Pferdefütterung – die wichtigsten Grundlagen, Regeln und Tipps
Die richtige Pferdefütterung ist der Schlüssel für ein gesundes, leistungsfähiges und zufriedenes Pferd. Sie beeinflusst Verdauung, Muskulatur, Fell, Stoffwechsel und sogar das Verhalten. Doch ein Patentrezept, das für alle Pferde gleichermaßen passt, gibt es nicht. Jedes Tier hat individuelle Bedürfnisse, die von Alter, Rasse, Trainingspensum und Haltungsform abhängen. Während das eine Pferd schon mit Heu und Mineralfutter rundum versorgt ist, benötigt ein Sportpferd oft deutlich mehr Energie und spezielle Ergänzungen.
Hinzu kommt die riesige Auswahl an Futtermitteln: Müslis, Pellets, Öle, Mineralfutter und Zusätze versprechen allesamt Vorteile. Da ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Umso wichtiger ist es, die Grundlagen der Pferdefütterung zu verstehen und zu wissen, worauf es wirklich ankommt.
In diesem Ratgeber erfährst Du:
-
welche Futterarten Pferde benötigen,
-
die 10 wichtigsten Regeln für die Pferdefütterung,
-
wann Ergänzungsfutter sinnvoll ist,
-
wie sich die Fütterung im Sommer, Winter oder bei Senioren und Sportpferden unterscheidet,
-
welche typischen Fehler Du vermeiden solltest,
-
und Antworten auf die häufigsten Fragen rund ums Thema Pferdefutter.
Die Grundarten des Pferdefutters
Die Pferdefütterung wird klassisch in vier Kategorien unterteilt: Raufutter, Saftfutter, Kraftfutter und Ergänzungsfutter.
Raufutter wie Heu, Heulage und Stroh bildet die Basis jeder Pferdefütterung. Es liefert Rohfaser, regt die Verdauung an, verlängert die Fresszeiten und befriedigt das Kaubedürfnis. Die Faustregel lautet: 1,5 bis 2 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht – ein Warmblut mit 500 Kilogramm braucht also mindestens 7,5 bis 10 Kilogramm Heu am Tag.
Saftfutter umfasst frisches Gras, Rüben, Obst und Gemüse. Es ist wasserreich, leicht verdaulich und kann die Ration abwechslungsreicher machen. Vor allem Gras liefert im Sommer viel Energie – bei leichtfuttrigen Pferden sollte man allerdings aufpassen, um Übergewicht und Hufrehe vorzubeugen.
Kraftfutter wie Hafer, Gerste oder Mais liefert konzentrierte Energie. Es ist vor allem für Pferde mit höherem Arbeitsaufwand oder im Leistungssport notwendig. Freizeitpferde kommen häufig ohne Kraftfutter aus.
Ergänzungsfutter rundet die Ration ab, wenn Nährstoffe im Grundfutter fehlen. Mineralfutter, Elektrolyte oder Vitaminpräparate können sinnvoll sein – aber nur dann, wenn tatsächlich ein Bedarf besteht. Ein Zuviel kann ebenso schädlich sein wie ein Mangel.
Die 10 wichtigsten Regeln der Pferdefütterung
Damit die Fütterung ausgewogen bleibt und Dein Pferd gesund versorgt wird, helfen diese Grundregeln:
1. Fütterungszeiten festlegen
Pferde sind Dauerfresser, doch feste Zeiten können im Stallalltag sinnvoll sein. Sie schaffen Ruhe und beugen Futterneid vor, besonders wenn mehrere Pferde gleichzeitig gefüttert werden.
2. Kleine Portionen statt große Mahlzeiten
Der Pferdemagen ist klein und produziert rund um die Uhr Magensäure. Mehrere kleine Portionen belasten ihn weniger und sind deutlich verträglicher. Für ein 500-Kilogramm-Pferd gilt: maximal 1,8 bis 2 Kilogramm Kraftfutter pro Mahlzeit.
3. Heu vor Kraftfutter
Gib dem Pferd etwa eine halbe Stunde vor dem Kraftfutter Heu. So frisst es das Kraftfutter ruhiger und langsamer – das Risiko von Koliken sinkt.
4. Rohfaser nicht unterschätzen
Rohfaser ist unverzichtbar. Sie hält die Verdauung stabil, fördert die Darmflora und sorgt für Beschäftigung. Heu und Stroh sollten deshalb nie zu knapp bemessen werden.
5. Lange Fresszeiten ermöglichen
In freier Natur verbringen Pferde bis zu 16 Stunden mit Fressen. Bekommen sie im Stall zu schnell ihre Energie, bleibt Langeweile – und damit steigt das Risiko von Verhaltensauffälligkeiten wie Koppen oder Weben. Heunetze und -raufen verlängern die Fressdauer.
6. Immer frisches Wasser bereitstellen
Pferde trinken 30 bis 80 Liter Wasser pro Tag, abhängig von Witterung, Futter und Bewegung. Achte auf sauberes, frisches Wasser und kontrolliere die Tränken regelmäßig.
7. Eiweißbedarf im Auge behalten
Während Jungpferde, Sportpferde oder laktierende Stuten einen höheren Bedarf haben, reicht bei den meisten Pferden der Eiweißgehalt im Heu aus. Zu viel Eiweiß kann die Leber und Nieren belasten.
8. Futterumstellungen langsam durchführen
Neue Futtermittel sollten über ein bis zwei Wochen eingeschlichen werden. Plötzliche Umstellungen stören die Darmflora und können Koliken verursachen.
9. Nur geeignetes Pferdefutter verwenden
Futter für andere Tiere oder Mastfutter ist tabu. Pferde haben spezielle Bedürfnisse und vertragen bestimmte Inhaltsstoffe nicht.
10. Futter richtig lagern
Lagere Futter kühl, trocken und geschützt. Betonböden ziehen Feuchtigkeit und fördern Schimmelbildung. Am besten eignen sich Futtertonnen mit Deckel.
Ergänzungsfutter – wann wirklich sinnvoll?
Mineralfutter, Vitamine, Elektrolyte oder spezielle Mischungen für Gelenke und Fellwechsel – Ergänzungsfutter gibt es in unzähligen Varianten. Doch nicht jedes Pferd braucht Zusätze.
Heu, Gras und Kraftfutter liefern viele Nährstoffe schon in ausreichender Menge. Ein gezielter Einsatz von Ergänzungsfutter ist dann sinnvoll, wenn ein Mangel nachgewiesen wurde, die Belastung steigt (z. B. bei Sportpferden) oder besondere Lebensphasen wie Fellwechsel, Wachstum oder Alter anstehen.
Eine Heuanalyse kann helfen, Defizite zu erkennen. Wichtig ist, die Dosierung einzuhalten, da ein Übermaß an Mineralstoffen den Stoffwechsel ebenso belasten kann wie ein Mangel.
Nicht jedes Pferd akzeptiert Ergänzungsfutter sofort. Eine langsame Umstellung, bei der kleine Mengen untergemischt werden, ist oft der beste Weg.
Pferdefütterung im Jahresverlauf
Die Ansprüche an die Fütterung ändern sich mit den Jahreszeiten.
Im Sommer steht frisches Gras im Mittelpunkt. Es liefert viel Energie, birgt aber auch Risiken. Gerade bei leichtfuttrigen Pferden oder Tieren mit Hufrehe-Anfälligkeit ist Vorsicht geboten. Weidezeiten sollten langsam gesteigert und bei Bedarf mit einem Mineralfutter ergänzt werden, da Gras nicht alle Spurenelemente abdeckt.
Im Winter bildet Heu die Hauptfutterquelle. Da kein Gras zur Verfügung steht, steigt der Bedarf an hochwertigem Raufutter. Öl oder Mash können zusätzliche Energie liefern, wenn das Pferd bei Kälte Gewicht verliert. Achte außerdem auf die Wasseraufnahme, da Pferde im Winter oft weniger trinken.
Unterschiede zwischen Freizeit-, Sport- und Seniorenpferden
Die Fütterung sollte sich immer am individuellen Bedarf orientieren.
Ein Freizeitpferd, das regelmäßig, aber moderat bewegt wird, kommt oft schon mit Heu und Mineralfutter bestens zurecht. Kraftfutter ist hier meist überflüssig.
Ein Sportpferd hingegen hat einen deutlich höheren Energiebedarf. Kraftfutter, Öle oder Elektrolyte können sinnvoll sein, wenn die Arbeit intensiv ist. Wichtig ist, dass die Ration zum Trainingspensum passt und nicht „auf Vorrat“ gefüttert wird.
Seniorenpferde haben wiederum andere Bedürfnisse. Sie können langfaseriges Heu oft nicht mehr richtig kauen. Hier helfen eingeweichte Heucobs oder Raufutterprodukte. Der Energiebedarf sinkt mit dem Alter zwar, doch gleichzeitig steigt oft der Proteinbedarf, sodass die Ration sorgfältig angepasst werden sollte.
Häufige Fütterungsfehler
Viele Probleme entstehen durch klassische Fütterungsfehler:
-
zu viel Kraftfutter,
-
abrupte Umstellungen,
-
minderwertiges oder schimmeliges Heu,
-
fehlendes Mineralfutter,
-
zu lange Fresspausen.
All das kann Verdauungsprobleme, Koliken oder Stoffwechselstörungen auslösen.
Futterberatung fürs Pferd
Manchmal ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten oder die richtige Mischung zu finden. In solchen Fällen kann eine Futterberatung sinnvoll sein – besonders, wenn Dein Pferd schwerfuttrig ist, empfindlich reagiert oder gesundheitliche Probleme hat.
Eine unabhängige Futterberatung erstellt individuelle Rationspläne und berücksichtigt dabei sowohl die Grundversorgung mit Raufutter als auch den tatsächlichen Bedarf an Kraft- und Ergänzungsfutter. So lassen sich Über- oder Unterversorgungen vermeiden.
FAQ – Häufige Fragen zur Pferdefütterung
Wie oft sollte man ein Pferd am Tag füttern?
Mehrere kleine Portionen sind besser als wenige große.
Wie viel Heu braucht ein Pferd pro Tag?
1,5 bis 2 Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht – also rund 7,5 bis 10 Kilogramm für ein Warmblut.
Brauchen alle Pferde Kraftfutter?
Nein. Freizeitpferde kommen oft ohne aus. Kraftfutter ist nur bei hohem Energiebedarf nötig.
Ist Ergänzungsfutter für jedes Pferd sinnvoll?
Nur, wenn ein tatsächlicher Bedarf besteht. Eine Heuanalyse gibt Klarheit.
Was darf ein Pferd nicht fressen?
Schimmelfutter, Futter für andere Tierarten oder große Mengen stark zuckerhaltiger Snacks.
Woran erkennt man gutes Heu?
Es riecht angenehm, staubt nicht und ist grünlich ohne Schimmel oder Erde.
Die richtige Pferdefütterung ist individuell und hängt von vielen Faktoren ab. Klar ist: Raufutter bildet die Grundlage, Kraftfutter wird nur nach Bedarf gefüttert, Ergänzungsfutter kommt gezielt zum Einsatz.
Wenn Du die 10 Regeln beachtest, saisonale Besonderheiten berücksichtigst und Fütterungsfehler vermeidest, legst Du die Basis für ein gesundes, leistungsfähiges und zufriedenes Pferd.
