Die häufigsten Pferdekrankheiten: Symptome, Ursachen und was Du tun kannst


Pferdekrankheiten erkennen, richtig einordnen und schnell handeln - das kann im Ernstfall den entscheidenden Unterschied machen. Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515, ridersdeal.com/reitsportstudie-2026) mussten 73 % aller Reiterinnen im vergangenen Jahr mindestens einmal außerplanmäßig den Tierarzt rufen. Die häufigsten Pferdekrankheiten reichen von Kolik und Hufrehe über Atemwegserkrankungen bis hin zu Haut- und Gelenkproblemen - viele davon lassen sich mit dem richtigen Wissen früh erkennen und gezielt behandeln lassen.
Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: April 2026
Welche Pferdekrankheiten gibt es und welche sind am häufigsten?
Die häufigsten Pferdekrankheiten sind Kolik, Hufrehe, Atemwegserkrankungen (RAO/COPD), Mauke, Sommerekzem und Lahmheiten durch Gelenk- oder Sehnenprobleme. Diese sechs Krankheitsgruppen machen den Großteil aller Tierarztbesuche bei Pferden aus.
Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515) nennen 21,5 % der Reiterinnen Atemwegserkrankungen als ihr aktuell größtes Gesundheitsthema - Atemwege ist damit das Thema Nr. 1 noch vor Kolik (4,7 %) und Hufrehe. Diese Verteilung spiegelt einen klaren Trend: Stallhaltung, Heuqualität und Stallluft rücken als Risikofaktoren stärker ins Bewusstsein.
| Erkrankung | Hauptsymptom | Sofortmaßnahme |
|---|---|---|
| Kolik | Unruhe, Bauchschauen, Wälzen | Tierarzt sofort rufen |
| Hufrehe | Wärme im Huf, Entlastungshaltung | Tierarzt rufen, nicht bewegen |
| RAO / Dämpfigkeit | Chronischer Husten, Nasenausfluss | Haltung optimieren, Tierarzt |
| Mauke | Krusten, Rötung, Lahmheit am Fesselgelenk | Fesseln reinigen und trockenhalten |
| Sommerekzem | Juckreiz, Scheuern, Schuppenbildung | Insektenschutz, ggf. Decke |
| Lahmheit / Sehnenprobleme | Ungleichmäßiger Gang, Schwellungen | Schonung, Tierarzt zur Diagnose |
Was sind die häufigsten Atemwegserkrankungen beim Pferd?
Die häufigsten Atemwegserkrankungen beim Pferd sind RAO (Recurrent Airway Obstruction, früher COPD), IAD (Inflammatory Airway Disease) und akute Infekte der oberen Atemwege durch Viren oder Bakterien. RAO und IAD zusammen sind die häufigste chronische Erkrankungsform bei Stallpferden.
RAO (Dämpfigkeit) entsteht durch eine allergische Überreaktion auf Schimmelpilzsporen und Staub im Heu oder in der Einstreu. Das Pferd hustet chronisch, hat zähen Nasenausfluss und zeigt in schweren Fällen eine deutlich sichtbare Atemhilfsmuskulatur ("Dampfrinne") über den Rippen. Die wichtigste Maßnahme ist die Stallhygiene: gedämpftes oder getränktes Heu, staubarme Einstreu und konsequente Belüftung können das Krankheitsbild erheblich verbessern.
Infektiöse Atemwegserkrankungen - Influenza, Herpes, Druse - sind hochansteckend und verlangen konsequente Quarantäne des betroffenen Tieres. Regelmäßige Impfungen gegen Equine Influenza und Herpesvirus können das Risiko deutlich senken. Der Tierarzt entscheidet über den passenden Impfplan.
Wie erkenne ich Kolik beim Pferd - und was tue ich sofort?
Kolik beim Pferd ist ein Oberbegriff für Bauchschmerzen unterschiedlicher Ursache. Die Leitsymptome sind: Unruhe, häufiges Bauchschauen, Scharren, Schwitzen ohne Belastung und der Versuch, sich zu wälzen. Bei diesen Anzeichen gilt: Tierarzt sofort rufen.
Kolik ist die häufigste lebensbedrohliche Erkrankung beim Pferd. Die Bandbreite reicht von einer einfachen Gaskolik, die sich in wenigen Stunden von selbst löst, bis hin zur chirurgisch zu versorgenden Darmverlagerung. Da Pferdebesitzerinnen die Schwere nicht selbst einschätzen können, ist das sofortige Rufen des Tierarztes in jedem Fall die richtige Entscheidung - nicht das Abwarten.
Bis der Tierarzt eintrifft: Das Pferd ruhig führen (leichte Bewegung kann bei einfacher Gaskolik helfen), kein Futter geben, Wasser anbieten. Wälzen verhindern, solange möglich, da dabei eine Darmverdrehung begünstigt werden könnte.
Was ist Hufrehe und wie entstehen Schübe?
Hufrehe ist eine entzündliche Durchblutungsstörung der Huflederhaut, die zu starken Schmerzen und im schlimmsten Fall zur Rotation des Hufbeins führen kann. Typische Auslöser sind Überfressen von Gras oder Kraftfutter, schwere Allgemeinerkrankungen oder übermäßige Belastung auf hartem Untergrund.
Die Erkennungszeichen eines akuten Schubs: Das Pferd nimmt eine entlastende Rückstellhaltung ein (Vorderbeine weit nach vorne gestellt), die Hufe fühlen sich warm an und der Puls an den Fesselarterien ist deutlich spürbar erhöht. Bei diesem Befund gilt: kein Bewegen, Tierarzt rufen, harte Böden meiden.
Hufrehe-gefährdete Pferde - besonders Ponys, Haflingers und Pferde mit EMS (Equines Metabolisches Syndrom) - benötigen ein angepasstes Fütterungsmanagement. Zuckerarmes Heu, kein oder stark limitierter Weidegang in der Frühjahrssaison und regelmäßige Hufpflege sind die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen.
Regelmäßige Hufpflege ist eine der einfachsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Hufproblemen - bei RidersDeal findest Du die meistgekauften Hufpflege-Produkte auf einen Blick.
Hufpflege ansehen ->Welche Muskel- und Gelenkerkrankungen betreffen Pferde am häufigsten?
Zu den häufigsten Muskel- und Gelenkerkrankungen beim Pferd zählen Arthrose, Sehnenscheidenentzündungen, Bursitiden und das Kissing Spines Syndrom (überdornfortsätze der Wirbelsäule). Sie sind ein führender Grund für Lahmheit und eingeschränkte Rittigkeit.
Arthrose entsteht durch den schleichenden Abbau von Gelenkknorpel und betrifft vor allem ältere Pferde - laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 sind 23,5 % der Pferde 18 Jahre oder älter. Die ersten Zeichen sind oft eine erhöhte Aufwärmphase im Training oder leichte Steifheit nach dem Stehen. Entzündungsarme Bewegung, angepasster Untergrund und eine entsprechende tierärztliche Begleitung können die Lebensqualität dieser Pferde erhalten.
Kissing Spines wird in der Reitsportwelt zunehmend diskutiert. Druckschmerzen im Rücken, Widerstand beim Aufsatteln oder ein einseitiger Gang können Hinweise sein - eine sichere Diagnose liefert nur die Röntgenaufnahme beim Tierarzt. Laut CAVALLO Trophy 2025 geben Pferdebesitzerinnen im Schnitt 2.104 EUR pro Jahr für Tierarztkosten aus - ein Betrag, der die Bedeutung von Früherkennung unterstreicht.
Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515) nutzen 86,5 % der Reiterinnen Physiotherapie, Osteopathie oder Akupunktur für ihr Pferd - ein deutliches Zeichen, dass ergänzende Therapiemethoden in der Pferdegesundheit fest verankert sind.
Welche Hauterkrankungen und Parasitenbefall gibt es beim Pferd?
Zu den häufigsten Hauterkrankungen beim Pferd zählen Mauke (Fessel- und Fesselbeugenentzündung), Sommerekzem, Dermatomykosen (Pilzinfektionen) und der Befall mit Milben oder Räudemilben. Alle vier sind behandelbar - entscheidend ist die frühe Erkennung.
Mauke tritt bevorzugt bei Pferden mit Fesselhaaren in der Wintersaison auf. Feuchtigkeit, Schmutz und mangelnde Luftzirkulation am Fesselgelenk schaffen die ideale Grundlage. Regelmäßiges Reinigen, Trocknen und ggf. das Scheren der Fesselhaare kann Mauke effektiv vorbeugen.
Sommerekzem ist eine allergische Reaktion auf den Speichel bestimmter Mückenarten (Gnitzen) und betrifft vor allem Island- und Tinker-Pferde. Symptome sind starker Juckreiz, Scheuern an Mähne und Schweif und schuppige Hautveränderungen. Konsequenter Insektenschutz und geeignete Ekzemer-Decken können die Lebensqualität betroffener Pferde erheblich verbessern.
Wurmbefall bleibt ein Dauerthema im Stallmanagement. Regelmäßige Kotproben anstelle von Pauschalentwurmungen gelten heute als der bessere Ansatz - sie schonen das Tier und beugen Resistenzentwicklungen vor.
Welche Pferdekrankheiten sind meldepflichtig?
In Deutschland meldepflichtige Pferdekrankheiten umfassen Equine Infektiöse Anämie (EIA), Rotz, Beschälseuche, Virusarteritis und die Afrikanische Pferdepest. Bei Verdacht auf eine dieser Erkrankungen ist sofort der Tierarzt und das zuständige Veterinäramt zu informieren.
Equine Infektiöse Anämie (EIA) wird durch Blut übertragen und ist in Deutschland meldepflichtig. Der sogenannte Coggins-Test ist Pflicht bei der grenzüberschreitenden Verbringung von Pferden. Rotz ist in Deutschland seit Jahrzehnten ausgerottet, bleibt aber durch Einschleppung aus Risikogebieten relevant.
Für Reiterinnen, die ihr Pferd ins Ausland transportieren, empfiehlt es sich, frühzeitig die Einreisebestimmungen des Ziellandes zu prüfen - die Anforderungen an Impfnachweise und Gesundheitszeugnisse variieren stark.
Wie kannst Du Pferdekrankheiten im Stallalltag vorbeugen?
Die wirkungsvollste Vorbeugung gegen die meisten Pferdekrankheiten liegt in drei Bereichen: konsequente Stallhygiene, angepasste Fütterung und regelmäßige tierärztliche Kontrolle. Diese drei Säulen decken den Großteil der vermeidbaren Erkrankungen ab.
Konkrete Maßnahmen im Überblick:
- Impfplan einhalten: Influenza, Herpes und Tetanus sind die Pflichtimpfungen - der Tierarzt legt den individuellen Plan fest.
- Kotproben statt Pauschalentwurmung: Gezieltes Entwurmen nach Befund schont das Pferd und vermeidet Resistenzentwicklungen.
- Hufpflege alle 6 bis 8 Wochen: Regelmäßiger Hufschmied oder Barefoot-Trimmer ist entscheidend für Hufgesundheit und Vorbeugung von Hufrehe.
- Qualitatives Heu statt Staub: Gedämpftes oder gewässertes Heu reduziert das Risiko von Atemwegserkrankungen erheblich.
- Jährlicher Gesundheitscheck: Zahnkontrolle, Blutbild und Rückencheck beim Tierarzt - vor allem ab einem Pferdalter von 15 Jahren.
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Häufige Fragen zu Pferdekrankheiten
Woran erkenne ich, dass mein Pferd krank ist?
Allgemeine Warnsignale sind: verändertes Fressverhalten, apathisches Verhalten, erhöhte Atemfrequenz oder Körpertemperatur über 38,5 Grad Celsius, Absonderung von der Herde, Schwellungen und veränderte Kotmenge oder -konsistenz. Bei mehreren dieser Zeichen zeitnah den Tierarzt kontaktieren.
Welche Pferdekrankheiten sind ansteckend?
Equine Influenza, Herpesvirus, Druse, Räude und Mauke (durch Kontakt) können auf andere Pferde übertragen werden. Bei Verdacht sollte das betroffene Pferd sofort von anderen Pferden getrennt und der Tierarzt informiert werden.
Was kostet ein Tierarztbesuch beim Pferd?
Laut CAVALLO Trophy 2025 betragen die durchschnittlichen Tierarztkosten für ein Pferd rund 2.104 EUR pro Jahr. Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 mussten 59 % der Reiterinnen eine OP- oder Krankenversicherung abgeschlossen haben - 35 % verzichten noch auf Versicherungsschutz. Weitere Informationen zu den Kosten eines Pferdes findest Du in unserem Kostenratgeber.
Welche Impfungen braucht ein Pferd?
Pflichtimpfungen in Deutschland sind Equine Influenza (für Turnierpferde Pflicht nach FEI-Regeln), Tetanus und für Hengste und Stuten empfohlenerweise Herpesvirus. Tollwut wird in bestimmten Regionen empfohlen. Der Tierarzt legt den individuellen Impfplan je nach Haltung und Nutzung fest.
Welche Pferdekrankheiten sind meldepflichtig in Deutschland?
Meldepflichtig sind in Deutschland: Equine Infektiöse Anämie (EIA), Rotz, Beschälseuche, Virusarteritis und die Afrikanische Pferdepest. Bei Verdacht ist sofort das Veterinäramt zu informieren.
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