Zecken beim Pferd: Schutz, Erkennen und richtig entfernen im Sommer

Pferdefell wird auf Zecken kontrolliert - tägliche Zeckenkontrolle beim Pferd im SommerPferdefell wird auf Zecken kontrolliert - tägliche Zeckenkontrolle beim Pferd im Sommer
Tägliche Kontrolle ist der beste Schutz: Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515) nennen 71 % der Reiterinnen die Gesundheit ihres Pferdes als größte Sorge im Stallalltag.

Zecken beim Pferd sind im Sommer ein ernsthaftes Thema - denn die kleinen Parasiten übertragen nicht nur Borreliose und andere Krankheiten, sondern können bei massivem Befall auch direkt zu Hautirritationen und Unruhe führen. Wer sein Pferd täglich kontrolliert und die richtigen Schutzmaßnahmen kennt, ist klar im Vorteil. Dieser Ratgeber zeigt Dir, wo sich Zecken beim Pferd verstecken, wie Du sie sicher entfernst und welcher Schutz im Sommerhalbjahr wirklich funktioniert.

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Kathi Beißel

Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Juni 2026

Warum sind Zecken beim Pferd im Sommer ein Problem?

Zecken können Borreliose (Lyme-Borreliose) und in seltenen Fällen die Equine Piroplasmose auf Pferde übertragen - beides sind schwerwiegende Erkrankungen, die ohne frühzeitige Diagnose zu dauerhaften Schäden führen können.

Die Haupt-Zeckensaison erstreckt sich von März bis Oktober, mit Spitzenwerten im Mai/Juni und September. Pferde, die auf Weiden mit hohem Gras, Büschen oder Waldrändern grasen, haben ein deutlich höheres Expositionsrisiko als Pferde auf kurz gemähten Paddocks. Entscheidend ist nicht nur die Zahl der Zecken, sondern die Saugdauer: Viele Erreger werden erst nach 12-24 Stunden Saugzeit übertragen - tägliche Kontrolle ist daher die effektivste Schutzmaßnahme überhaupt.

Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515) nennen 71 % der befragten Reiterinnen "Gesundheit meines Pferdes" als ihre größte Sorge im Stallalltag - parasitärer Schutz gehört für erfahrene Reiterinnen dabei genauso dazu wie Entwurmung und Impfung.

Wo verstecken sich Zecken beim Pferd?

Zecken suchen beim Pferd bevorzugt dünne, gut durchblutete Hautstellen auf: Kehlgang, Innenschenkel, Achselhöhlen, Bauch, Schlauch und die Perianalregion sind die häufigsten Fundstellen.

Diese Stellen werden beim normalen Putzen oft übersprungen - besonders bei Pferden mit dichtem Fell oder Langhaarpartien. Gerade der Bereich rund um die Mähne und unter dem Bauchgurt wird häufig vernachlässigt. Mit einem systematischen Kontrollplan gehst Du sicher, keine Stelle zu vergessen:

  • Kehlgang und Halsunterseite - besonders bei Weidegang mit hohem Gras
  • Achselhöhlen (Vorderbein/Rumpf) - oft übersehen, weil beim normalen Putzen nur von oben gestriegelt wird
  • Innenschenkel und Leiste - dünn behaart, gut durchblutet - bevorzugter Ansaugplatz
  • Bauch und Flanken - besonders in Bodennähe nach langem Weidegang
  • Schlauch und Perianalbereich - unangenehm zu kontrollieren, aber wichtig
  • Mähnenansatz und Schweifansatz - dort verstecken sich auch Kriebelmücken und andere Parasiten

Wie schützt Du Dein Pferd im Sommer effektiv vor Zecken?

Der effektivste Zeckenschutz für Pferde besteht aus einer Kombination: täglich kontrollieren, Repellent auf exponierten Stellen auftragen und bei starkem Zeckendruck eine Fliegendecke oder Fliegenhaube einsetzen.

Kein einzelnes Mittel bietet 100 % Schutz. Repellentien auf Permethrin-, Neem- oder ätherischen Öl-Basis wirken abschreckend, müssen aber regelmäßig erneuert werden - besonders nach Regen oder starkem Schwitzen. Fliegendecken schützen physisch den Rumpf und die Gliedmaßen, decken aber Kopf, Kehlgang und Schlauch nicht ab.

Zusätzliche Maßnahmen auf der Weide: Weidepflege senkt das Zeckenrisiko deutlich. Kurz gehaltenes Gras, regelmäßiges Mähen von Weidenrändern und das Entfernen von Laubstreu schaffen weniger Lebensraum für Zecken. Pferde, die nachts auf der Weide stehen, sind einem höheren Risiko ausgesetzt als solche, die tagsüber grasen - Zecken sind besonders in den Morgen- und Abendstunden aktiv.

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Welche Zeckenschutzmittel gibt es für Pferde?

Für Pferde stehen Repellent-Sprays, Gele, Pasten und Spot-on-Produkte zur Verfügung. Produkte auf Permethrin-Basis gelten als besonders wirksam gegen Zecken, während Neem- und ätherische Öl-Produkte eine mildere Alternative für empfindliche Pferde darstellen.

Wichtig: Mittel, die für Hunde zugelassen sind (z. B. Frontline), dürfen auf keinen Fall bei Pferden eingesetzt werden. Auch Katzen reagieren auf Permethrin toxisch - Vorsicht, wenn Du Katzen im Stall hast und permethrinhaltige Produkte verwendest. Für die Anwendung bei Pferden immer Veterinär-zugelassene Produkte verwenden und die Herstellerangaben beachten.

Zeckenschutz für Pferde: Methoden im Vergleich
Methode Wirkdauer Besonderheit
Repellent-Spray (Permethrin) 2-4 Tage Breitschutz, wirkt auch gegen Fliegen
Neem-/Naturöl-Spray 1-2 Tage Sanfter, für empfindliche Haut geeignet
Spot-on-Produkt Bis zu 4 Wochen Nur vet.-zugelassene Produkte verwenden
Fliegendecke mit Insektenschutz Dauerhaft (mechanisch) Kein chemischer Wirkstoff, schützt Rumpf

Zecke beim Pferd gefunden: So entfernst Du sie richtig

Eine Zecke beim Pferd sollte so schnell wie möglich mit einer Zeckenzange oder -karte entfernt werden - gerade, drehend, ohne Quetschen des Zeckenkörpers.

So gehst Du vor:

  1. Zeckenzange oder -karte bereithalten - kein Öl, kein Klebstoff, keine Pinzette ohne Schräge. Das Quetschen des Hinterleibs kann Erreger in die Wunde pressen.
  2. Zange so nah wie möglich an der Haut ansetzen - zwischen Zeckenkörper und Haut, nicht um die Zecke herum greifen.
  3. Gleichmäßig, leicht drehend ziehen - keine ruckartigen Bewegungen. Viele Reiterinnen bevorzugen leichtes Drehen gegen den Uhrzeigersinn.
  4. Wunde desinfizieren - mit handelsüblichem Wunddesinfektionsmittel oder Jod.
  5. Notieren und beobachten - Datum und Stelle notieren. Die Einstichstelle in den nächsten Tagen auf Rötung oder Schwellung prüfen. Bei Verhaltensänderung oder Lahmheit Tierarzt kontaktieren.

Bleibt der Stechapparat in der Haut stecken, hilft ein erneuter Versuch mit der Zange - ist die Stelle entzündet oder tief eingebettet, sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Welche Krankheiten können Zecken beim Pferd übertragen?

Die wichtigste durch Zecken übertragbare Erkrankung bei Pferden in Deutschland ist Lyme-Borreliose. Symptome sind Lahmheit, Steifheit, Appetitverlust und allgemeines Unwohsein - oft ohne klares Muster und daher schwer zu diagnostizieren.

Pferde können Antikörper gegen Borrelien entwickeln, ohne klinische Symptome zu zeigen - ein positiver Bluttest bedeutet also nicht zwingend eine aktive Erkrankung. Die Diagnose ist komplex und sollte immer in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen, der klinische Befunde und Laborwerte gemeinsam bewertet.

Equine Piroplasmose (Babesien und Theileria), übertragen durch tropische Zeckenarten, ist in Deutschland bei importierten Pferden oder Pferden aus südeuropäischen Ländern relevant. Weitere mögliche Erreger sind Anaplasmen (Equine Anaplasmose) und in sehr seltenen Fällen Encephalitis-Viren. Eine Impfung gegen Zecken-übertragene Krankheiten beim Pferd existiert in Deutschland aktuell nicht - Prävention durch Kontrolle und Repellentien bleibt daher entscheidend.

Wie oft solltest Du Dein Pferd auf Zecken kontrollieren?

Täglich - besonders in der Hochsaison von April bis Oktober und nach Weidegang in Risikogebieten. Die Kontrolle dauert bei Routine weniger als fünf Minuten und ist die günstigste Krankheitsprävention, die Du für Dein Pferd leisten kannst.

Baue die Zeckenkontrolle in Deinen Putzroutine ein - nach dem Striegel, vor dem Absatteln. Wer ein festes System hat, vergisst keine Körperstelle. Besonders nach Ausritten durch hohes Gras, Waldränder oder Laubstreu sollte die Kontrolle doppelt sorgfältig sein.

Mehr zum Schutz Deines Pferdes in der warmen Jahreszeit - von Hitzeschutz bis Fliegenschutz - liest Du in unserem Sommerratgeber: Pferd im Sommer: Hitze, Insekten und Schutz richtig managen. Und wenn Du wissen möchtest, welches Fliegenspray wirklich hält, was es verspricht: Fliegenspray für Pferde im Test.

Zeckenschutz im Vergleich: Spray, Decke oder Paste?

Die Kombination aus Repellent-Spray und Fliegendecke bietet den besten Schutz - kein Mittel allein deckt alle Körperstellen ab. Für Pferde mit empfindlicher Haut oder Ekzem ist eine mechanische Decke der chemischen Lösung vorzuziehen.

Spray ist schnell aufgetragen und flexibel einsetzbar, muss aber regelmäßig erneuert werden und schützt nicht unter dem Sattel. Fliegendecken schützen passiv rund um die Uhr, solange sie getragen werden - sie ersetzen aber keine Kontrolle der unbedeckten Stellen. Pasten und Gele eignen sich besonders für Problemstellen wie Kehlgang und Beine, wo ein Spray schlecht haftet.

Zeckenschutz nach Situation

Freizeitreiterin mit Weidegang

Tägliche Kontrolle plus Repellent-Spray auf exponierten Stellen. Eine Fliegendecke mit Bauchschutz schützt den Rumpf passiv und macht die Kontrolle einfacher.

Turniersportlerin

Vor Ausritten oder Turnieren ein Repellent-Spray einsetzen, das Fliegen und Zecken abwehrt. Turnierpferde sind häufiger auf unbekannten Weiden - erhöhte Kontrolle nach jedem Einsatz ist Pflicht.

Seniorenpferd-Besitzerin

Ältere Pferde mit geschwächtem Immunsystem reagieren stärker auf Infektionen. Tägliche Kontrolle ist hier besonders wichtig, bei Unklarheiten frühzeitig den Tierarzt einbeziehen - lieber einmal zu oft nachfragen als eine Borreliose zu spät erkennen.

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- Miriam Hombach, @mirki2012

Häufige Fragen zu Zecken beim Pferd

Kann eine Zecke beim Pferd Borreliose verursachen?

Ja, Zecken können Borrelia burgdorferi auf Pferde übertragen. Symptome sind Lahmheit, Steifigkeit und allgemeines Unwohsein, oft ohne klares Muster. Diagnose und Behandlung gehören in die Hand des Tierarztes.

Wie lange muss eine Zecke saugen, um eine Krankheit zu übertragen?

Borrelia-Erreger werden in der Regel erst nach 12-24 Stunden Saugzeit übertragen. Tägliche Kontrolle und schnelles Entfernen sind daher die effektivste Schutzmaßnahme.

Darf ich Permethrin-Spray bei Pferden verwenden?

Ja, sofern das Produkt explizit für Pferde zugelassen ist. Produkte für Hunde dürfen nicht verwendet werden. Katzen im Stall sind durch Permethrin gefährdet - Herstellerangaben und Sicherheitsabstände unbedingt beachten.

Wann ist die Zeckensaison beim Pferd am stärksten?

Die Hauptsaison liegt im Mai/Juni und September/Oktober. Zecken sind aktiv, sobald die Temperaturen dauerhaft über 7 Grad bleiben - in milden Wintern können sie ganzjährig aktiv sein.

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