Abschwitzdecken aus Dralon, Fleece oder Wolle und ihre Wirkung

Zwei dunkle Ponys, die eine Abschwitzdecke tragenZwei dunkle Ponys, die eine Abschwitzdecke tragen

Nach dem Reiten ist das Fell nass, und nasses Fell kühlt Dein Pferd aus – vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit. Eine Abschwitzdecke nimmt den Schweiß auf, leitet die Feuchtigkeit nach außen und hält die Muskulatur warm, bis das Fell trocken ist. Für den Alltag ist Fleece die richtige Wahl: leicht, günstig, schnell trocken. Wolle ist weniger eine Abschwitz- als eine Wärmedecke und gehört auf geschorene Pferde oder Pferde, die im Winter gewaschen werden müssen. Dralon trocknet am schnellsten und sitzt auch beim Warmreiten ohne Bauchgurt. In diesem Ratgeber erfährst Du, welche Decke in welcher Situation die beste ist, ob Du ein Halsteil brauchst, wie lange die Decke drauf bleibt und wie Du sie richtig wäschst.

LW

Laura Wolf

Pferdebesitzerin, seit über 30 Jahren mit Pferden unterwegs · Aktualisiert: Oktober 2026

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Wofür brauche ich eine Abschwitzdecke?

Die Abschwitzdecke übernimmt nach dem Training drei Aufgaben:

  • Feuchtigkeit ableiten: Der Schweiß wandert durch das Material nach außen und verdunstet an der Oberfläche. Deshalb fühlt sich eine gute Abschwitzdecke außen feucht an, während das Fell darunter trocknet.
  • Muskulatur warm halten: Das Pferd kühlt nicht schlagartig ab, die Muskeln bleiben locker. Das beugt Verspannungen nach dem Reiten vor.
  • Nachschwitzen auffangen: Manche Pferde schwitzen in der Box oder beim Verladen nach. Mit Decke bleibt das Fell darunter trocken.

Typische Einsätze: nach dem Reiten und Longieren, beim Schrittreiten zum Abwärmen, beim Transport, nach dem Waschen oder Abspritzen und im Winter beim Warmreiten mit Ausreitfunktion.

Fleece, Wolle oder Dralon – was ist der Unterschied?

Alle drei Materialien funktionieren nach dem gleichen Prinzip, unterscheiden sich aber in Gewicht, Wärmeleistung, Trocknungszeit und Pflege:

Abschwitzdecken im Vergleich: Fleece, Wolle und Dralon
Kriterium Fleece Wolle Dralon
Material Polyester-Kunstfaser 100 % Naturfaser (meist Schurwolle, teils Wollmischung) Polyacryl-Kunstfaser, sehr weich
Gewicht leicht schwer mittel bis schwer
Wärmeleistung mittel hoch – wärmt auch feucht hoch
Trocknungszeit der Decke kurz lang sehr kurz
Sitz / Verrutschen leicht, braucht oft Bauchgurt oder Kreuzgurte liegt durch Eigengewicht gut an liegt gut an, meist ohne Bauchgurt
Pflege Maschinenwäsche, unkompliziert selten waschen, ausbürsten, Wollwaschgang Maschinenwäsche
Preis günstig höher mittel bis höher
Passt am besten für Abschwitzen im Alltag, Übergangszeit, mehrere Decken im Wechsel Wärmehaltung: geschorene Pferde, Pferde nach dem Waschen im Winter, als Stalldecke – weniger zum Abschwitzen starkes Schwitzen, schnelles Trocknen, Warmreiten

Fleece-Abschwitzdecke: der Allrounder

Fleece ist die am weitesten verbreitete Abschwitzdecke. Die Decke wiegt wenig, nimmt viel Feuchtigkeit auf und ist nach der Maschinenwäsche schnell wieder trocken. Weil Fleece leicht ist, verrutscht die Decke eher – achte auf einen Brustverschluss und idealerweise Kreuzgurte oder einen Bauchgurt, wenn Dein Pferd sich unter der Decke bewegt oder wälzt. Fleece gibt es in zwei Stärken: dünnes Microfleece für die Übergangszeit und dickeres Fleece (oft 280–350 g/m²) für den Winter. Alle Modelle findest Du in unserer Kategorie Fleece- und Abschwitzdecken.

Wolldecke: eher Wärmedecke als Abschwitzdecke

Wolle ist ein Naturprodukt und kann Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich kalt anzufühlen – sie wärmt auch feucht noch. Zum reinen Abschwitzen nach dem Reiten ist Wolle aber nicht die erste Wahl: Die Decke ist schwer, trocknet selbst deutlich langsamer als Fleece oder Dralon und wird schnell klamm, wenn das Pferd stark schwitzt. Ihre Stärke ist die Wärmehaltung. Wolldecken sind deshalb ideal für geschorene Pferde, die nach dem Training oder in der Box schnell auskühlen, und für Pferde, die im Winter gewaschen oder abgespritzt werden müssen und danach warm bleiben sollen. Mein Tipp: erst mit Fleece oder Dralon abschwitzen, dann auf die Wolldecke wechseln – oder die Wolldecke gleich als leichte Stalldecke nutzen.

Pflege: Haare, Späne und trockenen Schmutz ausbürsten, Flecken mit feuchtem Lappen und milder Seife behandeln. Wolle reinigt sich weitgehend selbst, deshalb so selten wie möglich waschen – wenn, dann im Wollwaschgang kalt und liegend trocknen.

Dralon-Abschwitzdecke: trocknet am schnellsten

Dralon ist eine sehr weiche Polyacrylfaser. Decken aus Dralon transportieren den Schweiß besonders schnell nach außen – Du spürst nach wenigen Minuten einen feinen Feuchtigkeitsfilm auf der Außenseite, während das Fell darunter trocknet. Durch das höhere Eigengewicht liegt die Decke gut an und braucht in passender Größe meist keinen zusätzlichen Bauchgurt. Deshalb eignet sich Dralon auch zum Warmreiten im Winter: Die Decke fliegt bei Wind nicht hoch und verrutscht im Schritt nicht.

Mit oder ohne Halsteil?

Pferde schwitzen am Hals meist genauso stark wie am Rumpf – besonders bei Dressurarbeit und bei Pferden mit dicker Mähne. Eine Abschwitzdecke mit Halsteil trocknet den Hals mit, ein hoher Kragen (High Neck) ist der Kompromiss, wenn das volle Halsteil beim Putzen stört. Ohne Halsteil reicht es bei Pferden, die hauptsächlich unter dem Sattel schwitzen, und für kurze Einsätze nach dem Abspritzen.

Wie lange bleibt die Abschwitzdecke drauf?

So lange, bis das Fell unter der Decke trocken ist – je nach Material, Fellänge und Wetter etwa 20 bis 60 Minuten. Faustregel: Mit der Hand unter die Decke am Rücken und hinter dem Ellbogen fühlen. Ist das Fell trocken, kommt die Decke runter oder wird gegen die Stall- bzw. Outdoordecke getauscht.

Wichtig: Eine Abschwitzdecke ist keine Ersatzdecke für die Nacht. Sie ist nicht wasserdicht und hält bei Regen nichts ab. Für Offenstall oder Paddock nach dem Reiten eignet sich eine Regendecke mit Fleece-Innenseite, die beides kann.

Welche Größe brauche ich?

Abschwitzdecken werden wie alle Pferdedecken in Rückenlänge gemessen: vom Widerrist bis zum Schweifansatz (in cm). Typische Größen sind 125, 135, 145, 155 und 165 cm. Weil Abschwitzdecken locker liegen dürfen, ist im Zweifel die größere Größe die bessere – zu kurz scheuert am Widerrist. Decken mit Halsteil orientieren sich an derselben Rückenlänge.

Abschwitzdecke richtig waschen

  • Fleece und Dralon: 30 °C Schonwaschgang, kein Weichspüler (verschließt die Fasern und mindert die Saugkraft), nicht in den Trockner, auf der Leine trocknen.
  • Wolle: so selten wie möglich; Wollwaschgang kalt oder Handwäsche, liegend trocknen, nicht wringen.
  • Vor der Wäsche Haare mit einer Bürste oder einem Gummistriegel entfernen, Klettverschlüsse schließen. Für dicke Decken und Winterdecken gibt es spezielles Pferdedecken-Waschmittel.

Was Du beim Kauf beachten solltest

  • Verschluss: Brustverschluss mit Klett oder Schnallen; Kreuzgurte oder Bauchgurt bei Fleece.
  • Schweifkordel: hält die Decke bei Wind und im Schritt hinten unten.
  • Nähte und Widerrist: weiche oder gepolsterte Widerristpartie, sonst scheuert die Decke bei langen Tragezeiten.
  • Ausreitfunktion: Wenn Du im Winter mit Decke warmreitest, achte auf Sattelausschnitt oder Ausreitdecken mit Hinterbeinschnürung – oder nimm gleich eine Nieren- oder Ausreitdecke.
  • Zweitdecke: Wer täglich reitet, braucht zwei Decken im Wechsel – eine trocknet, eine ist im Einsatz.

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Häufige Fragen zur Abschwitzdecke

Kann ich eine normale Fleecedecke aus dem Möbelhaus nehmen?

Für den Notfall ja. Eine Pferde-Abschwitzdecke hat aber Brustverschluss, Schweifkordel und Schnitt am Widerrist – sie rutscht nicht, scheuert nicht und lässt sich mit Kreuzgurten sichern. Für den täglichen Einsatz ist eine echte Abschwitzdecke die sicherere Wahl.

Abschwitzdecke oder Stalldecke – was ist der Unterschied?

Die Abschwitzdecke trocknet das Pferd und kommt danach wieder runter. Die Stalldecke hält ein trockenes Pferd in der Box warm und bleibt länger drauf. Wolldecken gehören eher in die zweite Gruppe: Sie halten warm, schwitzen aber nur mäßig ab. Fleece und Dralon sind die eigentlichen Abschwitzdecken.

Braucht ein ungeschorenes Pferd eine Abschwitzdecke?

Im Winterfell dauert das Trocknen besonders lang, deshalb ja – gerade bei dichtem Fell hilft die Decke, Feuchtigkeit aus dem Fell zu ziehen. Alternativ hilft eine Teilschur (z. B. Bib- oder Deckenschur), damit das Pferd weniger schwitzt. Mehr dazu im Ratgeber Pferd scheren – wann und wie?

Wie viele Abschwitzdecken brauche ich?

Bei täglichem Reiten im Winter zwei: eine im Einsatz, eine zum Trocknen. Eine dünne Fleecedecke für die Übergangszeit und eine dicke Fleece- oder Dralondecke für kalte Tage ist die ideale Kombination; die Wolldecke kommt dazu, wenn Dein Pferd geschoren ist oder im Winter gewaschen wird.

Weiterlesen: 5 Tipps für den Fellwechsel · Pferd scheren · Mehr von Laura Wolf

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