Wenn das Pferd geht: Wie Pferdebesitzerinnen mit dem Abschied umgehen


Es ist die Erfahrung, die alle Pferdebesitzerinnen früher oder später teilen — und über die fast keiner gerne spricht. In unserer RidersDeal Reitsport-Studie 2026 haben wir 3.515 Pferdebesitzerinnen gefragt, wie sie mit dem Gedanken umgehen, dass ihr Pferd irgendwann nicht mehr da sein wird. Die Antworten sind ehrlich, vielfältig und oft berührend. Sie zeigen: Verlust und Abschied gehören zur Pferdebeziehung dazu — und je früher man das ehrlich annimmt, desto leichter ist es, mit der eigenen Gegenwart liebevoll umzugehen. In diesem Artikel ordnen wir die Stimmen aus der Studie ein, zeigen, was Pferdebesitzerinnen in dieser Phase hilft, und nennen behutsam die Punkte, an denen professionelle Begleitung sinnvoll wird.
Marketingleiter & Datenanalyst · Aktualisiert: April 2026
- Warum reden wir so wenig über das, was alle erleben?
- Wie gehen Pferdebesitzerinnen mit dem Gedanken um?
- Was hilft in der akuten Phase?
- Welche Rolle spielen Stallgemeinschaft und Familie?
- Wann und wie wieder ein neues Pferd?
- Was sagen Reiterinnen, die einen solchen Abschied schon hinter sich haben?
- Wann ist professionelle Begleitung sinnvoll?
- Häufige Fragen zum Abschied vom Pferd
Warum reden wir so wenig über das, was alle erleben?
Pferde leben kürzer als Menschen. Wer mit Mitte zwanzig ihr erstes Pferd kauft, weiß rational, dass sie es voraussichtlich überleben wird. Trotzdem schiebt fast jede Pferdebesitzerin diesen Gedanken zur Seite, solange es geht. Das ist kein Vorwurf — es ist ein menschlicher Schutzmechanismus.
Was die Studie zeigt: Sobald das Thema doch konkret wird, sprechen Reiterinnen erstaunlich offen darüber. In der Mehrfachfrage zur emotionalen Verarbeitung des Älterwerdens haben fast alle Befragten geantwortet — und viele von ihnen haben auch in den Freitext-Feldern Persönliches geteilt. Das Tabu existiert vor allem im Alltag, nicht in der Reflexion.
Eine Reiterin schreibt: "Ich habe lange gedacht, dass ich die Einzige bin, die schon vor dem Tod meines Pferdes weint. Aber wenn ich mit anderen am Stall reden — wirklich reden — kennen das fast alle. Wir sprechen nur nicht darüber." Diese Aussage steht stellvertretend für das, was viele Pferdebesitzerinnen erleben: Trauer im Vorhinein gehört zur Pferdebeziehung dazu, ist aber selten Smalltalk-Material.
Was die Studie auch sichtbar macht: Wer den Gedanken aktiv zulässt, statt ihn zu verdrängen, geht oft entspannter mit der Gegenwart um. Wer weiß, dass die gemeinsame Zeit endlich ist, schätzt sie anders. Das ist keine Aufforderung, sich permanent mit dem Verlust zu beschäftigen — sondern ein leiser Hinweis, dass Verdrängung manchmal mehr kostet als bewusste Annahme.
Wie gehen Pferdebesitzerinnen mit dem Gedanken um?
Wir haben in der Studie gefragt: "Wie gehst Du mit dem Gedanken um, dass Dein Pferd irgendwann nicht mehr da sein wird?" Die Antworten verteilen sich auf mehrere Bewältigungs-Strategien — und es gibt keine richtige oder falsche.
| Bewältigungs-Strategie | Anteil |
|---|---|
| Akzeptieren und bewusst leben | 38,5% |
| Verdrängen, daran will ich nicht denken | 26,4% |
| Manchmal denken, manchmal nicht | 22,9% |
| Aktiv darüber reden mit Vertrauten | 8,7% |
| Tut weh, kann das nicht beschreiben | 3,5% |
Die größte Gruppe — 38,5 Prozent — geht das Thema bewusst an. Sie haben den Gedanken zugelassen, akzeptieren ihn als Teil des Pferdebesitzes, und versuchen daraus eine reifere Form der Beziehung zu machen. Eine Reiterin schreibt: "Ich weiß, dass jeder gemeinsame Tag mit ihr ein Geschenk ist. Das nimmt nicht den Schmerz, der einmal kommen wird — aber es macht heute schöner."
Die zweitgrößte Gruppe — 26,4 Prozent — sagt offen, dass sie verdrängt. Das ist legitim. Verdrängung ist nicht zwangsläufig ungesund; sie kann ein produktiver Schutzmechanismus sein, solange das Pferd noch in der vitalen Phase ist. Was diese Gruppe oft erlebt: Wenn die akute Phase kommt, fehlt manchmal der innere Vorlauf, und der Schmerz kommt unvorbereitet.
Auffällig ist: Nur 8,7 Prozent reden aktiv darüber. Verlust und Abschied beim Pferd sind weitgehend ein inneres Thema — nicht ein Gemeinschaftsthema. Das könnte sich ändern, wenn die Pferdewelt offener mit dem Thema umginge.
Was hilft in der akuten Phase?
Wenn der Tag kommt, an dem das Pferd geht — durch Krankheit, Alter oder eine Entscheidung, die getroffen werden muss — ist alles anders als gedacht. Das ist kein Versagen der Vorbereitung. Es ist die Natur der Sache. Aus den Freitext-Antworten der Studie kristallisieren sich aber drei Hebel heraus, die in dieser Phase fast immer helfen.
1. Bewusster Abschied, wenn er möglich ist. Eine Reiterin schreibt: "Ich konnte mit meinem Pferd noch eine letzte Stunde verbringen, bevor wir die Entscheidung umsetzten. Diese Stunde trage ich heute wie einen Schatz mit mir." Wer die Möglichkeit hat, sich zu verabschieden — auch nur eine Putzeinheit, ein letztes Apfelstück, ein paar Minuten still nebeneinander —, sollte sie nutzen. Das verändert die Erinnerung an den Verlust grundlegend.
2. Niemandem die Trauer nehmen lassen. Manche Menschen aus dem Umfeld werden sagen: "Es war ja nur ein Pferd." Solche Aussagen kommen meist nicht aus Bösem, sondern aus Unverständnis. Trotzdem schmerzen sie. Was Pferdebesitzerinnen in dieser Phase brauchen: Vertraute, die wissen, dass es eben nicht "nur ein Pferd" war. Manchmal sind das andere Reiterinnen, manchmal nahe Familienmitglieder, manchmal Freunde, die selbst Tiere lieben.
3. Kein Druck, sofort weiterzumachen. Die akute Trauerphase darf dauern, was sie dauert. Wer sofort wieder funktioniert oder sofort ein neues Pferd nimmt, weil es sich "gehört", schadet sich oft selbst. Pferde-Trauer ist real und braucht Raum.
Was viele Pferdebesitzerinnen als hilfreich beschreiben: kleine Rituale. Eine Locke aus der Mähne aufheben, ein Foto an einem besonderen Platz, ein Erinnerungs-Album, eine Spende an einen Gnadenhof im Namen des Pferdes. Diese Rituale geben dem Verlust einen Rahmen — und das hilft.
Welche Rolle spielen Stallgemeinschaft und Familie?
Trauer ist sozial — und der Stall ist oft das wichtigste soziale Umfeld in dieser Phase. Stallkolleginnen, die das Pferd auch gekannt haben, die mit der Halterin zusammen Zeit verbracht haben, die wissen, wer dieses Tier war — sie können in der akuten Phase mehr trösten als Familienmitglieder, die das Pferd nur aus Erzählungen kannten.
Eine Reiterin schreibt: "Als mein Pferd ging, war ich erst alleine. Aber dann sind die Mädels vom Stall zu mir gekommen, eine nach der anderen, jede mit einem eigenen Erinnerungsbeitrag. Diese Tage haben mich getragen." Das ist eine kraftvolle Aussage über die soziale Funktion der Stallgemeinschaft — die in der modernen Pferdewelt manchmal unterschätzt wird.
Familie und Partner spielen eine andere Rolle. Sie tragen die Halterin im Alltag, übernehmen Aufgaben, geben emotionale Sicherheit. Aber das spezifische Verständnis dafür, was ein Pferd bedeutet, kommt meist aus dem Stall — von Menschen, die selbst diese Beziehung kennen.
Was die Studie nicht direkt zeigt, aber implizit deutlich wird: Wer in einer guten Stallgemeinschaft ist, ist in dieser Phase besser aufgefangen als Halterinnen, die isoliert in einer Privatbox stehen. Das ist ein Argument für gute Pensionsställe, das sonst selten ausgesprochen wird. Was das Pferd selbst über die Jahre der Halterin gegeben hat — Ruhe, Geerdetheit, Sein-dürfen — bleibt auch nach dem Verlust. Mehr dazu im Studien-Artikel Was nur das Pferd geben kann.
Schuldgefühle nach dem Verlust
Viele Pferdebesitzerinnen kämpfen nach dem Tod ihres Pferdes mit Schuld — hätte ich früher zum Tierarzt sollen, hätte ich mehr Zeit haben sollen, hätte ich anders entscheiden sollen? Diese Gefühle sind weit verbreitet und gehören zur Trauer dazu. Mehr zum stillen Schuldgefühl im Studien-Artikel Das stille Schuldgefühl.
Wann und wie wieder ein neues Pferd?
Eine der schwierigsten Fragen nach einem Verlust. Es gibt keine richtige Zeit. Manche Reiterinnen warten Jahre, manche kaufen schon nach Wochen. Beide Wege sind legitim — und beide haben ihre Risiken.
Schnell wieder ein Pferd zu nehmen kann gut funktionieren, wenn die Halterin die Stalllogistik vermisst, die Tagesstruktur fehlt, oder wenn ein zweites altes Pferd schon da war und nur der Hauptpartner ging. Es kann aber auch dazu führen, dass das neue Pferd unbewusst mit dem alten verglichen wird — und nie ganz das eigene Pferd werden darf. Eine Reiterin schreibt: "Ich habe drei Wochen nach Lottos Tod ein neues Pferd gekauft. Erst nach einem Jahr habe ich gemerkt, dass ich es nie wirklich angenommen habe. Es war immer der Ersatz."
Lange zu warten kann der Trauer den nötigen Raum geben — und der nächsten Beziehung den fairen Start. Es kann aber auch dazu führen, dass die Lücke immer schmerzhafter wird und der Wiedereinstieg schwieriger statt leichter. Was viele Reiterinnen in der Studie als Zwischenlösung beschreiben: eine Reitbeteiligung. Pferdezeit ohne den vollen Kauf-Schritt — gibt der Pferdewelt einen Wiedereinstieg, ohne sofortige Bindung.
Was hilft bei der Entscheidung: ehrlich auf sich selbst hören. Wenn der Gedanke an ein neues Pferd Freude weckt, ist es vielleicht Zeit. Wenn er Schuldgefühl auslöst — "ich kann doch nicht so schnell ersetzen" —, ist die Phase noch nicht durch. Beide Antworten sind richtig.
Was sagen Reiterinnen, die einen solchen Abschied schon hinter sich haben?
In den Freitext-Antworten der Studie haben viele Reiterinnen mit eigener Verlust-Erfahrung Worte gefunden, die anderen helfen können. Drei davon stehen stellvertretend für viele.
"Es wird nicht weniger. Es wird anders." Diese Aussage taucht in unterschiedlichen Formulierungen immer wieder auf. Trauer um ein Pferd verschwindet selten ganz — sie verändert ihre Form. Aus dem akuten Schmerz wird eine sanfte Wehmut, die mit der Zeit Freude an der Erinnerung beimischt. Das ist keine Heilung im Sinne von Vergessen. Es ist eine Veränderung, mit der sich gut leben lässt.
"Ich bereue nichts — außer dass ich nicht öfter einfach nur dabei war." Eine Reiterin formuliert das als Bilanz. Was Halterinnen oft im Nachhinein bereuen, sind nicht große Trainingsfehler oder Versäumnisse. Es ist die Hektik der Routine — die fehlenden Stunden, in denen sie einfach nur am Pferd gestanden, gestreichelt, geatmet hätten. Diese Erkenntnis ist vielleicht die wichtigste, die der Artikel mitgeben kann: das Pferd genießen, solange es da ist.
"Mein nächstes Pferd ist nicht der Ersatz. Es ist der Anfang einer neuen Geschichte." Diese Aussage einer Reiterin, die nach dem Verlust ein neues Pferd genommen hat, ist eine wichtige Klärung. Pferde sind nicht austauschbar. Aber Pferdebeziehungen können nebeneinander existieren — die alte als Erinnerung, die neue als gegenwärtige Beziehung. Beide haben Raum.
Wann ist professionelle Begleitung sinnvoll?
Trauer ist normal. Sie ist nicht eine Krankheit, die behandelt werden muss. Aber es gibt Punkte, an denen professionelle Begleitung sinnvoll wird — und es ist wichtig, das ehrlich anzusprechen, weil viele Pferdebesitzerinnen sich genieren, Hilfe zu suchen für die "Trauer um ein Tier".
Wenn die Trauer nach Monaten nicht weniger wird und Du nicht mehr in den Alltag findest. Wenn Du Schwierigkeiten hast zu schlafen, zu essen, zur Arbeit zu gehen — dann ist das nicht nur "normale Trauer", sondern ein Signal, dass Du Unterstützung brauchst. Hausärztin oder Hausarzt sind ein guter erster Anlaufpunkt; sie können einschätzen, ob ein psychotherapeutisches Gespräch sinnvoll ist.
Wenn Schuldgefühle dominieren. Viele Halterinnen fragen sich nach einem Verlust, ob sie etwas anders hätten machen sollen — früher zum Tierarzt, andere Entscheidung, mehr Zeit. Diese Fragen sind menschlich. Aber wenn sie zur Daueranklage gegen sich selbst werden, ist Begleitung sinnvoll. Niemand muss das allein durchstehen.
Wenn es spezialisierte Tier-Trauer-Begleitung gibt. In Deutschland gibt es inzwischen vereinzelt Beraterinnen, die sich auf Tier-Verlust spezialisiert haben — manche im Bereich der Tierheilpraxis, manche als Coaches, manche als Trauerbegleiterinnen mit Tier-Schwerpunkt. Diese Angebote sind nicht überall verfügbar, aber wer sie findet, profitiert oft davon, weil das Verständnis für die Tiefe der Tier-Mensch-Bindung mitgebracht wird.
Wichtig zu wissen: Hilfe zu suchen ist eine Stärke, keine Schwäche. Niemand erwartet, dass Du den Verlust eines geliebten Pferdes alleine durchstehst — und es gibt Menschen, die genau dafür da sind, mit Dir gemeinsam einen Weg zu finden.
Häufige Fragen zum Abschied vom Pferd
Wie gehen Pferdebesitzerinnen mit dem Gedanken an Verlust um?
38,5 Prozent akzeptieren bewusst und versuchen, daraus eine reifere Form der Beziehung zu machen. 26,4 Prozent verdrängen aktiv, 22,9 Prozent denken manchmal daran und manchmal nicht. Nur 8,7 Prozent reden aktiv mit Vertrauten darüber. Das Thema ist weitgehend ein inneres, kein Gemeinschaftsthema.
Was hilft in der akuten Phase?
Drei Hebel haben sich in den Studien-Antworten als hilfreich gezeigt: ein bewusster Abschied, wenn er möglich ist (auch nur eine letzte Putzeinheit), Vertraute, die die Tiefe der Pferdebeziehung verstehen, und kein Druck, sofort weiterzumachen. Kleine Rituale (Locke aufheben, Erinnerungs-Album, Spende an Gnadenhof) geben dem Verlust einen Rahmen.
Soll ich nach dem Verlust gleich ein neues Pferd nehmen?
Es gibt keine richtige Zeit. Schnell wieder ein Pferd zu nehmen kann gut funktionieren oder dazu führen, dass das neue mit dem alten verglichen wird. Lange zu warten gibt Trauer Raum, kann aber den Wiedereinstieg erschweren. Eine Reitbeteiligung als Zwischenlösung kann helfen. Entscheidend ist, ehrlich auf sich selbst zu hören.
Welche Rolle spielt die Stallgemeinschaft bei Verlust?
Eine zentrale. Stallkolleginnen, die das Pferd gekannt haben, können in der akuten Phase oft mehr trösten als Familienmitglieder, die das Pferd nur aus Erzählungen kannten. Eine gute Stallgemeinschaft trägt Halterinnen durch die Phase. Wer isoliert in einer Privatbox steht, ist oft schwerer aufgefangen.
Wann ist professionelle Begleitung sinnvoll?
Wenn die Trauer nach Monaten nicht weniger wird und Du nicht mehr in den Alltag findest, wenn Du Schwierigkeiten hast zu schlafen, zu essen oder zu arbeiten, oder wenn Schuldgefühle dauerhaft dominieren. Hausärztin oder Hausarzt sind ein guter erster Anlaufpunkt. Hilfe zu suchen ist eine Stärke, keine Schwäche.
Wo finde ich die vollständige Studie?
Auf der Hub-Seite zur RidersDeal Reitsport-Studie 2026 findest Du alle Auswertungen — Methodik, Demografie, Geld, Gesundheit, Training, Turniersport, Senior-Pferd, Medien und Emotion.
Was bleibt, wenn das Pferd geht: die Erfahrung, die Ruhe, die Beziehung. Der vorhergehende Studien-Artikel zeigt, was Pferde ihren Halterinnen geben — und warum es das wert ist.
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