Polosport für Einsteiger: Regeln, Ausrüstung und Einstieg erklärt

Poloreiter auf schnellem Pferd beim Schlag mit dem Mallet – Polosport Regeln und Einstieg für Einsteiger erklärtPoloreiter auf schnellem Pferd beim Schlag mit dem Mallet – Polosport Regeln und Einstieg für Einsteiger erklärt
Polosport vereint Reiten und Ballsport auf einem der größten Spielfelder der Welt – in Deutschland gibt es über 50 aktive Poloclubs.

Polo reiten gehört zu den ältesten Reitsportarten der Welt - und zu den am meisten missverstandenen. Der Polosport gilt als Luxussport für Millionäre, ist in seiner Einstiegsform aber zugänglicher, als viele Reiterinnen denken. In Deutschland gibt es über 50 aktive Poloclubs, und die Nachfrage nach Schnupperkursen wächst seit Jahren. Wer Polo reiten verstehen will, sollte zuerst die Regeln, die Pferde und die nötige Ausrüstung kennen - dieser Ratgeber erklärt alles Wesentliche.

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Kathi Beißel

Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Juni 2026

Was ist Polo - und woher kommt der Sport?

Polo ist eine Mannschaftssportart, bei der zwei Teams zu je vier Spielern auf Pferden gegeneinander antreten und versuchen, mit einem Holzmallet einen Ball durch das gegnerische Tor zu treiben. Die Spielfläche ist mit bis zu 275 x 180 Metern eines der größten Spielfelder aller Teamsportarten weltweit.

Der Ursprung des Polosports liegt in Persien und Zentralasien, vermutlich bereits 500 v. Chr. Als Trainingsmethode für Kavallerie entwickelt, verbreitete sich Polo über die Seidenstraße bis nach China und Indien. Britische Kolonialoffiziere lernten das Spiel in Manipur/Indien kennen und brachten es im 19. Jahrhundert nach Europa. 1876 wurde in England der erste offizielle Poloclub gegründet, 1900 war Polo sogar olympische Disziplin.

Heute wird Polo in über 80 Ländern gespielt. Die stärksten Polo-Nationen sind Argentinien, USA und Großbritannien. In Deutschland ist der Verband Deutscher Polosportverein (VDPV) zuständig - mit aktuell rund 50 aktiven Clubs von Hamburg bis München.

Wie funktioniert Polo? Regeln einfach erklärt

Ein Polospiel ist in Abschnitte unterteilt, die als Chukkas bezeichnet werden. Jede Chukka dauert 7 Minuten, ein Feldpolospiel hat üblicherweise 4, 6 oder 8 Chukkas. Nach jeder Chukka wechseln die Spieler ihre Pferde - ein professioneller Poloreiter benötigt daher bis zu 8 Pferde pro Spiel.

Polo-Regeln auf einen Blick
Element Detail Hinweis
Team 4 Spieler pro Mannschaft Positionen 1-4 (1 = Angreifer, 4 = Verteidiger)
Chukka 7 Minuten Spielzeit 4-8 Chukkas pro Spiel, Pferdewechsel dazwischen
Spielfeld Bis 275 x 180 m Größtes Spielfeld aller Teamsportarten
Tor 7,3 m breit, offen nach oben Nach jedem Tor wechseln die Teams die Seite
Mallet Holzschläger, immer rechts Linkshandige Spieler sind nicht erlaubt
Ball Hartplastik, 8-9 cm Durchmesser Wird ausschließlich mit dem Mallet gespielt

Die wichtigste Regel im Polo ist die Linie des Balls (Line of the Ball): Jeder Spieler hat das Recht, entlang dieser gedachten Linie zu reiten. Ein anderer Spieler darf diese Linie nicht kreuzen - das ist das häufigste Foulspiel. Schiedsrichter auf dem Feld (zwei berittene Referees) und Schiedsrichter auf der Tribüne (Umpire) entscheiden gemeinsam.

Was sind Polo Ponys - welche Pferde eignen sich?

Trotz des Namens sind Polo Ponys keine Ponys - sie müssen keine Größenbeschränkung erfüllen und sind heute meist Vollblüter oder Vollblut-Kreuzungen mit Durchschnittshöhen von 153 bis 163 cm. Der Begriff "Pony" stammt aus der frühen englischen Polo-Tradition, als tatsächlich Kleinpferde eingesetzt wurden.

Argentinien ist die bedeutendste Zuchtregion für Polo Ponys: Die argentinischen Criollo-Vollblut-Kreuzungen gelten als schnell, wendig, ausdauernd und mental stabil unter Druck. Ein gutes Polo Pony zeichnet sich durch drei Eigenschaften aus: Schnelligkeit auf kurzen Distanzen, sofortige Stopps (Sliding Stops aus dem Galopp) und die Bereitschaft, eng neben anderen Pferden zu galoppieren ohne zu reagieren.

In Deutschland werden Polo Ponys oft als Leihpferde in Clubs bereitgestellt, besonders für Schnupperkurse und Anfänger. Wer regelmäßig spielen möchte, kauft oder least langfristig eigene Ponys. Ein ausgebildetes Polo Pony kostet in Deutschland zwischen 8.000 und 50.000 Euro je nach Trainingsniveau und Herkunft.

Polo Ponys brauchen robuste Beinschutz-Gamaschen, die bei hohen Geschwindigkeiten sicher sitzen und Schläge durch den Mallet abpuffern können. Bei RidersDeal findest Du Gamaschen für alle Einsatzbereiche - vom Training bis zum Turnier.

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Welche Ausrüstung brauche ich für Polo?

Polo-Ausrüstung gliedert sich in zwei Bereiche: die Ausrüstung des Reiters und die Ausrüstung des Pferdes. Für Reiterinnen beim Schnupperkurs stellt der Club meist die wichtigsten Gegenstände zur Verfügung - wer regelmäßig spielen möchte, braucht eigene Ausrüstung.

Ausrüstung des Reiters: Der Polo-Helm ist Pflicht - er unterscheidet sich durch ein breiteres Nackenschutzband und eine stärkere Schale vom normalen Reithelm. Dazu kommen spezielle Polo-Reithosen (oft weiß, schmal und knieschützend), Knieschützer (Pflicht im Wettkampf), hohe Reitstiefel oder Stiefeletten und Handschuhe. Das Mallet wird in der Regel vom Club gestellt, Profis besitzen ihre eigenen in verschiedenen Längen.

Ausrüstung des Pferdes: Polo Ponys werden spezifisch ausgerüstet. Auf alle vier Beine kommen enganliegende Polo-Wickelbandagen oder spezielle Polo-Gamaschen - sie schützen vor Malletschlägen und Tritten anderer Pferde. Der Schweif wird hochgebunden und das Mähne eng geflochten oder abgeschoren, damit das Mallet nicht verhakt. Das Gebiss ist oft ein Pelham oder Gag-Gebiss für direkte Einhandzügelführung.

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Wie starte ich mit Polo in Deutschland?

Der Einstieg in den Polosport beginnt fast immer mit einem Schnupperkurs im lokalen Poloclub. Diese Kurse dauern meist 2-4 Stunden, umfassen Bodenübungen mit dem Mallet, das Schlagen vom stehenden Pferd und erste einfache Übungseinheiten im Schritt und Trab.

Reiterinnen mit vorhandener Reiterfahrung (sicherer Sitz im Galopp) haben einen klaren Vorteil: Das Halten des Mallets, der Schlag nach dem Ball und das einhändige Reiten kommen als Fertigkeiten obendrauf. Wer noch nicht sicher galoppiert, sollte zuerst die reiterliche Basis festigen. Ein guter Einstieg ist der Ratgeber Springreiten für Anfänger für das Grundgefühl von Tempo und Balance im Sattel.

Laut RidersDeal Community Studie 2026 (n=3.515) spielen nur 1,4% der befragten Reiterinnen Working Equitation und 3,8% Western - beides zeigt, dass Reitsportarten jenseits von Dressur und Springen eine überschaubare, aber treue Anhängerschaft haben. Für Polo gilt das noch deutlicher: Die Community ist klein, aber tief engagiert, und die Clubs sind für neue Mitglieder meist sehr offen.

Arena Polo vs. Feldpolo: Was ist der Unterschied?

Arena Polo und Feldpolo sind zwei eigenständige Varianten des Polosports mit unterschiedlichen Anforderungen an Pferd und Reiter. Im Winter und in urbanen Bereichen wird häufig Arena Polo gespielt - das macht Polo auch in Deutschland das ganze Jahr über möglich.

Feldpolo (Outdoor Polo): Die klassische Form auf dem großen Rasenfeld. Teams zu je vier Spielern, 4-8 Chukkas, Vollblut-Ponys, höchste Geschwindigkeiten. Das Spielfeld ist aufwendig zu pflegen und braucht entsprechenden Raum - in Deutschland daher nur bei spezialisierten Clubs.

Arena Polo (Indoor Polo): Gespielt auf einer geschlossenen Bahn, oft in einer Reithalle (ca. 100 x 50 m). Teams zu je drei Spielern, weicherer aufblasbarer Ball. Das Spieltempo ist niedriger, die Anforderungen ans Pferd sind anders - Arena Polo ist der typische Einstieg für Anfänger. Viele deutsche Poloclubs bieten Arena Polo auch im Winter an.

Was kostet Polo wirklich?

Polo hat den Ruf des teuersten Reitsports - dieser Ruf ist auf Profiniveau berechtigt, für Einsteigerinnen aber deutlich übertrieben. Der Schnupperkurs mit Leihpony kostet je nach Club zwischen 80 und 200 Euro. Anfängerkurse über mehrere Stunden liegen bei 300-600 Euro und enthalten oft alles Nötige inklusive Ausrüstung und Ponys.

Teuer wird Polo erst, wenn man eigene Ponys und eigene Ausrüstung kauft und regelmäßig an Turnieren teilnimmt. Die jährlichen Kosten für ein Polo Pony (Unterhalt, Training, Tierarzt) liegen ähnlich wie bei anderen Reitpferden zwischen 6.000 und 15.000 Euro pro Pferd im Jahr. Laut RidersDeal Community Studie 2026 zahlen 38,8% der Pferdebesitzerinnen bereits 300-500 Euro monatliche Stallmiete - ein Polo Pony kommt mit ähnlichen laufenden Kosten wie jedes andere Sport-Reitpferd.

Für Reiterinnen, die Polo ausprobieren wollen ohne gleich zu investieren, ist der Einstieg über einen Club mit Leihponys der sinnvollste Weg: monatliche Mitgliedsbeiträge zwischen 50 und 150 Euro, Spieltagsgebühren separat, Ponys werden bereitgestellt.

Polo in Deutschland: Clubs, Turniere und Verbände

Der Deutsche Polo Verband (DPV) koordiniert den organisierten Polosport in Deutschland. Mitgliedsclubs gibt es in fast allen Bundesländern, mit Schwerpunkten in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Baden-Württemberg. Turnierhöhepunkte sind das Deutsche Polomeisterschaft sowie internationale Turniere wie die German Open in Düsseldorf oder das Palma de Mallorca Polo Classic.

Für Einsteiger ist der Weg über den nächstgelegenen Club der direkteste: Die meisten deutschen Poloclubs sind für Interessenten offen und bieten Schnupperkurse gezielt als Einstieg an. Die größten Reitturniere in Deutschland bieten auch für Polo-Fans interessante Zuschauer-Erlebnisse - einige schließen heute Polo-Demovorführungen ein.

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- Lilly Bredel, @Lilly_life.horse.diary

Häufige Fragen zum Polosport

Kann ich Polo reiten lernen, ohne vorher geritten zu sein?

Theoretisch ja, praktisch solltest Du einen sicheren Sitz im Galopp mitbringen. Polo-Ponys reagieren schnell, werden einhandig geführt und wechseln abrupt die Richtung. Wer noch nie geritten ist, braucht zuerst eine solide reiterliche Basis - die meisten Clubs empfehlen mindestens 2-3 Jahre Reiterfahrung als Voraussetzung für das reguläre Spiel.

Was ist ein Handicap im Polo?

Im Polo wird das Spielerniveau über ein Handicap-System von -2 bis +10 Zielen gemessen. Anfänger starten bei -2, internationale Profis erreichen +10 (weltweit nur wenige Spieler). Das Mannschafts-Handicap ergibt sich aus der Summe der vier Einzelhandicaps - es dient zum Ausgleich unterschiedlich starker Teams in Turnieren.

Warum ist Linkshandigkeit im Polo verboten?

Aus Sicherheitsgründen: Wenn ein Linkshänder ein Mallet auf der linken Seite schwingt, nähern sich die Schlägerbahnen zweier entgegenkommender Spieler auf direktem Kollisionskurs. Das Verbot schützt Pferde und Reiter vor gefährlichen Situationen im schnellen Spielverlauf.

Wie lange dauert ein Polospiel?

Ein typisches Feldpolospiel mit 6 Chukkas dauert inklusive Pausen etwa 2-2,5 Stunden. Jede Chukka ist 7 Minuten lang, hinzu kommen Pausen zwischen den Chukkas (3-5 Minuten) für Pferdewechsel und eine längere Halbzeitpause. Arena Polo ist mit 3-4 Chukkas kompakter und dauert ca. 60-90 Minuten.

Brauche ich für Arena Polo andere Ausrüstung als für Feldpolo?

Weitgehend nein - Helm, Knieschützer, Stiefel und Mallet sind identisch. Der Ball ist im Arena Polo weicher und größer. Die Pferde werden mit denselben Gamaschen und Bandagen ausgestattet. Der wichtigste Unterschied: Das Mallet ist im Arena Polo oft kürzer, weil der Spielraum enger ist.

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