Islandpferd: Charakter, Gangarten und alles zur Rasse


Das Islandpferd ist klein, robust und hat ein treues Herz - aber es ist weit mehr als ein hübsches Pony. Mit fünf Gangarten, einem ausgeprägten Charakter und einer einzigartigen Geschichte ist das Islandpferd die Pferderasse mit dem wohl größten Fanclub Europas. Hier erfährst Du alles, was Du über den Isländer wissen solltest.
Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Mai 2026
Was ist das Besondere am Islandpferd?
Das Islandpferd ist eine der reinrassigsten und ältesten Pferderassen der Welt, genetisch seit über 1.000 Jahren unvermischt - und die einzige Pferderasse, die fünf Gangarten beherrscht. Was es besonders macht: die Kombination aus robuster Gesundheit, ruhigem Charakter und einzigartiger Fortbewegung.
Der Isländer ist kein Pony im klassischen Sinne - auch wenn er mit einer Stockmaße von 130 bis 148 cm das Ponymaß unterschreitet. Er wird offiziell als Pferd bezeichnet und behandelt, auch im Reglement. Die Rasse kam im 9. und 10. Jahrhundert mit den Wikingern nach Island und ist seitdem durch isländische Gesetze vor Einkreuzung geschützt.
Was ihn für so viele Reiterinnen so anziehend macht: Er ist kooperativ, energetisch ausgeglichen und zeigt selten die Launen, die man bei anderen Rassen kennt. Laut RidersDeal Community Studie 2026 (n=3.515) reiten 71 Prozent der Reiterinnen nie oder nicht mehr auf Turnieren - genau in dieses Bedürfnis nach entspanntem Freizeitreiten passt der Isländer perfekt.
Welche 5 Gangarten hat ein Islandpferd?
Das Islandpferd beherrscht fünf Gangarten: Schritt, Trab, Galopp, Tölt und Pass. Tölt und Pass sind die genetisch angelegten Sondergangarten, die andere Pferderassen nicht natürlich zeigen.
Hier alle fünf Gangarten im Überblick:
| Gangart | Beschreibung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Schritt | Viertakt, langsam | Alle Pferderassen |
| Trab | Zweitakt, Diagonalpaare | Alle Pferderassen |
| Galopp | Dreitakt mit Schwebephase | Alle Pferderassen |
| Tölt | Viertakt, gleichmäßige Fußfolge - sehr sitzfreundlich | Nur Islandpferde (und einige Verwandte) |
| Pass | Zweitakt lateral, sehr schnell | Nur Fünfgänger, nicht alle Isländer |
Der Tölt ist die begehrteste Gangart: Er ist erschütterungsarm, sehr komfortabel für die Reiterin und kann in verschiedenen Tempi geritten werden - vom ruhigen Schlendern bis zum kraftvollen Arbeits-Tölt. Beim Tölt bleibt immer mindestens ein Fuß auf dem Boden, weshalb keine Schwebephase entsteht. Der Sitz ist dadurch angenehm weich.
Auf Islandpferde-Turnieren (Íslandshestur) werden Tölt und Pass geprüft und bewertet. Die Gangveranlagung ist genetisch bedingt und wird durch konsequente Ausbildung verfeinert.
Ist ein Islandpferd für Anfänger geeignet?
Grundsätzlich ja - aber mit Einschränkungen. Ein gut ausgebildeter, ruhiger Isländer mit Erfahrung in der Freizeitreiterei kann für Anfängerinnen gut geeignet sein. Junge oder gangstarke Isländer dagegen erfordern Erfahrung und Gefühl.
Islandpferde sind bekannt für ihre Gutmütigkeit und ihren ruhigen Umgang mit Menschen. Sie sind weniger sprunghaft als viele Warmblüter und bleiben in ungewohnten Situationen oft gelassener. Das macht sie für erfahrenere Einsteigerinnen interessant.
Die Sondergangarten - besonders der Tölt - erfordern jedoch ein spezifisches Reitsitzgefühl und eine angepasste Ausbildung. Wer noch keine Tölt-Erfahrung hat, sollte mit einem erfahrenen Islandpferde-Trainer starten und idealerweise ein Probereiten auf einem ruhigen Schulisländer machen.
Wie schwer darf ein Reiter für ein Islandpferd sein?
Als Faustregel gilt: Ein Pferd sollte maximal 20 Prozent seines Körpergewichts tragen - also Reiter plus Sattel und Ausrüstung. Ein Islandpferd mit 350 bis 400 kg Körpergewicht kann demnach 70 bis 80 kg Reitergewicht plus Sattel (ca. 10-15 kg) tragen.
Viele Islandpferde sind trotz ihrer kompakten Größe erstaunlich tragkräftig - ihre muskulöse, kurze Rückenlinie und das kräftige Fundament machen sie belastbarer als man optisch vermuten würde. Trotzdem: Bei einem Reitergewicht über 85 kg empfiehlt sich eine ehrliche Beratung durch einen Islandpferde-Züchter oder -Trainer, um das passende Tier zu finden.
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Halfter für Islandpferde ansehen ->Warum darf ein Islandpferd nicht mehr zurück nach Island?
Ein Islandpferd, das einmal Island verlassen hat, darf per Gesetz nie wieder zurück - zum Schutz der Reinrassigkeit und der Gesundheit des einheimischen Bestandes. Island hat keine Einreise-Quarantäne für Pferde eingeführt, sondern ein vollständiges Rückkehrverbot.
Der Hintergrund: Island ist seit über 1.000 Jahren frei von Pferdekrankheiten, die auf dem europäischen Festland verbreitet sind. Krankheiten wie Rhinopneumonitis (EHV), Strangles (Druse) oder equines Herpesvirus sind in Island unbekannt. Ein zurückkehrendes Pferd könnte diese Erreger einschleppen und den isländischen Pferdebestand gefährden - ohne dass die Tiere eine Immunabwehr dagegen hätten.
Selbst Reiterinnen, die mit ihrem Isländer nach Island reisen wollen, dürfen ihr Pferd nicht mitbringen. Sie können vor Ort isländische Pferde reiten - und nur frisch gereinigte Ausrüstung einführen. Dieser Schutz hat über Jahrhunderte dazu beigetragen, dass die Rasse so rein und gesund geblieben ist wie sie heute ist.
Wann ist ein Islandpferd alt - und wie alt wird es?
Islandpferde gelten als spätreif und langlebig: Sie werden oft 25 bis 35 Jahre alt und sind bis ins hohe Alter reit- und verwendungsfähig. Als "alt" gilt ein Isländer in der Regel erst ab 20 Jahren - deutlich später als bei vielen anderen Rassen.
Islandpferde werden traditionell erst mit 4 bis 5 Jahren in die Arbeit genommen - deutlich später als Warmblüter. Das schont das Skelett und die Sehnen in der Wachstumsphase. Im Gegenzug bleiben sie länger fit und aktiv im Leben. Viele Isländer werden noch mit 20 Jahren bei Familienausritten oder leichtem Training eingesetzt.
Für Seniorenpferd-Besitzerinnen ist das ein großer Vorteil: Die intensive Beziehung zu einem Isländer kann weit über 20 Jahre andauern. Laut RidersDeal Community Studie 2026 sind 23,5 Prozent aller Pferde in der Studie bereits 18 Jahre und älter - Isländer stellen darunter einen überdurchschnittlich hohen Anteil.
Was kostet ein Islandpferd?
Der Kaufpreis für ein Islandpferd liegt je nach Ausbildungsstand, Gangqualität und Herkunft zwischen 3.000 und 20.000 Euro. Gut ausgebildete Fünfgänger mit hoher Tölt-Qualität können deutlich teurer sein.
Ein direkter Island-Import kann je nach Tier und Transportkosten zwischen 5.000 und 15.000 Euro kosten. In Deutschland und Österreich gibt es inzwischen viele seriöse Züchter und Händler, bei denen Du auch in ruhiger Atmosphäre Probearbeiten und den Charakter des Tieres kennenlernen kannst.
Die monatlichen Unterhaltskosten entsprechen in etwa anderen Pferden: 400 bis 700 Euro für Offenstall oder Außenbox, Futter, Hufpflege und Grundversorgung. Isländer sind bekannt als genügsame Fresser - was die Futterkosten leicht senken kann. Mehr zur Kostenkalkulation findest Du im Ratgeber Was kostet ein Pferd wirklich?
Kann ein Islandpferd Dressur?
Ja - Islandpferde können die Grundlagen der Dressur sehr gut erlernen. Schulterherein, Travers, Übergänge, Versammlung: Das alles ist mit einem gut ausgebildeten Isländer möglich. Im klassischen Dressursport nach FN-Regeln werden sie jedoch nicht eingesetzt.
Im Islandpferde-Sport gibt es eigene Dressurprüfungen, die auf die natürlichen Gangarten und die Rittigkeit des Isländers abgestimmt sind. Die Basis ist dabei klassische Reitlehre - Impulsion, Durchlässigkeit, Geraderichtung. Ein Isländer, der korrekt ausgebildet wurde, zeigt oft eine beeindruckende Losgelassenheit und Rittigkeit.
Auf klassischen FN-Turnieren werden Islandpferde aufgrund ihrer Sondergangarten und des fehlenden Bundesverbands-Status nicht geführt - sie haben ihr eigenes Turniersystem mit dem FEIF (Federation of European Fan Clubs of Icelandic Horses) als Dachverband.
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- Anna-Lena Humpert, @Nordponys_FloKali
Häufige Fragen zum Islandpferd
Wie viele Gangarten hat ein Islandpferd?
Das Islandpferd hat bis zu fünf Gangarten: Schritt, Trab, Galopp, Tölt und Pass. Nicht alle Isländer sind Fünfgänger - alle zeigen aber den Tölt, der keine andere europäische Rasse natürlich beherrscht.
Warum darf ein Islandpferd nicht mehr zurück nach Island?
Ein isländisches Gesetz verbietet die Einfuhr von Pferden, die Island einmal verlassen haben. Damit schützt Island seinen einheimischen Pferdebestand vor Krankheiten, gegen die isländische Pferde keine Immunität entwickelt haben.
Ist das Islandpferd ein Pony?
Offiziell nein. Obwohl Islandpferde mit 130 bis 148 cm Stockmaß unter dem Ponymaß von 148 cm liegen, werden sie sowohl in Island als auch international als Pferd bezeichnet und behandelt - auch im Turniersport und im Zuchtrecht.
Wie lange lebt ein Islandpferd?
Islandpferde werden durchschnittlich 25 bis 35 Jahre alt und gelten damit als eine der langlebigsten Pferderassen. Viele bleiben bis ins hohe Alter reit- und verwendungsfähig.
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