Freispringen mit dem Pferd – Aufbau, Abstände & Vorteile
„Springen kann jedes Pferd“, heißt es so schön. Für viele Reiter:innen ist es das Hoch aller Gefühle, gemeinsam mit dem Pferd über Hindernisse zu fliegen. Für andere dagegen kann Springen im Sattel eher ein mulmiges Erlebnis sein. Doch es gibt eine tolle Alternative: Freispringen mit dem Pferd.
Hierbei springt dein Pferd ohne Reitergewicht und kann ganz frei seine Freude am Sprung entdecken. Freispringen stärkt Muskulatur, Balance und Koordination – und gibt dir spannende Einblicke in das Talent deines Vierbeiners. In diesem Ratgeber erfährst du, warum Freispringen sinnvoll ist, wie du dein Pferd daran gewöhnst, wie der richtige Aufbau aussieht und warum Aufwärmen unverzichtbar ist.
Was ist Freispringen beim Pferd?
Beim Freispringen wird das Pferd ohne Reitergewicht durch eine vorbereitete Sprunggasse geschickt. Dabei überwindet es Hindernisse selbstständig – vom Cavaletti bis zum Oxer. Im Gegensatz zum Reiten kann es dabei völlig frei den Absprungpunkt wählen, Tempo regulieren und den Bewegungsablauf selbst koordinieren.
Für viele Pferde bedeutet das nicht nur körperliches Training, sondern auch mentale Abwechslung. Besonders junge Pferde profitieren, weil sie ohne zusätzlichen Druck lernen, mit Sprüngen umzugehen.
Warum Freispringen sinnvoll ist
Junge Pferde an Sprünge gewöhnen
Vor allem junge Pferde, die noch nicht oder erst seit kurzem unter dem Sattel sind, können beim Freispringen erste Erfahrungen sammeln. Sie lernen, was beim Überwinden von Hindernissen wichtig ist, ohne gleichzeitig das Gewicht eines Reiters tragen zu müssen. Das fördert Vertrauen und Sicherheit.
Zucht & Hengstkörungen
In der Zucht spielt Freispringen eine große Rolle. Bei Hengstkörungen wird das Vermögen, die Technik und die Einstellung zum Sprung beurteilt. Züchter:innen und Hengstbesitzer:innen entscheiden so, ob ein Hengst für die Zucht geeignet ist oder eher als Reitpferd eine Zukunft hat.
Pferdekauf & Verkaufsargument
Junge Pferde ohne Turniererfolge können beim Freispringen ihre Qualität zeigen. Potenzielle Käufer:innen sehen direkt, wie viel Vermögen und Einstellung zum Sprung vorhanden sind – ein starkes Kaufargument.
Abwechslung im Training
Auch erfahrene Pferde profitieren. Monotones Training kann ermüden und die Motivation mindern. Freispringen bringt Abwechslung, fordert andere Muskelgruppen und steigert die Aufmerksamkeit.
Positive Aspekte des Freispringens für dein Pferd
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Muskulatur: Stärkung von Rücken- und Hinterhand
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Balance & Koordination: Pferde lernen, Absprung und Landung selbst einzuschätzen
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Kondition: Der Körper wird gymnastiziert, die Bewegungen geschmeidiger
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Mentale Abwechslung: Neue Aufgaben halten die Motivation hoch
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Förderung der Aufmerksamkeit: Variierende Abstände erfordern Mitdenken
Besonders im Winter, wenn Wetter und Platzverhältnisse das Training einschränken, ist Freispringen eine gute Möglichkeit, dein Pferd sinnvoll zu beschäftigen.
Richtiges Aufwärmen vor dem Freispringen
Ein typischer Fehler: Das Pferd wird direkt aus der Box in die Halle gebracht und ohne Aufwärmen losgelassen. Gerade im Winter rennen die Pferde dann unkontrolliert los, bocken – und verspannen sich eher, statt locker zu werden.
Das Problem: Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke sind kalt und verletzungsanfälliger.
So machst du es besser:
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Schritt: 10 Minuten im Schritt führen oder an der Longe.
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Trab & Galopp: Einige Minuten locker an der Longe, bis das Pferd entspannt läuft.
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Erste Stangenarbeit: Mit Bodenstangen beginnen, bevor Hindernisse folgen.
Ein gut aufgewärmtes Pferd springt gesünder, kontrollierter und motivierter.
Pferd an das Freispringen gewöhnen
Beinschutz und Ausrüstung
Gamaschen und Hufglocken sind Pflicht. Gerade junge Pferde sind unkoordiniert und können sich gegen die eigenen Beine schlagen. Aber auch erfahrene Pferde profitieren vom Schutz, da immer ein paar übermütige Bocksprünge vorkommen.
Schrittweise Heranführung
Dein Pferd kann am Halfter oder an einer Trense ohne Zügel freigesprungen werden. Nutze ein Seil, das durch den Ring läuft und sich am Anfang der Sprunggasse leicht ausfädeln lässt. So hast du Kontrolle, bis es den Ablauf verstanden hat.
Starte, indem du dein Pferd zuerst ohne Hindernisse durch die Sprunggasse führst. Dann folgen Stangen, Cavaletti und kleine Kreuze. Schritt für Schritt entwickelt es Sicherheit.
Rhythmus und Vorlegestangen
Ein Galoppsprung zwischen den Hindernissen hilft beim Finden des Rhythmus. Eine Vorlegestange vor dem ersten Sprung erleichtert den Absprung.
Freispringen – Aufbau & Sicherheit
Sicherheitsmaßnahmen vor dem Start
Damit Freispringen sicher bleibt, solltest du folgendes beachten:
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Spiegel in der Halle abhängen
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Türen sichern, damit kein Pferd darüber springt
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Sicherheitsauflagen bei Oxern verwenden
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Immer Handschuhe tragen
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Sprunggasse klar und gut sichtbar begrenzen
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Bunte Stangen verwenden – Pferde sehen Kontraste besser
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Drei Personen einplanen: eine zum Führen, eine zur Absicherung, eine zum Aufbau
Individuelle Abstände wählen
Jedes Pferd hat einen eigenen Galoppsprung. Passe die Abstände entsprechend an. Unerfahrene Pferde benötigen mehr Orientierung und klare Strukturen, später können auch variierende Abstände eingebaut werden, um die Konzentration zu fördern.
Vorlegestangen richtig einsetzen
Eine Stange 40–70 cm vor dem Sprung erleichtert den Absprung. Je höher das Hindernis, desto weiter wird die Stange gelegt, da dein Pferd früher abspringen muss.
Unterstützung mit der Peitsche
Eine lange Longierpeitsche hilft, dein Pferd im Fluss zu halten und verhindert, dass es aus der Reihe ausbricht.
Aufbau einer Freispringreihe
Klassischer Ablauf der Sprunggasse
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Vorlegestange aus dem Trab: 2,2 – 2,5 m
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In-Out: 3 – 3,5 m
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Ein Galoppsprung: 6 – 7,5 m
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Zwei Galoppsprünge: 10 – 11 m
Das erste Hindernis ist oft ein Cavaletti oder kleines Kreuz, das letzte ein Steilsprung oder später ein Oxer.
Wichtig: Beim Freispringen geht es nicht darum, das maximale Vermögen auszutesten. Besonders bei jungen Pferden stehen Gymnastizierung, Losgelassenheit und Freude im Vordergrund.
Abstände im Überblick
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Ein Galoppsprung: 6,50 – 7,00 m bei Großpferden, 5,50 – 6,00 m bei Ponys
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Zwei Galoppsprünge: 11,00 – 12,00 m bei Großpferden, 9,50 – 10,50 m bei Ponys
Passe die Abstände individuell an dein Pferd an.
Tipps für die Praxis
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Halte die Einheiten kurz (10–15 Minuten reichen).
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Trainiere auf beiden Händen – nicht nur links.
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Belohne dein Pferd regelmäßig.
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Übertreibe es nicht – müde Pferde springen schlechter.
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Beende jede Einheit positiv, damit dein Pferd an Sicherheit gewinnt.
Häufige Fragen zum Freispringen
Ist Freispringen für jedes Pferd geeignet?
Ja – ob Pony oder Großpferd, solange es gesund und fit ist.
Wie oft sollte man Freispringen?
Einmal pro Woche oder alle zwei Wochen reicht völlig aus.
Warum ist Aufwärmen so wichtig?
Damit Muskeln, Sehnen und Gelenke nicht kalt belastet werden und Verletzungen vermieden werden.
Welche Ausrüstung brauche ich fürs Freispringen?
Halle oder Zirkel, Hindernisse (Stangen, Cavaletti, Oxer), Beinschutz fürs Pferd, Handschuhe für dich.
Warum ist Freispringen in der Zucht wichtig?
Es zeigt Technik, Vermögen und Einstellung eines Pferdes – entscheidend bei Körungen und im Verkauf.
Was bringt Freispringen für Pferde?
Es stärkt Muskulatur, Balance und Koordination, fördert Aufmerksamkeit und Motivation und eignet sich für Zucht, Verkauf und Ausbildung.
Welche Abstände braucht man beim Freispringen?
Ein Galoppsprung ca. 6,50–7 m bei Großpferden, 5,50–6 m bei Ponys. Zwei Galoppsprünge ca. 11–12 m (Großpferd), 9,50–10,50 m (Pony).
Wie gewöhnt man Pferde ans Freispringen?
Schrittweise: erst durch die Gasse führen, dann Bodenstangen, Cavaletti und kleine Hindernisse einbauen. Beinschutz anlegen und loben.
Freispringen ist mehr als „springen ohne Reiter“. Es ist ein wertvolles Trainingsinstrument, das Pferde körperlich stärkt, geistig fordert und Abwechslung bietet. Für Züchter:innen ist es ein Prüfstein, für Käufer:innen ein Kaufargument – und für Reiter:innen eine willkommene Ergänzung zum Alltag.
Mit dem richtigen Aufbau, passenden Abständen, sicherem Handling und genügend Ruhe kann Freispringen deinem Pferd nicht nur Freude bereiten, sondern auch seine Entwicklung positiv beeinflussen.
Probiere es aus: Hat dein Pferd schon erste Erfahrungen im Freispringen gesammelt?
