stattdessen sind 24 Prozent der ersten Antworten ein Wort, das eigentlich kein Luxus sein sollte: Urlaub. Es folgen Reitunterricht (12,5 Prozent) und ein neuer Sattel (12,2 Prozent). Diese Wunschliste ist die ehrlichste finanzielle Bestandsaufnahme, die uns die Studie geliefert hat. Sie zeigt nicht, was Pferdebesitzerinnen extra wollen — sie zeigt, was im aktuellen Pferdebudget einfach nicht mehr drin ist.

RR

Rasso Reng

Marketingleiter & Datenanalyst · Aktualisiert: April 2026

Was passiert, wenn man Pferdebesitzerinnen freie Wahl gibt?

Die meisten Studien-Fragen sind Multiple Choice. Du wählst aus einer vorgegebenen Liste. Bei dieser Frage haben wir den umgekehrten Weg gewählt: ein Freitext-Feld. Niemand hat Vorschläge bekommen, niemand wurde in eine Richtung gelenkt. "Was würdest Du Dir gönnen, wenn Dein Pferd plötzlich nur halb so teuer wäre?" — und dann gab es Platz, um zu schreiben.

Wir haben anschließend die Antworten nach Themen gebündelt — also nicht jedes individuelle Wort gezählt, sondern Antworten in Kategorien zusammengefasst. "Endlich nochmal Urlaub", "ich würde mit meinem Mann ans Meer fahren" und "eine Woche Italien" landen alle im Cluster Urlaub. Die folgende Tabelle zeigt die Top-Wünsche.

Wofür Pferdebesitzerinnen das Geld ausgeben würden, wenn das Pferd halb so teuer wäre (n = 3.515, Freitext-Codierung)
Wunsch-Cluster Anteil
Urlaub und Reisen 24,0%
Reitunterricht und Trainer 12,5%
Neuer Sattel 12,2%
Bessere Ausrüstung allgemein 6,7%
Zweites Pferd oder Fohlen 6,5%
Schöne Sachen für mich 4,3%
Auto 3,8%
Therapie und Tierarzt 3,6%
Anhänger und Transport 3,3%
Sicherheit und Sparen 2,7%
Eigenheim 1,1%

Was sofort auffällt: Es gibt keinen Wunsch, der nach klassischem Luxus klingt. Die meistgenannten Antworten — Urlaub, Reitunterricht, Sattel, Ausrüstung — sind Dinge, die im normalen Lebensplan einer berufstätigen Erwachsenen mit Hobby eigentlich vorkommen sollten. Sie sind keine Träume, sondern verlorene Normalität.

Warum träumen 24 Prozent zuerst von Urlaub?

Urlaub ist mit Abstand der häufigste Wunsch — und er ist gleichzeitig die deutlichste Aussage über die finanzielle Realität in der Pferdewelt 2026. Eine Reiterin schreibt schlicht: "Endlich nochmal Urlaub." Eine andere präzisiert: "Einen Friseurtermin oder einen Urlaub." Wer Friseur und Urlaub auf eine Wunsch-Stufe stellt, sagt damit unmissverständlich: Beides ist gerade nicht drin.

Es gibt mehrere Gründe, warum Urlaub für Pferdebesitzerinnen so weit oben auf der Wunschliste steht. Der erste ist banal: Pferdehaltung kostet so viel, dass nach Stallmiete, Tierarzt, Hufschmied, Versicherung und Futter wenig für andere Erlebnisse übrig bleibt. 38,8 Prozent der Befragten zahlen 300 bis 500 Euro Stallmiete monatlich, 21 Prozent 500 bis 800 Euro. Plus Tierarzt nach GOT. Plus alle anderen laufenden Posten. Wer das ehrlich aufrechnet, weiß: Urlaub kostet im Pferdehalterinnen-Haushalt mehr als bei Kollegen ohne Pferd, weil die Pferdebetreuung während der Abwesenheit zusätzlich bezahlt werden muss.

Der zweite Grund ist organisatorisch: Eine Woche weg vom Pferd ist nicht einfach nur Urlaub. Sie ist eine logistische Operation. Reitbeteiligung, Stallchef-Vereinbarung, Fütterung, Notfall-Bereitschaft. Das schreckt viele ab, selbst wenn das Geld da wäre. Der dritte und ehrlichste Grund: Manche Pferdebesitzerinnen wollen nicht weg vom Pferd. Eine Reiterin schreibt zur Frage, wie ein Leben ohne Pferd wäre: "Undenkbar — und stressig, da mir nur mein Pferd wirklich Ruhe gibt." Wer beim Pferd zur Ruhe kommt, fährt nicht so dringend ans Meer.

Aber wenn Pferdehaltung nicht so teuer wäre, würde Urlaub trotzdem ganz oben stehen. Und das ist die eigentliche Aussage: Pferdehaltung dominiert das Lebensbudget so stark, dass selbst die Grundversorgung an persönlicher Erholung darunter leidet.

Wer würde lieber besser reiten?

12,5 Prozent würden in mehr Reitunterricht oder einen besseren Trainer investieren. Das ist eine bemerkenswerte Zahl, weil sie zeigt: Reiterinnen wissen, dass sie sich entwickeln wollen — und vielen ist klar, was ihnen dabei aktuell fehlt. Eine Reiterin schreibt: "Ein zweites Pferd, Pferdehänger und mehr Kurse oder Turniere." Sie nennt mehrere Wünsche in einem Satz, aber Kurse und Trainer kommen darin vor.

Diese Zahl wird besonders interessant, wenn man sie neben einen anderen Studien-Befund stellt: 23 Prozent der Reiterinnen geben an, dass ihre eigene Unsicherheit ihr größter Trainingsblocker ist. Diese 23 Prozent würden mit gutem Unterricht weiterkommen — und 12,5 Prozent davon nennen das in der Wunschfrage explizit. Es gibt also eine sichtbare Lücke zwischen "Ich weiß, was ich brauche" und "Ich kann es mir gerade leisten". Mehr zur Trainingsfrage liest Du im Studien-Artikel Wenn der gute Trainer zur Luxusfrage wird — dort beleuchten wir auch die Sparhierarchie beim Unterricht.

Eine konkrete Vorstellung von typischen Preisen im DACH-Raum gibt unser Artikel Kosten für Reitstunden. Was Du dort siehst: Eine wirklich gute Trainerin kostet pro Einheit zwischen 40 und 80 Euro, je nach Region und Spezialisierung. Wer alle zwei Wochen einen Termin nehmen möchte, plant also etwa 100 bis 200 Euro pro Monat ein. Bei vielen Pferdebesitzerinnen ist das genau der Posten, der gerade nicht mehr drin ist.

Warum ein neuer Sattel so weit oben steht

12,2 Prozent würden in einen neuen Sattel investieren. Damit ist der Sattel der einzige konkrete Ausrüstungsgegenstand, der es so weit nach oben in die Wunschliste schafft. Das ist kein Zufall — denn ein passender Sattel ist gleichzeitig der teuerste, der wichtigste und der am häufigsten unterschätzte Ausrüstungsposten der Pferdewelt. Ein anständiger Lederdressursattel kostet zwischen 1.800 und 4.500 Euro. Ein Maßsattel mit Anpassungs-Service kann auch 6.000 Euro überschreiten. Das ist eine Größenordnung, die für viele nicht spontan im Budget steht.

Gleichzeitig ist ein nicht passender Sattel die häufigste Ursache von Rückenproblemen, Lahmheiten und Tierarztrechnungen. Wer ihn nicht ersetzen kann, nimmt das in Kauf — und zahlt indirekt mehr beim Tierarzt und Physiotherapeuten. Die Antwort einer Reiterin auf die Wunschfrage zeigt das Spannungsfeld besonders deutlich: "Eine neue Turnierausrüstung — gleich nachdem ich die Kredite für die Klinik abbezahlt habe." Wer zwischen Kreditrückzahlung und neuer Turnierausstattung jongliert, hat keine Reserven für einen Sattel.

Wenn Du gerade dabei bist zu überlegen, ob Du den Sattel ersetzen sollst, lohnt sich unser Ratgeber Passender Sattel — die wichtigsten Kriterien. Er zeigt, woran Du eine schlechte Sattellage erkennst, wann ein Sattelcheck reicht und wann wirklich ein neues Modell fällig ist. Eine Sattellage ist übrigens auch oft der erste Hinweis darauf, dass das Tierarzt-Budget unter Druck steht — siehe unseren Studien-Artikel Tierarzt-Schock 2026: Was die GOT die Pferdewelt wirklich kostet.

Kosten ehrlich rechnen?
Eine vollständige Aufstellung aller laufenden und einmaligen Posten — vom Hufschmied über Versicherung bis Sattel — findest Du in unserem Ratgeber Was kostet ein Pferd. Hilft beim Verstehen, warum die Wunschliste der Studie so aussieht, wie sie aussieht.

Warum träumen so wenige von einem zweiten Pferd?

Nur 6,5 Prozent würden ein zweites Pferd oder ein Fohlen aus der eigenen Stute ziehen. Das ist überraschend wenig, wenn man bedenkt, dass viele Pferdebesitzerinnen das Pferd als das Zentrum ihres Lebens beschreiben. Eine Reiterin schreibt: "Würde gern ein Fohlen aus meiner Stute ziehen oder ein bisschen die Welt bereisen." Sie stellt diese beiden Optionen ehrlich nebeneinander — Fohlen oder Reisen, beides gleich attraktiv, beides gleich unrealistisch.

Der Grund für den niedrigen Wert ist meiner Erfahrung nach pragmatisch: Wer ein Pferd hat und dessen volle Kosten realistisch einschätzt, weiß genau, dass ein zweites Pferd nicht doppelt so viel kostet — sondern eher das 1,8-Fache (gemeinsame Stallmiete-Möglichkeiten, geteilte Anhänger-Investition, Mengenrabatt beim Heu). Es ist trotzdem eine massive zusätzliche Belastung. Wer realistisch durchrechnet, träumt seltener vom zweiten Pferd, als jemand, der noch keines hat. Das ist die nüchterne Variante des Pferdetraums.

Es gibt auch eine emotionale Erklärung: Wer ein Pferd liebt, weiß, dass die Beziehung zu jedem einzelnen Tier eine eigene ist. Ein zweites Pferd würde Aufmerksamkeit teilen — und das ist nicht für alle ein Wunsch. Manche Reiterinnen sagen explizit, sie wollen sich auf das eine Pferd konzentrieren, das sie haben.

Was verraten die Wünsche über die Pferdewelt?

Wenn man die elf Wunsch-Cluster nebeneinander legt, fällt etwas Bemerkenswertes auf: Sieben der elf Wünsche fließen direkt oder indirekt zurück ins Pferd. Reitunterricht (12,5 Prozent) macht das Reiten besser. Sattel (12,2 Prozent) macht das Pferd glücklicher. Bessere Ausrüstung (6,7 Prozent), Zweites Pferd (6,5 Prozent), Therapie und Tierarzt (3,6 Prozent), Anhänger (3,3 Prozent), Sicherheit (2,7 Prozent) — alle gehen zumindest teilweise wieder ins Pferdeleben.

Nur Urlaub (24 Prozent), schöne Sachen für mich (4,3 Prozent), Auto (3,8 Prozent) und Eigenheim (1,1 Prozent) sind reine Nicht-Pferd-Wünsche — und auch davon sind viele indirekt mit dem Pferd verbunden. Ein Auto kann der Pferdeanhänger-Zugfahrzeug sein. Ein Eigenheim ermöglicht Selbstversorgung. Selbst bei einem Wunsch wie "Schöne Sachen für mich" — Reiterinnen meinen damit oft Kleidung, Pflegeprodukte, kleine Aufmerksamkeiten — bleibt eine Frau, die ihre Tage zum großen Teil im Stall verbringt.

Die Pferdewelt 2026 ist also nicht nur finanziell unter Druck — sie ist auch identitär eng verflochten mit dem Tier. Selbst wenn Geld plötzlich da wäre, würde es zu großen Teilen wieder ins Pferdeleben fließen. Das ist nicht Pflicht, das ist Wahl. Eine Reiterin bringt es in einer anderen Frage auf den Punkt: "Es ist der beste Weg, um Geld auszugeben — und wir leben nur einmal." Wer das versteht, versteht, warum die Sparhierarchie so klar zugunsten des Pferdes ausfällt — Details dazu im Studien-Artikel Bei Ausrüstung 41 Prozent, beim Tierarzt 9 Prozent: Die ehrliche Sparliste 2026.

Und noch ein Befund am Rande: 91 Prozent der Befragten sagen in einer anderen Frage, dass sie mindestens manchmal ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Pferd haben. Wer trotz dieser Selbstaufopferung noch das Gefühl hat, nicht genug zu tun, lebt in einer emotionalen Enge, die diese Wunschliste ins richtige Licht rückt. Mehr dazu im Studien-Artikel Das stille Schuldgefühl: Warum Pferdebesitzerinnen nie genug tun.

Wie kannst Du die Wünsche realistisch näher rücken?

Die Studie zeigt das Ist. Die Frage ist, was Du daraus machst. Niemand kann den GOT-Druck einseitig wegnehmen — aber jede Pferdebesitzerin kann an ihrem persönlichen Setup drehen. Hier sind die drei Hebel, die nach unseren Datenpunkten am ehrlichsten funktionieren.

1. Den größten Wunsch klein anfangen. Wenn der Top-Wunsch Urlaub ist, muss es nicht gleich zwei Wochen Italien sein. Eine verlängerte Wochenend-Auszeit mit Reitbeteiligung als Pferd-Sitter, ein Tageskurs in einer entspannten Reitanlage, ein Kurztrip mit dem Pferd auf einen Reiterhof — das sind Mini-Versionen des Wunsches, die finanziell deutlich näher liegen als der klassische Familienurlaub. Wer einmal pro Quartal eine kleine Auszeit organisiert, hat im Jahr fast denselben Erholungseffekt wie eine große Reise.

2. Bei Reitunterricht und Sattel klug priorisieren. Wenn Du sowohl mehr Unterricht als auch einen neuen Sattel brauchst und gerade nur eines geht — entscheide systematisch: Macht der aktuelle Sattel meinem Pferd Probleme (Druckstellen, Rückenverspannungen)? Dann hat der Sattel Vorrang. Wenn das Pferd offensichtlich gut mit dem Sattel klarkommt, ist Unterricht oft die bessere Investition pro Euro — guter Unterricht zahlt sich über Jahre aus.

3. Den Anhänger-Wunsch realistisch durchrechnen. 3,3 Prozent würden in einen Pferdeanhänger oder Zugfahrzeug investieren. Wer das ernsthaft erwägt, sollte den Anhängerführerschein BE oder C1 zuerst prüfen — Details dazu in unserem Ratgeber Welcher Anhängerführerschein passt zu Dir. Oft ist die Lizenz selbst ein finanzielles Hindernis, das man unterschätzt.

Was die Studie wirklich zeigt: Pferdebesitzerinnen sind keine schlechten Wirtschafterinnen. Sie sind im Gegenteil sehr klar darüber, wo ihr Geld hingeht. Was fehlt, ist nicht Disziplin — sondern Spielraum.

Häufige Fragen zur Studie und zu den Wünschen

Was war der häufigste Wunsch in der Studie?

24 Prozent der 3.515 befragten Pferdebesitzerinnen würden zuerst in Urlaub investieren, wenn das Pferd halb so teuer wäre. Damit ist Urlaub mit Abstand der häufigste Wunsch — vor Reitunterricht (12,5 Prozent) und einem neuen Sattel (12,2 Prozent).

Wie wurde die Wunsch-Frage erhoben?

Als offene Frage, ohne vorgegebene Antwortoptionen. Die Reiterinnen konnten frei schreiben. Die Antworten wurden anschließend thematisch zu Clustern gruppiert (Mehrfachzuordnung möglich), zum Beispiel landeten "Urlaub", "Reise" und "ans Meer" alle im Cluster Urlaub.

Warum ist Urlaub so weit oben auf der Wunschliste?

Pferdehaltung dominiert das Lebensbudget vieler Reiterinnen so stark, dass für persönliche Erholung wenig übrig bleibt. Stallmiete, Tierarzt nach GOT, Versicherung, Hufschmied und Futter binden den größten Teil der diskretionären Ausgaben. Plus: Während des Urlaubs muss zusätzlich die Pferdebetreuung organisiert und oft bezahlt werden.

Warum träumen so wenige von einem zweiten Pferd?

Nur 6,5 Prozent. Die Erklärung ist pragmatisch: Wer ein Pferd hat und die Kosten realistisch kennt, weiß, dass ein zweites Pferd eine massive zusätzliche Belastung ist. Außerdem teilt ein zweites Pferd Zeit und Aufmerksamkeit. Beides reduziert die Attraktivität des Wunsches.

Wie viele Wünsche fließen eigentlich zurück ins Pferd?

Sieben der elf Wunsch-Cluster gehen direkt oder indirekt wieder ins Pferdeleben — Reitunterricht, Sattel, bessere Ausrüstung, Zweites Pferd, Therapie und Tierarzt, Anhänger, Sicherheit. Selbst wenn Geld da wäre, würde der größte Teil der Wünsche das Pferd betreffen. Das zeigt, wie eng Pferdebesitzerinnen ihre Identität mit dem Tier verbunden haben.

Wo finde ich die vollständige Studie?

Auf der Hub-Seite zur RidersDeal Reitsport-Studie 2026 findest Du alle Kapitel — Methodik, Demografie, Geld, Gesundheit, Training, Turniersport, Senior-Pferd, Medien und Emotion.

Wenn der Wunschzettel realistischer werden soll: Markenausrüstung zu fairen Preisen — von Schabracken bis Reithose, fürs Stallleben, das Du gerade lebst.

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