Sicherheitsweste fürs Reiten – Kaufberatung & Tipps


Sicherheitswesten gehören zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen im Reitsport. Sie können bei einem Sturz entscheidend dazu beitragen, schwere Verletzungen im Bereich von Brustkorb, Rücken und inneren Organen zu verhindern. Schön ist, dass es heute viele Modelle gibt, die nicht nur schützen, sondern auch angenehm zu tragen sind.In diesem Ratgeber erfährst Du, worauf es beim Kauf einer Sicherheitsweste wirklich ankommt, welche Varianten es gibt, welche Schutzstufen empfohlen werden und wie Du die passende Größe findest.
Warum überhaupt eine Sicherheitsweste?
Reiten birgt trotz aller Vorsicht ein gewisses Unfallrisiko. Studien zeigen, dass Reitunfälle häufiger schwere Kopf- und Brustverletzungen verursachen als Motorradunfälle. Eine passende Sicherheitsweste kann dieses Risiko deutlich verringern – besonders im Gelände, beim Springen oder beim Umgang mit jungen Pferden. Moderne Westen lassen sich zudem gut ins Reitoutfit integrieren und sind mittlerweile bei vielen Reiter:innen Standard.
Besonders eindrücklich zeigt das eine aktuelle deutsche Studie mit über 360 aktiven Springreiter:innen: Wer regelmäßig eine Schutzweste trägt, erleidet signifikant seltener Rückenverletzungen und generell weniger Verletzungen pro Reitstunde.¹ Die Autor:innen empfehlen daher ausdrücklich, das Tragen von Schutzwesten – besonders bei risikoreichen Reitdisziplinen – stärker zu fördern. Rückenverletzungen verursachten in der Studie übrigens die längsten Trainingspausen – hier kann eine passende Weste also wirklich den Unterschied machen.
Welche Arten von Sicherheitswesten gibt es?
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Klassische Sicherheitsweste: Besteht aus stoßdämpfendem Schaumstoff, schützt Brustkorb, Rücken und Rippen durchgehend. Sie ist sofort einsatzbereit, aber etwas weniger flexibel im Sitz.
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Airbagweste: Bläst sich bei einem Sturz innerhalb von Millisekunden auf. Sie bietet erweiterten Schutz für Rücken, Nacken, Brust und teils auch Hüfte und Steißbein. Der Auslösemechanismus ist eine Reißleine am Sattel. Besonders beliebt ist sie bei Reiter:innen, die viel im Gelände unterwegs sind oder maximale Sicherheit wünschen.
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Rückenprotektor: Fokus liegt auf dem Schutz der Wirbelsäule. Die Vorderseite ist nur leicht gepolstert. Weniger umfassender Schutz als bei den anderen Varianten.
Die richtige Schutzklasse: EN 13158 & BETA 2018
Zur Einschätzung der Schutzleistung werden die Normen EN 13158 (Europa) und BETA 2018 (Großbritannien) herangezogen. Beide vergeben Schutzlevel von 1 bis 3:
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Level 1: Niedrigster Schutz, z. B. für Jockeys
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Level 2: Mittlerer Schutz, z. B. für Freizeitreiter
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Level 3: Höchster Schutz, empfohlen für Gelände, Springen und Vielseitigkeit
Bei Vielseitigkeitsprüfungen ist eine Weste mit Level 3 sogar vorgeschrieben.
Passform und Sitz – so schützt die Weste richtig
Die Weste sollte eng anliegen, aber nicht einengen. Besonders wichtig ist:
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Der 7. Halswirbel bleibt frei.
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Sie darf beim Zurücklehnen nicht auf den Sattelkranz stoßen.
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Die roten Markierungen der Klettverschlüsse müssen vollständig abgedeckt sein.
Viele Modelle bieten flexible Gurtsysteme und lassen sich individuell anpassen. Achte auch darauf, dass sich die Materialien bei Körperwärme leicht ausdehnen können.
Welche Größe ist richtig?
Um die richtige Größe zu finden, solltest Du folgende Maße kennen:
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Brustumfang (an der breitesten Stelle)
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Taillenumfang (oberhalb des Bauchnabels)
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Rückenlänge (von der Schulter bis zur Taille, mal zwei)
Probiere die Weste am besten im Reitoutfit und auf einem Sattel oder Sattelbock an.
Airbagweste: Funktionsweise & Vorteile
Airbagwesten funktionieren über eine Reißleine, die beim Sturz ausgelöst wird. Die Weste bläst sich blitzschnell auf und schützt nicht nur den Oberkörper, sondern oft auch Hüfte, Nacken und Steißbein. Eine Fehlauslösung ist dank der nötigen Zugkraft (ca. 30 kg) nahezu ausgeschlossen.
Beliebte Hersteller sind:
Es gibt Solo-Modelle sowie sogenannte Zip’in-Systeme, bei denen der Airbag in eine spezielle Jacke oder Weste integriert wird. Wichtig ist die korrekte Größenwahl sowie ein sicherer Sitz ohne Verrutschen.
Reitschutzwesten für Kinder und Erwachsene
Bei Kindern ist besonders auf die Passform zu achten. Eine Weste darf niemals auf Zuwachs gekauft werden. Nur eine exakt sitzende Schutzweste bietet verlässlichen Schutz. Erwachsene sollten ebenfalls mehrere Modelle vergleichen, da Körperbau und Reitdisziplin den optimalen Sitz beeinflussen.
Muss eine Sicherheitsweste nach einem Sturz ausgetauscht werden?
In der Regel nein – außer sie weist sichtbare Schäden oder Risse auf. Auch nach mehreren Jahren Nutzung sollte über einen Austausch nachgedacht werden, da Materialien ermüden und die Schutzwirkung nachlässt.
Sicherheit mit System
Eine Sicherheitsweste ist mehr als nur ein Extra – sie kann im Ernstfall entscheidend sein. Ob klassische Weste, Airbag oder Rückenprotektor: Wichtig ist, dass sie zur Reitweise, zum Körper und zur Nutzung passt. Investiere in eine gute Passform, achte auf geprüfte Normen – und probiere im Zweifel mehrere Modelle aus. Denn Sicherheit beginnt mit dem richtigen Sitz.
Häufige Fragen zur Sicherheitsweste
Muss ich nach jedem Sturz eine neue Weste kaufen?
Nein – nur bei sichtbaren Schäden oder nach vielen Jahren intensiver Nutzung.
Welche Schutzklasse ist für Turniere Pflicht?
In der Vielseitigkeit ist Level 3 nach EN 13158 vorgeschrieben.
Wie finde ich die richtige Größe?
Brust-, Taillen- und Rückenmaß nehmen und mit der Größentabelle vergleichen – am besten im Reitoutfit testen.
¹ Meyer, H.-L., et al. (2022). Injuries and Overuse Injuries in Show Jumping—A Retrospective Epidemiological Cross-Sectional Study of Show Jumpers in Germany. International Journal of Environmental Research and Public Health, 19(4), 2305. www.mdpi.com/1660-4601/19/4/2305
