Von klassisch bis Western – Welche Reitweise dominiert wo in Europa?

Wenn wir an Europa denken, sehen wir mittelalterliche Schlösser, weite Weiden, heiße Sommer in Südfrankreich – und Pferde, die mit Stil und Geschichte durch diese Landschaften schreiten. Jede Region Europas hat ihre ganz eigene Reitkultur entwickelt – geprägt von Lebensart, Pferderassen und historischer Tradition. Aber welche Reitweise ist in welchem Land Europas eigentlich üblich? Und was verrät uns das über die Menschen und ihre Pferdebeziehung? Wenn du schon länger reitest oder gerade (wieder) einsteigst, kann ein Blick über den Tellerrand spannend sein: Vielleicht findest du eine Reitweise, die noch besser zu dir – und deinem Pferd – passt.  

Hier kommt Dein kompakter Überblick – fundiert, verständlich und mit dem Wissen, dass Reiten vor allem eins bedeutet: Verbindung.

 

Was genau ist eine Reitweise?  

Eine Reitweise ist mehr als nur eine bestimmte Art, im Sattel zu sitzen. Sie beschreibt einen ganzen Ausbildungsweg – für dich und für dein Pferd. Dazu gehören:

  • Reitstil & Sitz (z. B. klassischer Dressursitz vs. Westernsitz)
  • Philosophie der Ausbildung (z. B. „über den Rücken arbeiten“ vs. „Freiarbeit & Vertrauen“)
  • Ausrüstung (z. B. Kandare oder Hackamore)
  • Art der Hilfengebung (z. B. feines Treiben, Gewichts-/Schenkelhilfen vs. Neck-Reining)

Jede Reitweise basiert auf einer Tradition, angepasst an die Pferdetypen des Landes – ob kraftvolle Friesen, agile PREs oder ausdauernde Islandpferde. Wichtig ist: Es gibt nicht nur richtig oder falsch. Sondern Reitweisen, die deinem Pferd gerecht werden – und deinem Reiterinnenherz.

 

Welche Reitweisen sind in Europa verbreitet?

1. Klassisch-englische Reitweise  

Typisch für: Deutschland, Österreich, Schweiz, England

Hinter der allgemein bekannten klassischen Reitweise steckt u. a. die Ausbildungsphilosophie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Ziele sind ein losgelassenes, durchlässiges Pferd nach der Skala der Ausbildung – häufig im Dressur-, Spring- oder Vielseitigkeitssport.

  • Reitstil: Aufrichtung, versammelndes Reiten, sinnvoller Muskelaufbau durch Gymnastizierung
  • Ausrüstung: Trense, ggf. Kandare, Sattel mit Pauschen
  • Typische Pferderassen: Warmblüter (z. B. Hannoveraner, Holsteiner)

 

2. Iberische & Barocke Reitweise  

Typisch für: Spanien, Portugal

 Diese Reitkunst ist durch jahrhundertealte Traditionen der Arena-Arbeit und klassischen Schule geprägt – mit Eleganz, feiner Hand und starker Kommunikation. Besonders beliebt auch für die Arbeit an der Hand oder am Boden.

  • Reitstil: Hohe Versammlung, feine Impulse, manchmal Sporen in klassischer Nutzung
  • Ausrüstung: Barocksattel, Kandare, oft Reiten mit leichter Zügelführung
  • Pferde: Lusitanos, Andalusier, PRE

→ Unterschied Spanien vs. Portugal?  

In Spanien dominiert Doma Vaquera – einst Arbeit am Rind, heute oft Showstil. In Portugal liegt der Fokus stärker auf der klassischen Reitkunst mit betonter Harmonie.

 

3. Westernreiten  

Typisch (in Europa): Südfrankreich, Schweiz, Norditalien, zunehmend auch Deutschland  

 Westernreiten stammt ursprünglich aus den USA, hat aber in Teilen Europas Fuß gefasst – besonders dort, wo Ranchkultur oder Freizeitreiten im Vordergrund stehen. Ziel ist ein durchlässiges, gelassenes Pferd, das mit minimalen Hilfen reagiert.

  • Reitstil: Lockerer Sitz, Einhändige Zügelführung (Neck-Reining), Gewichtshilfen
  • Ausrüstung: Westernsattel, Split Reins, oft gebisslos möglich
  • Pferde: Quarter Horses, Appaloosa, Paint Horses, aber auch Freizeitrassen

 

4. Gangpferdereiten  

Typisch für: Island, Skandinavien, Schweiz

 Islandpferde sind mit einzigartigen Gangarten wie Tölt und Pass ausgestattet. Das Reiten fokussiert sich auf ein lockeres, balanciertes Sitzgefühl und das Erleben der Gänge – oft inmitten atemberaubender Natur.

  • Reitstil: Mittig sitzend, feine Gewichtsverlagerung, oft leichter Zügelkontakt
  • Ausrüstung: Island-Sattel, gebisslos oder weich gebissgeführt
  • Pferde: Islandpferde, teilweise Paso Peruano, Tölt-Mixe

 

5. Springen, Vielseitigkeit & Co.  

Typisch für: England, Irland, Belgien, Niederlande, Deutschland

 In Ländern mit starker Sporttradition wird besonders auf die Disziplinen Springen und Vielseitigkeit gesetzt. Hier steht die Funktionalität im Vordergrund.

  • Reitstil: Solider Grundsitz, Schwerpunkt auf Sitzstabilität und Präzision
  • Ausrüstung: Vielseitigkeitssattel, Martingal, Sicherheitssteigbügel
  • Pferde: Sportpferde mit viel Go & Mut

 

Wo wird was geritten? | Europas Reitweisen im Länderüberblick

Deutschland  

→ Vorherrschend: Englische Reitweise   

Ob auf dem Reitplatz, im Gelände oder im Turnier: Hier dominiert die FN-Ausbildung. Inzwischen wächst aber auch das Interesse an alternativen Reitphilosophien – z. B. Working Equitation oder feine Bodenarbeit.  

 

Spanien  

→ Vorherrschend: Doma Vaquera & klassische Hohe Schule  

Spanisch reiten heißt: einhändig, oft kraftvoll, aber fein – ein Vermächtnis jahrhundertealter Rinderarbeit und höfischer Dressur.  

 

Portugal  

→ Vorherrschend: Klassische Reitkunst mit Fokus auf Harmonie  

Viele portugiesische Reiter gönnen sich Zeit für feine Ausbildung. Lusitanos gelten als besonders sensibel, menschenbezogen – perfekt für feinfühliges Reiten.

 

Frankreich  

→ Regional: Camargue-Reiten & Westernreiten im Aufwind  

In Südfrankreich triffst du auf Cowboys der Camargue, die mit weißen Pferden und lockeren Hilfen arbeiten. Westernreiten gewinnt durch US-Einflüsse und Freizeitfokus an Bedeutung.  

 

Island  

→ Ganz klar: Gangreiten mit Islandpferden  

Hier wird töltend durch Moos und Lava geritten – kaum ein Land ist so direkt mit seiner Pferderasse verbunden. Reiten bedeutet dort: Teil der Natur sein.

 

Großbritannien  

→ Klassisch, sportlich, mit Tradition  

Ob Springreiten, Polo oder Fuchsjagd: Die britische Reitweise ist pragmatisch und leistungsorientiert. Ponyclubs vermitteln Kindern früh sicheren Umgang und Teamgeist.

 

Welche Reitweise passt zu dir (und deinem Pferd)?  

Du willst dich wohlfühlen – und dein Pferd auch. Hier ein paar Tipps zur Selbsteinschätzung:

  • Du liebst Struktur, klare Trainingsschritte, Dressurarbeit? → Klassisch-englisch!
  • Du suchst Leichtigkeit, Eleganz, feine Bodenarbeit? → Iberisch oder Barock!
  • Du willst im Gelände entspannt reiten, mit minimalen Hilfen? → Western!
  • Du hast ein Gangpferd oder willst tölten lernen? → Islandpferdereiten!
  • Du liebst sportliche Herausforderungen & Turniere? → englisch/sportlich!

 Du kannst übrigens auch Reitweisen kombinieren und Elemente testen. Besonders im Freizeitreiten gilt: Deine Beziehung zählt mehr als ein starres System.

 

Reitweise im Urlaub erleben – die perfekte Gelegenheit

 Warum nicht mal eine andere Reitweise ausprobieren?

  • Portugal: Barockreiten lernen auf Lusitanos
  • Frankreich: Western-Ferien in der Camargue
  • Island: Gangreiten zwischen Vulkanen
  • Österreich: Reiten mit Alpenpanorama

 Viele Reiterinnen berichten, dass ihnen im Reiturlaub bewusst wurde, welcher Reitstil ihrem Wesen wirklich entspricht. Vielleicht bist du gar keine „FN-Reiterin“, sondern eine Barockseele – du weißt es nur noch nicht.

 Europa reitet vielfältig – und du darfst deinen Weg finden. Jede Reitweise in Europa erzählt eine Geschichte – von Kultur, Landschaft, Pferderasse und Reiterherz. Vielleicht steckt deine bevorzugte Art zu reiten längst in dir – du musst sie nur entdecken. Denn das Wichtigste bleibt: Dein Reitstil soll dich und dein Pferd verbinden. Nicht trennen.

 

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Die Autorin: 

Kathi aus dem #teamridersdeal 

Ich bin Werkstudentin bei RidersDeal und lebe hier meinen Traum: Mein Hobby mit meinem Beruf zu verbinden. Seit über 15 Jahren bin ich leidenschaftliche Reiterin und teile in meinen Blogbeiträgen meine Erfahrungen aus dem Alltag mit meinen zwei eigenen Pferden, die ich seit fast 10 Jahren habe. So bringe ich spannende Einblicke aus verschiedenen Bereichen des Reitsports direkt zu Euch! 

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