Springreiten Grundlagen: Einstieg, Ausrüstung und Trainingsaufbau für Anfängerinnen


Springreiten fasziniert viele Reiterinnen - ob als Sportlerin auf dem Turnier oder als Freizeitreiterin, die mit ihrem Pferd neue Herausforderungen sucht. Die Grundlagen des Springreitens lassen sich systematisch erlernen: mit der richtigen Ausbildungsreihenfolge, passendem Material und dem Wissen darüber, was Pferd und Reiterin wirklich brauchen.
Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Mai 2026
- Was sind die Grundlagen des Springreitens?
- Welche Hindernisse gibt es beim Springreiten?
- Haben Pferde Spaß am Springreiten?
- Ab wann kann man Springreiten lernen?
- Die richtige Ausrüstung fürs Springen
- Ist Springreiten gesund für das Pferd?
- Wie hoch sind die Hindernisse beim Turnier?
- Springtraining aufbauen: Schritt für Schritt
Was sind die Grundlagen des Springreitens?
Die Grundlage des Springreitens ist eine tragfähige Dressurausbildung: Pferd und Reiterin müssen im Galopp sicher, losgelassen und geradeaus gehen, bevor das erste Hindernis angesprungen wird. Das Springen selbst ist dann nur der letzte Schritt einer soliden Ausbildungssequenz.
Laut RidersDeal Community Studie 2026 (n=3.515) gibt 11,2% der Reiterinnen das Springen als Hauptdisziplin an - damit ist es nach Dressur und Freizeit/Gelassenheit die drittbeliebteste Reitdisziplin in der deutschsprachigen Reitwelt. Das zeigt: Springreiten ist kein Nischensport, sondern für viele Reiterinnen ein echtes Alltagsziel.
Drei Kernkompetenzen, die Du als Reiterin mitbringen solltest, bevor Du mit dem Springtraining beginnst:
- Sicherer, unabhängiger Sitz im Galopp - ohne Halt an den Zügeln
- Galoppdepart auf beiden Händen verlässlich abrufen können
- Tempo regulieren - versammeln und vorwärtstreiben im Galopp
Das Pferd seinerseits sollte in der Skala der Ausbildung Takt, Losgelassenheit und Anlehnung beherrschen. Ein Pferd, das vor oder hinter dem Zügel ist, wird auch über Hindernisse keine Balance finden.
Welche Hindernisse gibt es beim Springreiten?
Beim Springreiten unterscheidet man grundsätzlich zwischen Stangen- und Oxerhindernissen sowie Wassergraben und Kombinationen. Jede Hindernisform stellt andere Anforderungen an Rhythmus, Absprung und Balance.
| Hindernis | Beschreibung | Schwierigkeit |
|---|---|---|
| Bodenstange (Stangenarbeit) | Stangen flach auf dem Boden, zum Traben oder Galoppieren - Grundlage jeder Springausbildung | Einsteiger |
| Steilsprung | Senkrecht aufgebaute Stangen, kein Breitenmaß - erster aufgebauter Sprung im Training | Einsteiger bis fortgeschritten |
| Oxer (Breitsprung) | Zwei Hindernisse nebeneinander, mit Breitenmaß | Fortgeschritten |
| Kombination | Zwei oder drei Hindernisse mit 1-2 Galoppsprüngen dazwischen | Fortgeschritten bis schwer |
| Wassergraben | Flache Wasserfläche, wird weit übersprungen | Fortgeschritten bis Turnier |
Im Training beginnt man mit Bodenstangen und dann mit dem Steilsprung: Er erzieht Pferd und Reiterin zu einem sauberen, senkrechten Abflug. Erst wenn Steilsprünge sicher sitzen, kommt der Oxer dazu - er fordert mehr Vorwärtsdrang und eine längere Bahn über dem Hindernis. Mehr zur Hinderniskunde findest Du auch im Ratgeber zu Hindernissen beim Springreiten auf ridersdeal.com.
Haben Pferde Spaß am Springreiten?
Viele Pferde zeigen beim Springen klar erkennbare Zeichen von Motivation und Freude - gespitzte Ohren, aufmerksame Haltung, aktives Angehen der Hindernisse. Ob das als "Spaß" zu werten ist, lässt sich wissenschaftlich nicht abschließend beantworten, aber die Verhaltenszeichen sprechen für sich.
Pferde, die gut ausgebildet sind und körperlich auf den Springsport vorbereitet wurden, zeigen in der Regel positive Reaktionen auf das Springen. Entscheidend ist: Das Pferd sollte niemals überfordert, durch Schmerz oder Druck zum Springen gezwungen werden. Ein Pferd, das beim Anreiten an Hindernisse die Ohren anlegt, ausweicht oder die Hinterhand verweigert, sendet klare Signale, die respektiert werden müssen.
Praktisch zeigt sich: Pferde, die regelmäßig im Geländegelände springen, oft auch über natürliche Hindernisse wie Baumstämme oder Gräben, tun das häufig aus eigenem Antrieb heraus. Das ist ein guter Indikator, dass der Sprungsport, wenn er artgerecht betrieben wird, für viele Pferde eine Bereicherung sein kann.
Für das Springtraining braucht Dein Pferd den richtigen Beinschutz. Bei RidersDeal findest Du Sprung- und Geländegamaschen aller führenden Marken - für Training und Turnier.
Gamaschen für Springpferde ->Ab welchem Alter kann man Springreiten lernen?
Grundsätzlich kann man in jedem Alter mit dem Springreiten beginnen - entscheidend ist nicht das Alter, sondern die reiterliche Grundausbildung und der körperliche Zustand.
Für Kinder und Jugendliche beginnt der strukturierte Springsport in der Regel ab etwa 8-10 Jahren, wenn der Körper die Koordination und Körperspannung für den Sprung mitbringt. Viele Ponys im Schulbetrieb haben hier jahrelange Erfahrung und sind ideal für erste Versuche über niedrige Stangen.
Für Erwachsene Anfängerinnen gilt: Springreiten ist auch mit 30, 40 oder 50 Jahren neu erlernbar. Was gebraucht wird, ist eine solide Sitzausbildung - und etwas mehr Geduld, weil der Körper Bewegungsmuster langsamer verinnerlicht als in der Jugend. Viele Reitsportschulen bieten gezielte Springkurse für Erwachsene an, die auf einem sicheren Schul- oder Aufbaupferd aufgebaut werden.
Für das Pferd empfiehlt die FN, dass Pferde frühestens im Alter von 4-5 Jahren das erste Mal systematisch an Hindernisse herangeführt werden - zuvor fehlt die körperliche Reife. Turnierstart ist für viele Springpferde ab 5-6 Jahren üblich.
Welche Ausrüstung braucht man fürs Springreiten?
Springreiten braucht keine komplizierte Sonderausstattung - aber die wichtigsten Schutzkomponenten für Pferd und Reiterin sollten stimmen. Hier sind die unverzichtbaren Basics:
Für das Pferd:
- Springgamaschen oder Hartschalengamaschen vorne - schützen Röhrbein und Fesselkopf beim Abrufen der Hindernisse
- Hufglocken hinten - Schutz beim Aufstollen über dem Hindernis
- Gut sitzender Springsattel - mit kurzem, vorwärts geschnittenem Kniebrett für den Sprungsitz
- Springschabracke (optional, aber beim Turnier Pflicht je nach Prüfungsordnung)
Für die Reiterin:
- Reithelm mit Sicherheitsnorm (EN 1384 oder ASTM F1163) - beim Springen Pflicht
- Schutzweste - besonders beim Geländetraining und für Anfängerinnen empfohlen
- Reitstiefel oder -stiefeletten mit Absatz für sicheren Steigbügelschluss
Beim Turnier gelten außerdem Vorschriften zu Reitjacke, Handschuhen und weißen Reithosen. Hufglocken für das Springpferd und Hartschalengamaschen findest Du bei RidersDeal in vielen Größen und Ausführungen.
Ist Springreiten gut und gesund für das Pferd?
Richtiges, altersgerechtes Springtraining kann die Fitness und Koordination des Pferdes fördern - falsch dosiertes Springen dagegen belastet Sehnen, Gelenke und Hufapparate über Gebühr.
Sprünge trainieren die gesamte Muskelkette von der Kruppe bis zur Schulter - bei gut aufgebautem Training kann das die Hinterhandmuskulatur und die Rückenmuskulatur des Pferdes stärken. Springgymnastik (Cavalettis, Stangensysteme, Gridwork) ist deswegen auch im Dressursport ein anerkanntes Trainingskonzept. Mehr dazu findest Du im RidersDeal-Artikel zur Springgymnastik.
Problematisch wird Springreiten, wenn: die Hindernisse zu früh zu hoch aufgebaut werden, das Pferd körperlich nicht ausreichend vorbereitet ist, die Abstände zwischen Hindernissen nicht stimmen oder das Pferd zu häufig springt ohne ausreichende Erholungszeit. Für Freizeitpferde reichen 1-2 gezielte Springeinheiten pro Woche, ergänzt durch flache Dressurarbeit und Cavalettis.
Wie hoch sind die Hindernisse beim Springreiten auf dem Turnier?
Die Hindernishöhen steigen im Turniersport stufenweise: Von 70 cm in der Einsteigerprüfung bis zu über 160 cm beim Grand Prix auf Weltklasseniveau. Dazwischen liegen viele Prüfungsklassen, die schrittweise erklommen werden.
| Klasse | Höhe | Niveau |
|---|---|---|
| E (Einsteiger) | 60-70 cm | Erster Turniereinstieg |
| A (Anfänger) | 80-90 cm | Solide Grundausbildung |
| L (Leicht) | 100-110 cm | Fortgeschritten |
| M (Mittel) | 120-130 cm | Turnierpferd gefordert |
| S (Schwer) bis Weltklasse | 140-160+ cm | Profi- und Nationalkader |
Im Weltcup und beim Grand Prix CSI 5* (dem höchsten internationalen Niveau) werden Hindernisse bis 160 cm und Oxer mit bis zu 200 cm Breite aufgebaut. Für die meisten Freizeitreiterinnen liegt das Ziel irgendwo zwischen A und L - und das ist vollkommen ausreichend für sportlichen Anspruch und Spaß am Springen.
Springtraining systematisch aufbauen: So geht es
Ein gutes Springtraining folgt einem klaren Aufbau: von der Bodenarbeit und Cavalettis über erste Stangen bis hin zu Hindernissystemen (Gridwork). Wer diesen Weg geht, schützt das Pferd und schafft eine Basis, die auch unter Druck trägt.
Stufe 1 - Cavalettis und Stangenarbeit: Stangen auf dem Boden legen und im Schritt und Trab passieren - das schult Aufmerksamkeit, Koordination und den Blick des Pferdes nach vorne. Cavalettis (niedrig aufgestellte Stangen) können dann im Trab geritten werden und fördern Rücken und Rhythmus.
Stufe 2 - Erster Absprung: Eine Cavaletti auf 30-40 cm aufstellen und aus dem Trab heraus anspringen - das sogenannte Trab-Hindernis. Pferd und Reiterin lernen den ersten echten Absprung ohne die Komplication eines Galopprhythmus davor.
Stufe 3 - Gridwork (Hindernissysteme): Mehrere Hindernisse in einem festgelegten Abstand hintereinander aufstellen. Das nimmt dem Pferd die Entscheidung über den Absprung ab und erzieht zu Rhythmus und Genauigkeit. Für normale Pferde gilt ein Einzelgaloppsprung-Abstand von ca. 6,50 m.
Stufe 4 - Parcours: Erst wenn alle Bausteine sitzen, kommt der erste kleine Parcours. Nicht zu früh anfangen, zu viele Hindernisse auf einmal aufbauen oder die Höhen zu schnell steigern - das ist die häufigste Ursache für Springprobleme und Verweigerungen.
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- Stefanie Schubernig, @steffis_haflingerguys
Häufige Fragen zum Springreiten
Wie lange dauert es, Springreiten zu lernen?
Das hängt von der reiterlichen Grundausbildung ab. Wer bereits sicher im Galopp sitzt und ein geeignetes Pferd hat, kann erste einfache Stangen nach wenigen Wochen gezieltem Training überspringen. Einen soliden, sicheren Sprungsitz bis Klasse A aufzubauen, dauert in der Regel 6-18 Monate regelmäßigen Trainings.
Wie heißen die Hindernisse beim Springreiten?
Die Grundtypen sind Vertikale (Steilsprung), Oxer (Breitsprung), Kombination (zwei oder drei Hindernisse mit einem oder zwei Galoppsprüngen dazwischen) und Wassergraben. Dazu kommen dekorative Varianten wie Planken, Mauern, Steilwände und naturähnliche Hindernisse im Gelände.
Welche Ausrüstung braucht man für das Springreiten?
Für das Pferd: Springgamaschen vorne, Hufglocken hinten, gut sitzender Springsattel. Für die Reiterin: Helm mit gültiger Sicherheitsnorm, Schutzweste beim Geländereiten, Reitstiefel mit Absatz. Für den Turniereinsatz gelten zusätzliche Vorschriften zu Reitjacke und weißen Reithosen.
Ist Springreiten für alle Pferde geeignet?
Nein - nicht jedes Pferd ist physisch oder charakterlich für den Springsport geeignet. Pferde mit Gelenkproblemen, Sehnenschäden oder ausgeprägt negativ konditionierten Reaktionen auf Hindernisse sollten tierärztlich und reiterlich abgeklärt werden, bevor sie systematisch an Hindernisse herangeführt werden.
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