Wie longiere ich mein Pferd? – so nutzt Du die Arbeit an der Longe sinnvoll

Viele kennen es: Man hat wenig Zeit im Stall, hängt das Pferd mal eben an die Longe und lässt es ein paar Runden laufen. „Hauptsache bewegt“ lautet dann das Motto. Doch Longieren ist weit mehr als ein Ersatz fürs Reiten. Wenn es richtig gemacht wird, kann es für Dein Pferd eine enorme Bereicherung sein – sowohl körperlich als auch mental. Falsch ausgeführt, schadet es jedoch mehr, als es nützt.

In diesem Beitrag erfährst Du, welchen Sinn Longieren wirklich hat, welche Ausrüstung sinnvoll ist, wie Du Dein Pferd korrekt an der Longe arbeitest und welche Fehler Du unbedingt vermeiden solltest.

 

Warum Longieren so wichtig ist

Auf den ersten Blick wirkt es simpel: Der Mensch steht in der Mitte, das Pferd läuft im Kreis. Doch Pferde sind nicht dafür gemacht, dauerhaft gebogen auf einer Linie zu laufen. Wenn das Tier nicht korrekt gestellt ist, zeigt der Kopf nach außen, der Körper drückt gegen den Kreis und die Belastung liegt auf dem inneren Vorderbein. Gelenke und Sehnen werden übermäßig beansprucht – und anstatt das Pferd gesund zu gymnastizieren, wird es einseitig verschlissen.

Deshalb ist Longieren kein „Nebenbei-Training“, sondern eine Technik, die Du bewusst einsetzen solltest. Es lohnt sich, sich von Trainer:innen oder erfahrenen Reiter:innen die Grundlagen zeigen zu lassen. Denn wenn Du Dein Pferd richtig longierst, kannst Du sehr viel erreichen:

  • Muskulatur aufbauen – ohne zusätzliches Reitergewicht

  • Balance schulen – das Pferd lernt, sich auf gebogenen Linien auszubalancieren

  • Losgelassenheit fördern – durch korrektes Vorwärts-abwärts-Dehnen

  • Kondition steigern – gleichmäßige Bewegung auf verschiedenen Tempi

  • Reha-Training ermöglichen – besonders nach Verletzungen oder Pausen

 

Positive Effekte des Longierens

Richtig longiert arbeitet das Pferd über den Rücken, tritt mit der Hinterhand aktiv unter den Schwerpunkt und dehnt sich an Kappzaum oder Gebiss heran. Schon nach wenigen Einheiten wirst Du Fortschritte sehen: Die Gänge werden schwungvoller, das Pferd trägt sich besser und wirkt lockerer.

Besonders Pferde, die Verspannungen im Rücken haben oder den Kopf gerne hochnehmen, profitieren. Ohne Reitergewicht fällt es ihnen leichter, loszulassen. Auch die Balance verbessert sich, da das Pferd lernt, die Biegung durch den ganzen Körper zuzulassen und nicht nur im Hals „abzuknicken“.

Für junge Pferde ist Longieren oft der erste Schritt in die Ausbildung. Sie lernen die Stimme, die ersten Kommandos und gewöhnen sich an Sattel, Trense und die Hilfengebung. Für erfahrene Pferde ist es eine willkommene Abwechslung – oder eine Möglichkeit, nach längeren Pausen wieder schonend Muskeln und Kondition aufzubauen.

 

Longieren in der Reha und zur Sicherheit

Nach Verletzungen ist Longieren oft ein wichtiger Bestandteil des Aufbautrainings. So kann das Pferd wieder in Bewegung gebracht werden, ohne dass das Gewicht des Reiters hinzukommt. Auch nach einem Zahnarztbesuch, wenn ein Gebiss nicht ins Maul gelegt werden darf, bietet sich das Longieren am Kappzaum an.

Viele Reiter:innen nutzen die Longe auch, um ein sehr frisches Pferd vor dem Reiten „abzulongieren“. Dadurch kann überschüssige Energie abgebaut werden, bevor Du in den Sattel steigst – ein Sicherheitsaspekt, den man nicht unterschätzen sollte.

 

Welche Ausrüstung brauchst Du?

Die richtige Ausstattung macht Longieren nicht nur effektiver, sondern auch sicherer – für Dich und Dein Pferd.

Handschuhe und Schuhe

Beim Longieren gehören Handschuhe zur Grundausstattung. Rutscht die Longe durch die Hände, entstehen sonst schnell schmerzhafte Verbrennungen. Auch feste Schuhe sind Pflicht, damit Du einen sicheren Stand hast.

Die Longe

Eine Longe sollte mindestens 15 Meter lang sein, damit das Pferd auf einem ausreichend großen Kreis läuft. Nylon-Longen sind leicht, liegen angenehm in der Hand und lassen sich in ordentlichen Schlaufen führen. Wichtig: Wickele die Longe niemals um die Hand – das kann im Ernstfall schwere Verletzungen verursachen.

Longierpeitsche

Die Peitsche ersetzt die Schenkelhilfe. Sie dient zum Treiben, aber auch, um das Pferd auf dem Zirkel zu halten. Am besten wählst Du ein leichtes Modell, das lang genug ist, damit Du Dein Pferd im Zweifel erreichen kannst.

Longiergurt und Unterlage

Anstelle eines Sattels wird oft ein Longiergurt genutzt. Er ist leichter, hat viele Ringe für Ausbinder und sitzt mit einer speziellen Longierunterlage angenehm gepolstert auf dem Rücken.

Beinschutz

Da es an der Longe auch mal wilder zugehen kann, solltest Du Gamaschen, Bandagen und Hufglocken verwenden. So schützt Du die Beine Deines Pferdes vor Tritten oder dem Abtreten von Eisen.

Kappzaum, Trense oder Halfter?

Ein Halfter eignet sich nur für ganz lockeres Longieren, bietet aber wenig Kontrolle. Mit einer Trense kannst Du zwar Hilfen geben, riskierst aber, dass das Gebiss einseitig gezogen wird. Ein Kappzaum ist die schonendste und präziseste Variante. Er wirkt über den Nasenriemen, erlaubt Stellung und Biegung, ohne ins Maul einzuwirken, und ist deshalb heute die erste Wahl beim Longieren.

 

Longieren mit oder ohne Hilfszügel?

Hier scheiden sich die Geister. Manche schwören auf Hilfszügel, andere lehnen sie grundsätzlich ab. Fakt ist: Hilfszügel können helfen – wenn sie korrekt eingesetzt werden. Sie ersetzen aber niemals aktives Longieren.

Besonders Dreieckszügel sind beliebt. Sie zeigen dem Pferd den Weg in die Tiefe, ohne es zu sehr einzuschränken. Wichtig ist, dass sie nicht zu kurz geschnallt sind und die Stirn-Nasen-Linie stets vor der Senkrechten bleibt. Junge Pferde sollten längere Hilfszügel bekommen, damit sie ihre Balance finden können.

Kritisch zu sehen ist die sogenannte Longierhilfe (Strickausbinder). Sie ist zwar schnell angebracht, scheuert aber am Rücken, verrutscht leicht und birgt ein Verletzungsrisiko. Besser ist es, etwas mehr Zeit zu investieren und klassische Hilfszügel korrekt zu verschnallen – oder bewusst ganz ohne zu longieren, wenn Du mit Stimme und Peitsche präzise einwirkst.

 

Tipps für effektives Longieren

Damit Deine Einheit an der Longe sinnvoll ist, solltest Du einige Dinge beachten:

  • Aufwärmen: Starte mit 10–15 Minuten Schritt. So wie beim Reiten muss auch beim Longieren die Muskulatur erst warm werden.

  • Handwechsel: Wechsle regelmäßig die Seite, damit Dein Pferd gleichmäßig trainiert wird.

  • Übergänge: Baue viele Übergänge ein. Sie halten Dein Pferd aufmerksam und fördern die Versammlung.

  • Stangenarbeit: Cavalettis oder Bodenstangen machen das Training abwechslungsreicher und gymnastizieren zusätzlich.

  • Klarheit: Achte darauf, dass Deine Kommandos konsequent sind. Wenn Du Schritt verlangst, sollte Dein Pferd nicht weiter traben.

  • Nicht quatschen: Ständige Wiederholung stumpft Dein Pferd ab. Gib klare Kommandos und unterstütze sie bei Bedarf mit der Peitsche.

 

Häufige Fehler beim Longieren

Viele Fehler passieren unbewusst:

  • Ein zu kleiner Zirkel belastet Gelenke und Sehnen übermäßig.

  • Das Pferd rennt im Kreis, ohne Stellung oder Biegung.

  • Der Longenführer gibt keine klaren Hilfen und lässt das Pferd machen, was es will.

  • Die Longe wird um die Hand gewickelt – eine große Gefahr.

  • Es wird ohne Beinschutz, Handschuhe oder feste Schuhe longiert.

Gerade Anfänger:innen sollten sich bewusst machen: Longieren ist Training, nicht Beschäftigungstherapie. Dein Pferd soll dabei genauso lernen und arbeiten wie unter dem Sattel.

 

Longieren mit Plan

Longieren ist weit mehr als ein Notnagel, wenn keine Zeit fürs Reiten bleibt. Richtig gemacht, ist es ein effektives Training für Körper und Geist des Pferdes. Es schult Balance, stärkt die Muskulatur und vertieft die Kommunikation zwischen Dir und Deinem Vierbeiner.

Mit der passenden Ausrüstung, einem durchdachten Aufbau und abwechslungsreichen Übungen wird Longieren zu einem festen Bestandteil Eures Trainingsplans. Nimm es ernst – Dein Pferd wird es Dir danken.

 

Häufige Fragen zum Longieren von Pferden

Wie lange sollte man ein Pferd longieren?
Ein gesundes Pferd kann je nach Trainingsstand etwa 20 bis 30 Minuten longiert werden. Wichtig ist, die Einheit abwechslungsreich zu gestalten und nicht stumpf im Kreis laufen zu lassen. Junge Pferde oder Pferde im Aufbau sollten kürzer gearbeitet werden.

Kann man ein Pferd am Halfter longieren?
Grundsätzlich ja, für lockere Bewegungseinheiten. Für korrektes Arbeiten ist das Halfter aber ungeeignet, da Hilfen nicht präzise ankommen und es verrutschen kann. Besser ist ein Kappzaum oder eine Trense.

Wie oft sollte man ein Pferd longieren?
Das hängt vom Trainingsplan ab. Viele Reiter:innen longieren ein- bis zweimal pro Woche, um Abwechslung zum Reiten zu schaffen. Entscheidend ist, dass Longieren gezielt eingesetzt wird und nicht zum „Lückenfüller“ wird.

Mit oder ohne Hilfszügel longieren?
Beides ist möglich. Hilfszügel können helfen, wenn sie korrekt eingestellt sind, ersetzen aber niemals aktives Longieren. Besonders Dreieckszügel gelten als sinnvoll, während einfache Longierhilfen eher kritisch zu sehen sind.

Welche Ausrüstung braucht man zum Longieren?
Zur Grundausstattung gehören: Longe (mindestens 15 m), Longierpeitsche, Longiergurt mit Unterlage, Beinschutz fürs Pferd, Handschuhe und festes Schuhwerk für Dich. Als Kopfstück empfiehlt sich ein Kappzaum.

Wie baue ich eine Longeneinheit auf?
Starte mit 10–15 Minuten Schritt zum Aufwärmen, dann folgt die eigentliche Arbeit mit Übergängen, Biegungen und Stangenarbeit. Vergiss nicht, regelmäßig die Hand zu wechseln, und beende die Einheit mit einigen Minuten Schritt zum Abkühlen.

 

Ergebnisse unserer Umfrage zum Longieren

Wir haben 146 Reiter:innen gefragt, wie sie das Thema Longieren im Alltag handhaben – und die Antworten sind spannend:

  • Regelmäßigkeit:
    Die meisten longieren ihr Pferd 1–3 Mal pro Woche. 61 Teilnehmende gaben an, 2–3 Mal pro Woche zu longieren, 45 immerhin 1 Mal pro Woche. Nur 20 Personen longieren selten, während 14 ihr Pferd sogar öfter als 3 Mal pro Woche longieren.

  • Ziele beim Longieren:
    Am häufigsten wurde Longieren für Muskelaufbau, Gymnastizierung und Abwechslung genannt. Viele nutzen es auch für die Ausbildung junger Pferde oder als sichere Auslastung.

  • Ausrüstung:
    Der klare Favorit ist der Kappzaum (35 Stimmen). Viele kombinieren ihn mit Longiergurt oder Hilfszügeln. Das Halfter wird deutlich seltener genutzt (12 Stimmen).

  • Dauer einer Einheit:
    Die Mehrheit longiert ihr Pferd zwischen 20 und 30 Minuten (76 Stimmen). 44 Teilnehmende gaben 30–50 Minuten an, nur wenige arbeiten kürzer oder länger.

  • Hilfszügel:
    Spannend ist auch die Frage nach Hilfszügeln: 91 Reiter:innen verzichten bewusst, während 53 regelmäßig Hilfszügel verwenden.

Das Ergebnis zeigt: Longieren ist für viele ein fester Bestandteil im Trainingsplan – ob als Ergänzung zum Reiten, zum Muskelaufbau oder einfach für mehr Abwechslung.

 

 

 

 

Weitere interessante Blogbeiträge: 

Must-Haves im Herbst

Zum Beitrag ▶▶▶

 

Die Autorin: 

Kathi aus dem #teamridersdeal 

Ich bin Werkstudentin bei RidersDeal und lebe hier meinen Traum: Mein Hobby mit meinem Beruf zu verbinden. Seit über 15 Jahren bin ich leidenschaftliche Reiterin und teile in meinen Blogbeiträgen meine Erfahrungen aus dem Alltag mit meinen zwei eigenen Pferden, die ich seit fast 10 Jahren habe. So bringe ich spannende Einblicke aus verschiedenen Bereichen des Reitsports direkt zu Euch! 

*Basierend auf über 900 Google Kundenrezensionen. | Ab dem 30.10.2025 wird beim Kauf von 3 Funktions-Reitstrümpfe COOLMAX® EcoMade im Warenkorb einmalig ein Rabatt von 49,98€ abgezogen. | Ab dem 08.04.2026 wird beim Kauf ab 2 Artikel aus der Kategorie "Mix- & Match-Rabattstaffel" einmalig 10% Rabatt, ab 4 Artikeln einmalig 15% und ab 6 Artikeln einmalig 20% abgezogen. Der Rabatt ist nicht kombinierbar. | Ab dem 06.06.2026 wird beim Kauf ab 2 Artikel aus dem Outlet einmalig 10% Rabatt, ab 4 Artikeln einmalig 15% und ab 6 Artikeln einmalig 20% abgezogen. Der Rabatt ist nicht kombinierbar. | Ab dem 19.06.2026 sind alle LIMALOO Artikel Versandkostenfrei. | Reguläre Versandkosten liegen bei 5,99€ (DE) und 7,99€ (AT). Einkauf ab 199€ versandkostenfrei. Der Mindestbestellwert liegt bei 19,00€. | Durchgestrichene Preise entsprechen der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers (UVP) oder dem vorherigen Verkaufspreis. | Alle Preisangaben inkl. gesetzlicher Mehrwertsteuer zzgl. Versandkosten. Weitere Informationen zu den Allgemeinen Geschäftsbeziehungen findest Du in unseren AGB.

**Niedrigster Gesamtpreis der letzten 30 Tage.

³ Alle Preisangaben inkl. gesetzlicher Mehrwertsteuer zzgl. Versandkosten. Weitere Informationen zu den Allgemeinen Geschäftsbeziehungen findest Du in unseren AGB.