Reiten bei Hitze: Wann es sicher ist und wann Du Dein Pferd schonen solltest


Reiten bei Hitze ist eine Frage der Sicherheit, nicht des Ehrgeizes: Wenn das Thermometer steigt, entscheidet die richtige Einschätzung darüber, ob Training guttut oder Dein Pferd überlastet. Pferde regulieren ihre Körpertemperatur fast ausschließlich über Schwitzen, und bei Hitze plus hoher Luftfeuchtigkeit stößt dieses System schnell an seine Grenzen. In diesem Beitrag erfährst Du, ab welcher Temperatur Reiten kritisch wird, woran Du Überhitzung sofort erkennst und wie Du Dein Pferd sicher durch den Sommer bringst.
Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Juni 2026
Ab welcher Temperatur sollte man nicht mehr reiten?
Entscheidend ist nicht die Temperatur allein, sondern die Summe aus Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit. Liegt dieser berechnete Wert über 150, wird intensives Reiten kritisch und Du solltest die Belastung deutlich reduzieren.
Tierärztliche Fachverbände nutzen dafür eine einfache Faustregel, den sogenannten **Hitze-Index für Pferde**. Wichtig dabei: Die Formel basiert auf der amerikanischen Berechnung in **Grad Fahrenheit**. Du addierst dafür die Lufttemperatur in Grad Fahrenheit mit der relativen Luftfeuchtigkeit in Prozent. Ein Beispiel: Bei warmen 28 Grad Celsius (das entspricht etwa 82 Grad Fahrenheit) und 60 Prozent Luftfeuchte ergibt das eine Summe von 142 – das bedeutet bereits eine spürbar erhöhte Belastung für den Pferdekörper. Ab Werten von 150 und mehr kann das Pferd seine Körperwärme kaum noch abgeben, da die feuchte Luft die lebenswichtige Schweißverdunstung bremst. Genau deshalb fühlt sich ein schwüler Sommertag für Dein Pferd weitaus belastender an als trockene Hitze.
| Index-Wert (Summe) | Bedeutung | Empfehlung fürs Reiten |
|---|---|---|
| unter 130 | unkritisch | Normales Training möglich. |
| 130 bis 150 | erhöhte Belastung | Nur leichte Arbeit, viele Schrittpausen einplanen. |
| 150 bis 170 | kritisch | Intensives Training streichen. Nur noch leichte Bewegung (z.B. Schritt) im Schatten. |
| über 170 | gefährlich | Akute Überhitzungsgefahr! Nicht reiten, Pferd im Schatten schonen und kühlen. |
Wie erkennst Du, dass Deinem Pferd zu heiß wird?
Die wichtigsten Warnsignale sind eine erhöhte Atemfrequenz, starkes Schwitzen, träge Bewegungen und eine Atmung, die nach dem Anhalten nicht zur Ruhe kommt. Spätestens dann gehört Dein Pferd in den Schatten.
Ein gesundes Pferd in Ruhe atmet rund 8 bis 16 Mal pro Minute. Steigt die Atmung nach kurzer Belastung deutlich und sinkt sie in der Schrittpause nicht innerhalb weniger Minuten, ist das ein klares Zeichen für Überhitzung. Achte zusätzlich auf flatternde Nüstern, einen stumpfen Blick, Stolpern oder ungewohnte Unlust. Bei einem Hitzschlag kann die Körpertemperatur über 40 Grad steigen - dann zählt jede Minute. Kühle das Pferd sofort mit reichlich Wasser, stelle es in den Schatten und rufe im Zweifel den Tierarzt. Lieber einmal zu früh aufgehört als das Pferd in eine gefährliche Lage gebracht.
Wann am Tag ist Reiten bei Hitze am sichersten?
Am sichersten ist Reiten am frühen Morgen vor 9 Uhr oder am späten Abend nach 19 Uhr, wenn Sonne und Hitze nachlassen. Die Mittagszeit zwischen 11 und 16 Uhr meidest Du im Hochsommer komplett.
Im Sommer verschiebt sich der Stallalltag automatisch nach vorne und nach hinten. Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515) sind 78 Prozent der Reiterinnen täglich oder pfünf- bis sechsmal pro Woche am Stall - der Sommer ändert nicht das Ob, sondern das Wann. Plane Dein Training morgens, solange Boden und Luft noch kühl sind, und nutze den schattigen Platz oder die Reithalle, wenn diese gut durchlüftet ist. Eine aufgeheizte Halle ohne Luftzug kann übrigens heißer sein als der Außenplatz im Schatten - prüfe das vor dem Aufsitzen.
Welche Pferde sind bei Hitze besonders gefährdet?
Besonders gefährdet sind ältere Pferde, sehr junge Pferde, übergewichtige Tiere sowie Pferde mit Atemwegsproblemen oder dunklem Fell. Bei ihnen funktioniert die Wärmeregulierung schlechter.
Das Thema betrifft mehr Pferde, als viele denken. Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515) sind 23,5 Prozent der Pferde 18 Jahre und älter. Senioren regulieren Hitze schlechter, schwitzen oft unregelmäßig und brauchen im Sommer besonders viel Schatten, frisches Wasser und reduzierte Arbeit. Auch Pferde mit Anhidrose, also einer gestörten Schweißbildung, sind hochgradig hitzeempfindlich - sie erkennst Du daran, dass sie trotz Anstrengung kaum schwitzen und schnell hecheln. Im Zweifel gilt für diese Gruppen: Bodenarbeit im Schatten statt schweißtreibendem Training.
Nach schweißtreibenden Sommertagen hilft eine leichte Abschwitzdecke, damit Dein Pferd kontrolliert trocknet und nicht auskühlt. Bei uns findest Du Fleece- und Abschwitzdecken in vielen Größen zum Vergleichen.
Abschwitzdecken ansehen ->Wie kühlst Du Dein Pferd nach dem Reiten richtig ab?
Kühle Dein Pferd nach dem Reiten mit reichlich Wasser ab und ziehe das Wasser danach mit einem Schweißmesser sofort ab. Wichtig: Das Wasser nicht auf dem Fell stehen lassen, sonst isoliert es die Wärme.
Die alte Regel, man dürfe erhitzte Pferde nicht kalt abspritzen, gilt heute als überholt. Studien zeigen, dass kaltes Wasser an Hals, Brust und Beinen die Körpertemperatur am schnellsten senkt - entscheidend ist nur, das warm gewordene Wasser immer wieder abzuziehen und neu aufzutragen. Biete Deinem Pferd nach der Arbeit lauwarmes Trinkwasser an und führe es im Schritt trocken. Wie Du dabei am besten vorgehst, liest Du im Detail in unserem Ratgeber Abschwitzdecken fürs Pferd sowie in unserer Uebersicht zu Kühlprodukten für Pferd und Reiter.
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Welche Ausrüstung hilft beim Reiten in der Hitze?
Hilfreich sind eine Fliegenhaube mit UV-Schutz, atmungsaktive Schabracken und leichte, helle Reitbekleidung. Sie reduzieren die Belastung durch Sonne, Insekten und Hitzestau spürbar.
Eine Fliegenhaube hält nicht nur Bremsen ab, sondern schützt auch empfindliche Pferde vor direkter Sonneneinstrahlung an Kopf und Ohren. Setze beim Sattelzeug auf dünne, atmungsaktive Schabracken statt dicker Lammfellpads, damit die Wärme unter dem Sattel entweichen kann. Für Dich selbst lohnen sich eine helle, leichte Sommerreithose und ein gut belüfteter Helm - mehr dazu in unserem Ratgeber Sommerreithose. RidersDeal führt all diese Sommer-Essentials gebündelt, sodass Du nicht bei mehreren Shops bestellen musst.
Worauf solltest Du als Reiterin bei Hitze selbst achten?
Trinke vor und nach dem Reiten ausreichend, trage helle und atmungsaktive Kleidung und verzichte nie auf den Helm - auch wenn er warm ist. Deine eigene Konzentration sinkt bei Hitze schneller, als Du denkst.
Hitze macht nicht nur Pferde träge, sondern auch Reiterinnen unaufmerksam - und im Sattel kann ein Konzentrationsfehler gefährlich werden. Schütze Deinen Kopf zusätzlich mit Sonnencreme im Gesicht und im Nacken, halte Wasser am Reitplatz bereit und plane kurze, klar strukturierte Einheiten statt langer Trainings. Reite nie allein ins Gelände, wenn Du Dich selbst schlapp fühlst. Gesundes Reiten bei Hitze bedeutet immer: erst Dein Zustand und der Deines Pferdes, dann das Trainingsziel.
Reiten bei Hitze oder lieber Bodenarbeit?
An sehr heißen Tagen ist ruhige Bodenarbeit im Schatten die bessere Wahl als schweißtreibendes Reiten. Sie hält Dein Pferd beschäftigt, ohne den Kreislauf zu überfordern.
Wenn der Hitze-Index kritische Werte erreicht, musst Du nicht ganz auf Beschäftigung verzichten. Leichte Bodenarbeit, Spazierengehen im Schatten oder ein gemütlicher Ausritt durch den Wald in den kühlen Morgenstunden sind sinnvolle Alternativen. Auch eine ausgiebige Pflegeeinheit, bei der Du Dein Pferd ablecken und im Schatten stehen lässt, stärkt Eure Bindung. So bleibt Ihr aktiv, ohne dass Dein Pferd in den roten Bereich gerät. Weitere saisonale Tipps findest Du in unserem Beitrag Pferd im Sommer: Hitze-Tipps und Schutz.
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- Anna-Lena Humpert, @Nordponys_FloKali
Häufige Fragen zum Reiten bei Hitze
Ab wie viel Grad sollte man Pferde nicht mehr reiten?
Das hängt von der Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Zur Berechnung wird die Temperatur in Fahrenheit plus die relative Luftfeuchtigkeit addiert. Überschreitet dieser mathematische Wert 150, ist Vorsicht geboten. Ab einer Summe von 170 sollte das Pferd gar nicht mehr geritten, sondern geschont werden.
Darf man ein verschwitztes Pferd mit kaltem Wasser abspritzen?
Ja. Die frühere Warnung gilt als überholt. Kaltes Wasser an Hals, Brust und Beinen senkt die Körpertemperatur am schnellsten - wichtig ist nur, das warm gewordene Wasser sofort wieder abzuziehen.
Woran erkenne ich einen Hitzschlag beim Pferd?
Anzeichen sind schnelle, flache Atmung, die nicht zur Ruhe kommt, ein stumpfer Blick, Schwäche und eine Körpertemperatur über 40 Grad. In diesem Fall sofort kühlen, in den Schatten stellen und den Tierarzt rufen.
Ist die Reithalle bei Hitze besser als der Außenplatz?
Nicht automatisch. Eine schlecht belüftete Halle staut die Hitze und kann wärmer sein als ein schattiger Außenplatz. Prüfe vor dem Aufsitzen, ob in der Halle ein Luftzug herrscht.
Vom Abschwitzen nach dem Training bis zur Fliegenhaube für den Sommer - bei RidersDeal findest Du alles, um Dein Pferd sicher durch heiße Tage zu bringen.
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