Hufrehe beim Pferd - Ursachen, Symptome und erste Hilfe

Hufrehe beim Pferd ist eine der gefährlichsten Erkrankungen, die Pferdebesitzerinnen kennen müssen - und gerade im Frühjahr, wenn saftiges Weidegras spriesst, steigt das Risiko dramatisch an. In unserer RidersDeal-WhatsApp-Community haben wir gefragt: 37 % aller Reiterinnen besitzen ein Seniorenpferd ab 16 Jahren - genau diese Gruppe ist besonders anfällig für Hufrehe. Dieser Ratgeber erklärt Dir, wie Du die ersten Symptome erkennst, was die häufigsten Ursachen sind und was Du jetzt - besonders im Frühjahr - tun kannst.

Was ist Hufrehe beim Pferd?

Hufrehe - medizinisch Laminitis - ist eine schmerzhafte Entzündung des Huflederhäutchens, das den Hufbeinknochen mit dem Hufhorn verbindet. Gestörte Durchblutung in diesem Bereich führt dazu, dass das Hufbein nicht mehr ausreichend versorgt wird. Im schlimmsten Fall kann es sich verschieben oder sogar durch die Hufsohle treten.

Hufrehe ist kein Schicksal - aber ein medizinischer Notfall. Wer früh reagiert, hat die besten Chancen auf eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität seines Pferdes. Hufrehe sollte immer zusammen mit einer Tierärztin behandelt werden.

Wie erkenne ich Hufrehe? - Die wichtigsten Symptome

Die Symptome einer Hufrehe können schleichend beginnen oder sich innerhalb weniger Stunden akut verschlechtern. Diese Zeichen solltest Du kennen:

  • Typische Schonhaltung: Das Pferd streckt die Vorderbeine weit nach vorne, um den Druck von den schmerzhaften Zehenbereichen zu nehmen
  • Vermehrte Wärme im Huf: Die Hufe fühlen sich deutlich wärmer an als gewöhnlich
  • Verstärkte Fesselbeuge-Pulswelle: Der Puls an der Fesselbeuge ist gut spürbar und klopft stark
  • Steifer Gang: Das Pferd tritt vorsichtig auf, besonders auf hartem Boden - typisches "Zehengang"
  • Ablegen oder Widerwillen zu laufen: Das Pferd liegt häufig oder weigert sich zu laufen
  • Ringe auf dem Hufhorn: Bei chronischer Hufrehe sind Wachstumsringe auf der Hufwand sichtbar

Wenn Du mehrere dieser Symptome beobachtest: sofort die Tierärztin kontaktieren. Jede Stunde zählt bei akuter Hufrehe.

Was sind die Ursachen von Hufrehe beim Pferd?

Hufrehe entsteht meist durch eine Überlastung des Stoffwechsels. Die häufigsten Auslöser sind:

  • Zu viel Zucker und Stärke: Frisches Frühjahrsgras, Kraftfutter-Überversorgung oder Müsli mit hohem Zuckergehalt können die Insulinregulation überfordern
  • Stoffwechselerkrankungen: Cushings-Syndrom (PPID) und Equines Metabolisches Syndrom (EMS) erhöhen das Hufrehe-Risiko erheblich
  • Übergewicht: Zu schwere Pferde haben ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko
  • Unterlastung: Plötzliche Bewegungsarmut nach intensivem Training oder lange Boxenruhe
  • Andere Erkrankungen: Kolik, Durchfall, Gebärmutterentzündung oder Infektionskrankheiten können sekundär Hufrehe auslösen
  • Falsches Aufwärmen: Hartes Reiten auf steinigem Untergrund ohne ausreichende Vorbereitung

Warum ist das Frühjahr besonders gefährlich für Hufrehe-Pferde?

April und Mai sind die kritischsten Monate. Frisches Weidegras enthält in den ersten Wachstumsphasen besonders hohe Mengen an wasserlöslichen Kohlenhydraten - die Pflanze speichert sie als Energie-Reserve. Gerade Gras, das durch Kältenächte gestresst wurde, hat morgens nach Sonnenschein extrem hohe Zuckerwerte.

Pferde, die nach dem Winter wenig Bewegung hatten, sind zusätzlich gefährdet - der Stoffwechsel ist träge, die Insulinregulation braucht Zeit, um sich anzupassen. Pferd richtig anweiden ist deshalb im Frühjahr Pflicht - langsam, kontrolliert und mit festen Zeiten.

Besonders gefährdet im Frühjahr sind: Ponys und Kaltblüter (evolutionär auf Überlebensfutter ausgelegt), übergewichtige Pferde sowie Senioren mit bereits bestehendem Cushings-Syndrom.

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Was darf ein Pferd mit Hufrehe nicht fressen?

Die Ernährung ist das A und O im Hufrehe-Management. Folgende Futtermittel sollten bei Hufrehe-gefährdeten oder erkrankten Pferden vermieden oder stark eingeschränkt werden:

Futtermittel bei Hufrehe - erlaubt, einschränken, vermeiden
Futtermittel Empfehlung Grund
Frisches Weidegras (Frühjahr) Stark einschränken oder meiden Hoher Zuckergehalt, besonders morgens
Kraftfutter / Müsli Vermeiden oder stark reduzieren Stärke- und Zuckerbelastung
Karotten, Äpfel, Leckerlis Nur in sehr kleinen Mengen Zuckergehalt beachten
Zuckerarmes Heu (gewässert) Empfohlen Grundversorgung mit niedrigem Zuckergehalt
Stroh (als Anteil) In Massen möglich Kalorienarm, beschäftigt das Pferd
Mineralfutter (angepasst) Sinnvoll mit Tierärztin abstimmen Versorgung ohne Kalorienüberschuss

Alle Fütterungsänderungen bei Hufrehe sollten immer in Absprache mit der Tierärztin vorgenommen werden. Einen guten Überblick zur Mineralstoffversorgung bietet unser Ratgeber Mineralfutter fürs Pferd.

Wie behandle ich ein Pferd mit Hufrehe?

Bei akuter Hufrehe gilt: Die Tierärztin sofort rufen. Während Du auf sie wartest, kannst Du folgendes tun:

  • Pferd sofort von der Weide holen und in die Box bringen
  • Weiche Einstreu (Sägemehl, tiefes Stroh) als Entlastung bereitstellen
  • Kühlung der Hufe mit Wasser oder Eis könnte Schmerzen lindern - vorher mit der Tierärztin absprechen
  • Kraftfutter sofort stoppen - kein Gras, kein Müsli
  • Ruhe: kein Bewegen des Pferdes erzwingen

Die medikamentöse Behandlung (entzündungshemmende Mittel, Schmerztherapie) und die langfristige Hufbearbeitung durch den Hufschmied sind Bestandteil jedes professionellen Hufrehe-Therapieplans. Eine angepasste Diät, regelmässige Blutkontrollen und konsequentes Weidemanagement können den weiteren Verlauf positiv beeinflussen.

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Kann ein Pferd mit Hufrehe noch auf die Weide?

In der akuten Phase: Nein. In der Erholungsphase und langfristig kommt es auf den Einzelfall an. Alte Pferde und Senioren sollten besonders vorsichtig angeweidet werden. Manche Hufrehe-Pferde können auf sehr kurz gehaltenem, zuckerarmen Gras stehen - am besten auf einem sogenannten "Paddock-Trail" oder eingezäuntem Bereich mit wenig Grasbewuchs.

Wichtig: Weide morgens meiden (höchste Zuckerwerte), Weidezeit streng begrenzen und Gewicht kontrollieren. Ob und wie viel Weide vertretbar ist, sollte die Tierärztin individuell beurteilen.

"Bei RidersDeal merkt man einfach, dass es eine Seite von Pferdemenschen für Pferdemenschen ist: Immer nahbar, persönlich und mit dem Blick fürs Wesentliche."

- Frederike Wolbers, @Justanotherhorseblog

Häufige Fragen zu Hufrehe beim Pferd

Wie lange kann ein Pferd mit Hufrehe leben?

Viele Pferde können trotz Hufrehe noch viele Jahre ein gutes Leben führen - vorausgesetzt, die Erkrankung wird frühzeitig erkannt, konsequent behandelt und durch angepasstes Futter- und Weidemanagement kontrolliert. Die Lebenserwartung hängt stark vom Schweregrad und den Begleiterkrankungen wie Cushings-Syndrom oder EMS ab. Eine regelmässige tierärztliche Begleitung ist entscheidend.

Ist Hufrehe beim Pferd heilbar?

Hufrehe ist in vielen Fällen gut zu managen, aber eine vollständige "Heilung" - im Sinne von: das Risiko existiert nicht mehr - ist selten. Das Ziel ist Symptomfreiheit und eine gute Lebensqualität. Pferde mit einmaliger Hufrehe ohne Hufbeinrotation haben gute Prognosen. Bei chronischer Hufrehe mit Hufbeinabsenkung ist das Management aufwendiger und die Prognose vorsichtiger zu beurteilen.

Was darf ein Pferd mit Hufrehe nicht fressen?

Frisches Weidegras (besonders im Frühjahr), zuckerreiches Kraftfutter, Müsli mit hohem Stärkeanteil sowie Obst und Gemüse in grossen Mengen sollten vermieden werden. Die Basis der Ernährung sollte aus zuckerarmem Heu (gewässert oder von der Tierärztin analysiert) und einem angepassten Mineralfutter bestehen.

Wann sollte man ein Pferd mit Hufrehe einschläfern?

Diese schwierige Entscheidung liegt bei der Tierärztin gemeinsam mit der Pferdebesitzerin. Wenn das Pferd trotz maximaler Therapie dauerhaft starke Schmerzen hat, das Hufbein stark rotiert oder perforiert ist und keine Schmerzfreiheit mehr erreichbar ist, kann eine Euthanasie im Sinne des Tierwohls die humanste Entscheidung sein. Die Tierärztin kann den Leidensdruck objektiv beurteilen.

Kann ein Pferd mit Hufrehe noch geritten werden?

In der akuten Phase: Nein. In der stabilen, symptomfreien Phase und nach Absprache mit der Tierärztin ist vorsichtiges Reiten auf weichem Untergrund möglich. Viele Hufrehe-Pferde können mit angepasstem Management wieder geritten werden - aber das ist ein individueller Weg, kein pauschales "Ja".

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