Reiten reicht nicht mehr: Wie sich der Pferdealltag 2026 verändert hat


Wer 1995 nach einem Stall gefragt hat, hat eine klare Antwort bekommen: Du reitest. Nicht heute. In unserer RidersDeal Reitsport-Studie 2026 haben 3.515 Pferdebesitzerinnen erzählt, was sie in einer normalen Woche mit ihrem Pferd machen — und die Antwort zeigt einen stillen, gründlichen Wandel der Pferdewelt. 88,5 Prozent reiten — das ist immer noch die mit Abstand häufigste Aktivität. Aber daneben machen 80,3 Prozent gymnastizierende Übungen, 78,2 Prozent Spaziergänge mit dem Pferd, 73,1 Prozent Bodenarbeit. Reiten ist nicht mehr das Alleinstehende. Es ist Teil eines breiteren Repertoires geworden. In diesem Artikel zeigen wir, was sich verändert hat, warum, und was das für klassische Reiterinnen bedeutet.
Marketingleiter & Datenanalyst · Aktualisiert: April 2026
- Was machen Pferdebesitzerinnen wirklich in einer Woche?
- Warum ist Bodenarbeit zum Mainstream geworden?
- Was hat sich beim Reiten selbst verändert?
- Welche Rolle spielen Spaziergänge mit dem Pferd?
- Was treibt die Vielseitigkeit?
- Wie verteilt sich Vielseitigkeit auf die Disziplinen?
- Was bedeutet das für klassische Reiterinnen?
- Häufige Fragen zur Trainings-Vielseitigkeit
Was machen Pferdebesitzerinnen wirklich in einer Woche?
Wir haben in der Studie als Mehrfachauswahl gefragt: "Was machst Du in einer normalen Woche mit Deinem Pferd?" — also wer reitet UND Bodenarbeit macht UND spazieren geht, kreuzt alle drei an. Die Spaltensumme ergibt deshalb keine 100 Prozent, sondern zeigt, wie viele Pferdebesitzerinnen die jeweilige Aktivität in ihrem Repertoire haben.
| Aktivität | Anteil |
|---|---|
| Putzen und Pflege | 95,8% |
| Reiten | 88,5% |
| Gymnastizierende Übungen | 80,3% |
| Spaziergänge mit dem Pferd | 78,2% |
| Bodenarbeit | 73,1% |
Die Tabelle zeigt eine wichtige Wahrheit: Pferdebesitzerinnen 2026 sind Multitalente. Wer in einer normalen Woche reitet, macht mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Bodenarbeit, geht spazieren, integriert gymnastizierende Übungen. Das war vor zehn Jahren keine Selbstverständlichkeit. Damals war Reiten oft die einzige Aktivität, die ernst genommen wurde — alles andere galt als Beiwerk oder Pausenfüller.
Was die Tabelle nicht zeigt: Die Vielfalt der gymnastizierenden Übungen selbst. Darunter fallen heute Stangenarbeit, Cavaletti, freies Longieren mit Stellung und Biegung, Equikinetic, Dual-Aktivierung, Body-Control-Übungen am Boden — eine Werkzeugpalette, die in den letzten Jahren breit geworden ist und die einen ganzen kleinen Industriezweig an Trainerinnen, Online-Kursen und Fachbüchern hervorgebracht hat.
Warum ist Bodenarbeit zum Mainstream geworden?
73 Prozent — fast drei von vier Pferdebesitzerinnen integrieren Bodenarbeit regelmäßig in ihre Pferdezeit. Das ist eine erstaunliche Quote, wenn man bedenkt, dass Bodenarbeit lange Zeit als Western- oder Anfängerinnen-Disziplin galt. Heute machen sie auch klassische Dressurreiterinnen, Springreiterinnen und Vielseitigkeitsreiterinnen ganz selbstverständlich.
Mehrere Entwicklungen kommen zusammen. Erstens hat sich das Verständnis von Pferdegesundheit verändert. Wer weiß, dass ein nicht passend muskulöses Pferd unter dem Sattel Schaden nimmt, schaut zuerst auf den Aufbau der tragenden Muskulatur — und das passiert effizient am Boden. Eine Reiterin schreibt in der Studie: "Ich habe gemerkt, dass mein Pferd unter dem Sattel verspannt war, weil ihm im Stand die Grundlage fehlte. Seitdem mache ich vor jeder Reitstunde 15 Minuten Bodenarbeit."
Zweitens ist die Therapie-Akzeptanz mitgewachsen. 86 Prozent der Pferdebesitzerinnen nutzen Physiotherapie, Osteopathie oder Akupunktur — und gute Therapeutinnen empfehlen oft Bodenarbeits-Übungen als Hausaufgabe. Wer eine Verspannung beim Pferd hat, bekommt heute fast zwangsläufig konkrete Übungen mit, die sie zu Hause weiter machen kann. Mehr zur Therapie-Realität findest Du im Studien-Artikel Therapie ist Mainstream geworden: Was Pferdehalterinnen wirklich glauben.
Drittens spielt Zeit eine Rolle. Wer berufstätig ist und nur 30 bis 45 Minuten am Pferd sein kann, schafft mit gezielter Bodenarbeit oft mehr als mit einer halben Reitstunde. 20 Minuten gymnastizierendes Longieren mit klarem Aufgabenfokus bringen das Pferd messbar weiter. Das ist gerade für die Halterinnen attraktiv, die in der Studie Zeit als ihren größten Trainingsblocker nennen — Details dazu im Studien-Artikel 51 Prozent der Schuldgefühle handeln von Zeit.
Wer in das Thema einsteigen möchte, findet eine fundierte praktische Anleitung in unserem Ratgeber Longieren lernen — von der Grundausstattung bis zur Stellungs-Biegungs-Arbeit.
Was hat sich beim Reiten selbst verändert?
Reiten bleibt zentral — 88,5 Prozent reiten regelmäßig. Aber das Reiten der 2020er-Jahre ist ein anderes als das der 2000er. Die Disziplinen-Verteilung in der Studie zeigt, wie sich der Schwerpunkt verschoben hat.
| Disziplin | Anteil |
|---|---|
| Dressur | 30,2% |
| Gelassenheit und Freizeit | 27,4% |
| Mache alles (Vielseitigkeit) | 17,9% |
| Springen | 7,8% |
| Western | 5,7% |
| Working Equitation | 3,6% |
| Isländisch | 2,1% |
Bemerkenswert: Gelassenheit und Freizeit ist mit 27,4 Prozent fast so groß wie die klassische Dressur. Das ist eine moderne Kategorie, die explizit nicht auf Wettkampf oder Lehrgangs-Niveau ausgelegt ist, sondern auf das ruhige, beziehungsorientierte Reiten. Dressur (30,2 Prozent) und Gelassenheit/Freizeit (27,4 Prozent) machen zusammen fast 60 Prozent aus — Springen mit 7,8 Prozent ist deutlich kleiner geworden.
Was diese Verteilung zeigt: Die Pferdewelt ist 2026 wesentlich stärker auf Beziehung und Gymnastizierung ausgerichtet als auf wettkampforientierten Sport. Das passt zu den Daten aus dem Cluster Emotion: 41 Prozent nennen Ruhe als das, was das Pferd ihnen gibt. Wer im Pferd vor allem den Anker sucht, reitet anders als jemand, der eine Klassen-S-Karriere plant. Mehr zur emotionalen Dimension der Pferdewelt im Studien-Artikel Was nur das Pferd geben kann: Die Antwort von 3.000 Reiterinnen.
Welche Rolle spielen Spaziergänge mit dem Pferd?
78,2 Prozent gehen regelmäßig mit ihrem Pferd spazieren. Diese Quote überrascht oft — denn Spaziergänge mit dem Pferd waren früher als untrainierte Form abgewertet, ein "wenn nichts anderes geht"-Programm. Heute sind sie eine eigenständige Trainingsform, die viele Reiterinnen als gleichwertig zur Reitstunde behandeln.
Was Spaziergänge auszeichnet: Sie sind niedrigschwellig, kostenlos, fast wettertauglich und stressfrei. Du brauchst nur Halfter, Strick und Wege — den Rest liefert die Landschaft. Wer 30 Minuten Zeit hat und ein Pferd, das nicht erschreckend reagiert, kommt nach diesen 30 Minuten anders zurück, als wenn dieselben 30 Minuten in der Halle stattgefunden hätten. Die mentale Erholungs-Dimension, die Spaziergänge bieten, ist ein eigener Wert — sowohl fürs Pferd als auch für die Halterin.
Trainingstechnisch unterschätzt sind sie auch nicht. Wer den Spaziergang strukturiert nutzt — Stehenbleiben üben, Rückwärtsrichten an verschiedenen Punkten, Tempovariationen, kleine Geländeübergänge — macht echtes Beziehungs- und Aufmerksamkeitstraining. Und das Pferd bekommt durch das Gelände automatisch eine bessere Gymnastizierung, als wenn es in einem rechteckigen Reitplatz immer dieselben Bahnen läuft.
Eine Reiterin schreibt in der Studie: "Auf unseren Spaziergängen entsteht das, was im Reitunterricht oft nicht passiert — wir sind ein Team." Das ist eine Aussage, die viel über die Bedeutung dieser Aktivität sagt.
Was treibt die Vielseitigkeit?
Mehrere Entwicklungen wirken zusammen, um die Vielseitigkeit zur neuen Normalität zu machen. Drei davon sind besonders deutlich.
1. Internet und soziale Medien. Wer 2026 ein Pferd hat, hat Zugang zu Hunderten von YouTube-Kanälen, Online-Kursen und Instagram-Trainerinnen, die alle möglichen Trainingsformen erklären. Das hat den Markt der "wissbaren" Trainingsformen radikal erweitert. Equikinetic, Dual-Aktivierung, Body-Control — Begriffe, die viele Halterinnen heute kennen, waren vor 15 Jahren in keiner Reiterhof-Bibliothek zu finden.
2. Therapieverbreitung. Mit 86 Prozent Therapie-Akzeptanz ist die Tür zu strukturierter Bodenarbeit weit geöffnet. Wer eine Physiotherapeutin im Versorgungssystem hat, bekommt automatisch Übungen mit, die zwischen den Sitzungen weitergeführt werden sollen. Aus der Therapie heraus entstehen kleine Trainingsroutinen, die dann zur Selbstverständlichkeit werden.
3. Alterung der Reiterinnen. Die Pferdewelt 2026 ist überwiegend erwachsen — und in der Studie zeigen sich viele Halterinnen, die schon lange reiten, aber nicht mehr Sport-orientiert sein wollen. Wer mit 45, 50 oder 55 noch ein Pferd hat, hat oft kein Interesse mehr an Klassen-A-Turnieren — aber auch nicht weniger Liebe zum Pferd. Vielseitigkeit bietet die Möglichkeit, das Pferd zu fördern, ohne in den klassischen Wettkampfweg zu drängen. Das passt zu einer reifer gewordenen Reiterinnen-Generation.
Wenn Reitunterricht knapp wird
Vielseitigkeit ist auch eine Antwort auf finanziellen Druck: Wer sich weniger Reitunterricht leisten kann, kompensiert oft durch Bodenarbeit und gymnastizierendes Longieren in Eigenregie. Mehr dazu im Studien-Artikel Wenn der gute Trainer zur Luxusfrage wird.
Wie verteilt sich Vielseitigkeit auf die Disziplinen?
Wenn man die Trainingsaktivitäten nach Disziplinen aufschlüsselt, zeigen sich feine, aber wichtige Unterschiede. Bodenarbeit ist über alle Disziplinen verbreitet — aber besonders stark bei Western, Working Equitation und Freizeitreiterinnen, die sie strukturell tiefer in ihren Trainingsalltag eingebaut haben. Bei klassischer Dressur ist Bodenarbeit etwas weniger zentral, hat aber in den letzten Jahren ebenfalls deutlich zugenommen.
Springreiterinnen sind interessanterweise eine Gruppe, in der gymnastizierende Übungen besonders viel Gewicht haben — Cavaletti-Arbeit, Stangengymnastik und Equikinetic gehören zur klassischen Trainings-Vorbereitung im Sport. Wer Bodenarbeit als "Western-Disziplin" abtut, übersieht, dass sie in Wirklichkeit ein Querschnitts-Werkzeug aller modernen Reitausbildungen geworden ist.
Spaziergänge sind dagegen besonders bei Freizeit- und Gelassenheitsreiterinnen verbreitet — was nicht überrascht, weil sie hier oft als gleichwertig zur Reitstunde gelten. Bei Sportreiterinnen sind sie weniger zentral, aber vorhanden. Über alle Disziplinen hinweg gilt: Vielseitigkeit ist 2026 keine Frage der Disziplin mehr, sondern der Selbstverständlichkeit.
Was bedeutet das für klassische Reiterinnen?
Wer 2026 noch im klassischen "ich reite einmal pro Tag und das war's"-Modell lebt, ist nicht im Unrecht — aber in einer kleinen Minderheit. Viele Reiterinnen entdecken, dass sich ihr Pferd verändert, sobald sie das Repertoire erweitern. Hier sind drei pragmatische Wege, wie Du die Vielseitigkeit testen kannst, ohne Dein bisheriges Programm umzustellen.
1. 15 Minuten Bodenarbeit vor dem Reiten. Statt direkt aufzusteigen, erst eine Viertelstunde lang strukturiert am Boden arbeiten. Vorwärts und rückwärts treten, Schultervorne, einfache Stellungs-Biegungs-Übungen. Das wärmt das Pferd auf und macht den Reitanteil nachher fokussierter. Viele Halterinnen berichten, dass schon nach drei Wochen sichtbare Veränderungen kommen.
2. Einen Wochentag zum Spaziergang umwidmen. Statt sechs Reittermine pro Woche fünf Reittermine plus ein bewusster Spaziergang. Das gibt Pferd und Halterin eine andere Form der Auseinandersetzung — und der Reitanteil leidet nicht, sondern profitiert oft sogar.
3. Einen Sattelcheck einbauen. Wer sein Pferd in der Bodenarbeit beobachtet, sieht oft Verspannungs- oder Asymmetrie-Themen, die unter dem Sattel verborgen bleiben. Das ist ein guter Anlass für einen jährlichen Sattelcheck — Details dazu in unserem Ratgeber Passender Sattel.
Was die Studie an dieser Stelle zeigt: Die Vielseitigkeit ist kein Modetrend, sondern eine reifere Form des Pferdetrainings. Sie respektiert das Pferd als Bewegungswesen mit individuellen Schwächen, statt es nur als Reit-Werkzeug zu behandeln. Wer einmal damit anfängt, geht selten zurück.
Häufige Fragen zur Trainings-Vielseitigkeit
Reiten Pferdebesitzerinnen 2026 weniger als früher?
Nein. 88,5 Prozent reiten nach wie vor regelmäßig — das ist eine sehr hohe Quote. Was sich verändert hat: Reiten ist nicht mehr die einzige Aktivität. Daneben machen 80 Prozent gymnastizierende Übungen, 78 Prozent Spaziergänge, 73 Prozent Bodenarbeit. Vielseitigkeit ist die neue Normalität.
Warum machen so viele Bodenarbeit?
Drei Gründe: Pferdegesundheits-Bewusstsein (Bodenarbeit baut tragende Muskulatur auf), Therapie-Verbreitung (86 Prozent nutzen Physio/Osteo, die regelmäßig Bodenarbeits-Übungen empfiehlt) und Zeit (gezielte Bodenarbeit ist in 20 bis 30 Minuten machbar, eine vollständige Reitstunde nicht).
Welche Disziplinen sind 2026 am häufigsten?
Dressur (30,2 Prozent), gefolgt von Gelassenheit und Freizeit (27,4 Prozent). Vielseitigkeit ("mache alles") liegt bei 17,9 Prozent. Springen ist mit 7,8 Prozent deutlich kleiner. Western (5,7 Prozent), Working Equitation (3,6 Prozent) und Isländisch (2,1 Prozent) ergänzen das Bild.
Sind Spaziergänge mit dem Pferd echtes Training?
Ja, wenn sie strukturiert genutzt werden. Stehenbleiben üben, Rückwärtsrichten, Tempovariationen, Geländeübergänge — all das ist echte Beziehungs- und Aufmerksamkeitsarbeit. Hinzu kommt die natürliche Gymnastizierung durch unterschiedliches Gelände. 78 Prozent der Pferdebesitzerinnen integrieren Spaziergänge regelmäßig.
Wie steige ich als klassische Reiterin in Bodenarbeit ein?
Pragmatisch: 15 Minuten strukturierte Bodenarbeit vor dem Reiten einbauen. Einfache Stellungs-Biegungs-Übungen, Schultervorne, Vorwärts-Rückwärts-Übergänge. Ein guter Einstieg ist auch gymnastizierendes Longieren — eine fundierte Anleitung dazu findest Du in unserem Ratgeber Longieren lernen.
Wo finde ich die vollständige Studie?
Auf der Hub-Seite zur RidersDeal Reitsport-Studie 2026 findest Du alle Auswertungen — Methodik, Demografie, Geld, Gesundheit, Training, Turniersport, Senior-Pferd, Medien und Emotion.
Wer Vielseitigkeit ernst meint, braucht die Basis-Ausstattung — vom Longiergurt bis zum guten Halfter. Beides Tag-für-Tag-Verschleißartikel, bei denen sich Markenqualität langfristig rechnet.
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