Natural Horsemanship nach Parelli: Die Grundlagen erklärt


Natural Horsemanship nach Parelli ist eine Trainingsphilosophie, die das Miteinander von Mensch und Pferd grundlegend neu denkt - weniger Druck, mehr Dialog, und das Knotenhalfter als zentrales Kommunikationsmittel statt als Führungsinstrument. Immer mehr Reiterinnen in Deutschland entdecken die Parelli-Grundlagen als Einstieg in eine Bodenarbeit, die nicht nur das Pferd formt, sondern auch die eigene Wahrnehmung schärft. Laut RidersDeal Community Studie 2026 (n=3.515) betreiben bereits 55,8% der Reiterinnen Bodenarbeit als festen Bestandteil ihrer Woche - eine Zahl, die zeigt: Natural Horsemanship ist längst kein Randthema mehr.
Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Juni 2026
Was ist Natural Horsemanship nach Parelli?
Natural Horsemanship nach Pat Parelli ist eine Trainingsmethode, die auf der natürlichen Kommunikationsweise von Pferden aufbaut - ohne Zwang, ohne Schmerz, mit klar verständlichen Signalen. Das Ziel ist eine echte Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert und nicht auf Gehorsam durch Druck.
Das Parelli-System unterscheidet sich von vielen anderen Ansätzen durch seinen strukturierten Aufbau: sieben definierte Spiele, vier Lernebenen und ein klares Vokabular für die Kommunikation am Boden und im Sattel. Wer Natural Horsemanship nach Parelli lernt, lernt zuerst zuhören - dann erst zu sprechen. Das Pferd zeigt dabei ständig, ob der Mensch verstanden hat.
Laut RidersDeal Community Studie 2026 geben 22,8% der Reiterinnen an, dass die eigene Unsicherheit ihr größtes Trainingshindernis ist. Natural Horsemanship adressiert genau das: Es gibt dem Menschen ein klares System, das Schritt für Schritt aufgebaut werden kann - ohne teuren Trainer, ohne Hallenpflicht, ohne Zeitdruck.
Pat Parelli: Wer steckt hinter der Methode?
Pat Parelli entwickelte sein Natural Horsemanship System ab den 1980er-Jahren in den USA - inspiriert von den alten Vaquero-Traditionen Kaliforniens und von Kommunikations-Pionieren wie Tom und Bill Dorrance sowie Ray Hunt. Diese Männer hatten eine Fähigkeit, die Parelli in ein lernbares System übertrug: Sie konnten Pferde lesen wie ein Buch.
Parelli selbst ritt als Kind in einem Rodeo-Umfeld auf, lernte früh mit schwierigen Pferden umzugehen und begann Mitte der 1980er seine Methoden zu systematisieren. 1981 gewann er den Titel "World Champion Trick Rider" - doch entscheidender war, dass er die Technik hinter dem Umgang mit Pferden beschreiben und weitergeben konnte. Zusammen mit seiner Frau Linda baute er ab den 1990ern das heute weltweit bekannte Parelli Natural Horsemanship Programm auf.
Heute gibt es Parelli-zertifizierte Instruktoren in mehr als 40 Ländern. In Deutschland ist das Netz an Parelli-Trainern in den letzten zehn Jahren stark gewachsen - aber weil viele Reiterinnen keinen Instruktor in der Nähe finden oder sich Kurse nicht leisten können, wird Parelli besonders oft als Selbststudium betrieben, unterstützt von DVDs, Online-Kursen und einer aktiven Community.
Die 4 Säulen des Parelli-Programms
Das Parelli-Programm stützt sich auf vier Kernbereiche: die richtige Einstellung (Attitude), fundiertes Wissen (Knowledge), geeignete Werkzeuge (Tools) und ausreichend Zeit (Time) - zusammen das Akronym AKTT. Wer eine Säule vernachlässigt, wird auf Dauer nicht vorankommen.
| Säule | Bedeutung | Praktisch |
|---|---|---|
| Attitude | Einstellung, Geduld, Bereitschaft zu lernen | Fehler des Pferdes nie persönlich nehmen |
| Knowledge | Verständnis von Pferdenatur und Lerntheorie | Fluchttier-Instinkt verstehen und nutzen |
| Tools | Knotenhalfter, Carrot Stick, Trainings-Seil | Jedes Werkzeug hat eine klare Funktion |
| Time | Konsistenz über Wochen und Monate | Lieber täglich 15 Min. als einmal 2 Std. |
Besonders die Attitude-Säule unterscheidet Parelli von anderen Methoden: Wenn eine Übung nicht funktioniert, ist immer zuerst der Mensch gefragt, seine Kommunikation zu prüfen - nicht das Pferd zu korrigieren. Das klingt einfach, ist aber die größte innere Herausforderung für viele Reiterinnen, die Ergebnisse gewohnt sind.
Das Knotenhalfter ist das wichtigste Werkzeug im Natural Horsemanship - es verstärkt Signale durch Druckpunkte, die auf natürliche Reflexzonen des Pferdes wirken. Bei RidersDeal findest Du Knotenhalfter in verschiedenen Größen für Ponys bis Warmblut.
Alle Knotenhalfter ansehen ->Was sind die 7 Parelli-Spiele - und warum sind sie wichtig?
Die 7 Parelli-Spiele sind strukturierte Übungseinheiten, die das Pferd auf alle Situationen im Alltag und beim Reiten vorbereiten - von der Körperberührung über die Bewegung auf Distanz bis hin zum Durchreiten enger Passagen. Sie bauen aufeinander auf und werden auf drei Ebenen gesteigert: am Boden mit Seil, am Boden ohne Seil (Freiheit) und im Sattel.
- 1. Freundlichkeitsspiel: Das Pferd lernt, Berührungen und Objekte am ganzen Körper zu akzeptieren. Baut Vertrauen auf und reduziert Fluchtreflexe.
- 2. Stachelschwein-Spiel (Porcupine): Reaktion auf anhaltendem Druck. Das Pferd lernt, nachzugeben - die Basis aller Hilfen später im Sattel.
- 3. Treibspiel (Driving): Das Pferd reagiert auf Schwungimpulse, ohne direkte Berührung. Fördert Respekt auf Distanz.
- 4. Yo-Yo-Spiel: Das Pferd geht rückwärts und vorwärts auf Kommando - wichtig für Körperkontrolle und Balance.
- 5. Zirkusspiel (Circling): Das Pferd bewegt sich auf einem Kreis - entspricht dem Longieren, aber mit klarem Auftrag und Ende.
- 6. Seitwärtsspiel: Das Pferd tritt seitlich, ohne sich zu drehen. Fördert Lateralflexibilität und Körperbewusstsein.
- 7. Squeeze-Spiel: Das Pferd geht durch enge Passagen, unter Hindernissen durch oder über Objekte - Gelassenheit in der Enge.
Jedes der 7 Spiele spiegelt eine typische Situation aus dem natürlichen Pferdeleben: Dominanz, Flucht, Neugier, Vertrauen. Wer alle 7 Spiele souverän anwenden kann, kommuniziert in der Muttersprache des Pferdes - das ist das zentrale Versprechen der Parelli-Methode.
Welche Ausrüstung brauche ich für Natural Horsemanship?
Für den Einstieg in Natural Horsemanship nach Parelli reichen drei Grundwerkzeuge: ein Knotenhalfter, ein Führseil mit ca. 4,5 Meter Länge und ein Carrot Stick (Trainingsgerte mit Flagge) - mehr braucht es am Anfang nicht. Diese drei Werkzeuge ermöglichen alle 7 Parelli-Spiele auf Level 1 und 2.
Knotenhalfter: Das Herzstück des Parelli-Systems. Im Gegensatz zu gepolsterten Stallhalftern hat das Knotenhalfter gezielte Knoten, die auf natürliche Druckpunkte am Pferdekopf wirken. Dadurch ist die Kommunikation präziser - und kann bei guter Technik mit minimalstem Druck erfolgen. Das meistgekaufte Halfter bei RidersDeal aus dem Natural-Horsemanship-Bereich ist das Knotenhalfter aus der RidersChoice-Linie, das in vier Größen von Pony bis Warmblut verfügbar ist.
Führseil (Lead Rope): Ein weiches, geflochtenes Seil mit ca. 4,5 m Länge - die übliche Länge für die Parelli-Grundspiele am Boden. Kürzere Seile (wie normale Stallführstricke) reichen für die Treibspiele und das Zirkusspiel nicht aus. Bei Longierzubehör bei RidersDeal findest Du passende lange Leinen, die sich auch für NH-Übungen eignen.
Carrot Stick: Eine ca. 1,20 m lange Trainings-Gerte, meist mit einer Schnur (Savvy-String) am Ende. Der Carrot Stick verlängert die Körpersignale des Menschen und macht es möglich, auf Distanz zu kommunizieren. Er wird niemals zum Schlagen eingesetzt, sondern als Verlängerung des Arms.
Wie starte ich mit Parelli in Level 1?
Level 1 des Parelli-Programms beginnt am Boden und hat ein klares Ziel: Das Pferd ist sicher, respektvoll und willig - auch in unbekannten Situationen. Dafür werden die ersten vier Spiele (Freundlichkeitsspiel, Porcupine, Treib- und Yo-Yo-Spiel) täglich geübt, idealerweise in Einheiten von 15 bis 20 Minuten.
Eine bewährte Wochenroutine für Einsteigerinnen sieht so aus: An drei Tagen wird an einem Spiel gezielt gearbeitet, an zwei weiteren Tagen werden alle bisher gelernten Spiele in einer kurzen Sequenz wiederholt. Fortschritt entsteht nicht durch Länge der Einheit, sondern durch Konstanz über Wochen.
Wichtig für Level 1: Lerne zuerst, das Ende einer Übung zu belohnen - also den Moment, in dem das Pferd das Richtige tut. In der Parelli-Sprache heißt das "Reward the try" - schon ein kleines Nachgeben, ein Ohr, das kippt, oder ein Atemzug können den richtigen Moment markieren. Mit dieser Fähigkeit beschleunigt sich das Lerntempo des Pferdes dramatisch.
Natural Horsemanship nach Deiner Situation:
Freizeitreiterin
Natural Horsemanship ist ideal als Ergänzung zum Ausreiten - besonders das Freundlichkeits- und Squeeze-Spiel machen Pferde gelassener im Gelände. Einstieg mit Gelassenheitstraining für Pferde.
Turniersportlerin
Parelli-Bodenarbeit verbessert die Körperwahrnehmung und Einheitlichkeit der Hilfen. Besonders das Porcupine-Spiel trainiert die Sensibilisierung, die später unter dem Sattel gefragt ist.
Reitbeteiligung
Natural Horsemanship ist auch ohne Eigenbesitz erlernbar - viele Stallbesitzer schätzen es, wenn Reitbeteiligungen Bodenarbeit einbringen, weil es die Pferde ruhiger und fokussierter macht.
Was ist der Unterschied zwischen Parelli und klassischer Ausbildung?
Parelli Natural Horsemanship betont die Freiwilligkeit und innere Motivation des Pferdes - die klassische deutsche Reitlehre setzt auf Hilfen, Gehorsamkeit und eine aufbauende Gymnastizierende. Beides schließt sich nicht aus. Viele Reiterinnen nutzen Parelli-Bodenarbeit als Ergänzung zu ihrem klassischen Reitunterricht.
Der größte Unterschied liegt im Ausgangspunkt: Die klassische Ausbildung beginnt häufig damit, dem Pferd beizubringen, was es tun soll. Parelli beginnt damit, dem Pferd zu zeigen, dass der Mensch seine Sprache spricht. Das Ergebnis kann ähnlich aussehen - ein gleichmäßig longierendes, ruhig geführtes Pferd - aber der Weg dorthin fühlt sich für Pferd und Mensch unterschiedlich an.
Kritiker sehen in Parelli manchmal eine Vernachlässigung der gymnastizierende Reitlehre. Befürworter antworten, dass ein Pferd, das freiwillig mitmacht, leichter gymnaszitiert werden kann. Für Reiterinnen, die mit einem schwierigen oder ängstlichen Pferd arbeiten, kann Natural Horsemanship tatsächlich der schnellere Weg zu mehr Harmonie sein. Ergänzende Lektüre: Körpersprache beim Pferd verstehen.
Ist Natural Horsemanship das Richtige für mein Pferd?
Natural Horsemanship nach Parelli funktioniert grundsätzlich bei jedem Pferd - besonders bei scheuen, unsicheren oder bodenarbeitsmäßig unterentwickelten Pferden zeigt die Methode oft schnelle Erfolge. Auch Pferde, die aus schlechten Haltungssituationen kommen oder traumatische Erfahrungen gemacht haben, sprechen häufig gut auf den geduldigen, nicht-konfrontativen Ansatz an.
Weniger geeignet ist Parelli als alleiniges System für Pferde mit akuten gesundheitlichen Problemen oder für Reiterinnen, die kurzfristige Turnierergebnisse anstreben - hier greift die klassische Ausbildungsleiter schneller. Auch sollte man wissen: Natural Horsemanship ersetzt keine tierärztliche Diagnose, wenn Verhaltensauffälligkeiten auf Schmerzen hinweisen könnten.
Ein guter Einstieg ist immer das Freundlichkeitsspiel: Wenn Dein Pferd bereits bei diesem ersten Spiel kooperativ und entspannt reagiert, ist die Basis gut. Wenn es hingegen sehr aufgewühlt oder abweisend ist, zeigt das, dass genau hier Arbeit nötig ist - und genau das ist der Anfang der Parelli-Reise. Weiterführend: Longieren richtig lernen und Gelassenheitstraining Schritt für Schritt.
"Bei RidersDeal merkt man einfach, dass es eine Seite von Pferdemenschen für Pferdemenschen ist - immer die richtigen Produkte zur richtigen Zeit."
- Frederike Wolbers, @Justanotherhorseblog
Häufige Fragen zu Natural Horsemanship nach Parelli
Brauche ich unbedingt ein Knotenhalfter für Parelli?
Ja, das Knotenhalfter ist für die Parelli-Methode empfohlen, weil es präzisere Signale überträgt als ein gepolstertes Stallhalfter. Die Knoten sitzen auf Meridian-Punkten am Pferdekopf und erzeugen punktuellen Druck, der sofort nachlässt, sobald das Pferd nachgibt. Für die ersten Übungseinheiten reicht jedes gut sitzende Knotenhalfter - auf exakt die Parelli-Eigenmarke bist Du nicht angewiesen.
Kann ich Parelli auch ohne Kurs und Trainer lernen?
Grundsätzlich ja - das Parelli-System ist so aufgebaut, dass es über DVDs, Bücher und Online-Material selbst erlernt werden kann. Laut RidersDeal Community Studie 2026 gibt 21,1% der Reiterinnen an, keinen geeigneten Trainer in der Nähe zu finden - genau für diese Gruppe ist Parelli als Selbststudienprogramm attraktiv. Ein gelegentlicher Blick von einem erfahrenen Instructor hilft aber, blinde Flecken zu erkennen.
Was ist der Unterschied zwischen Natural Horsemanship und normaler Bodenarbeit?
Bodenarbeit ist ein Oberbegriff für jede Trainingsarbeit ohne Reiten - dazu zählen Longieren, Handarbeit, Freiarbeit und auch Natural Horsemanship. Parelli ist eine spezifische Methode innerhalb der Bodenarbeit mit eigenem Vokabular (7 Spiele, 4 Lernebenen) und klarem Philosophiegerüst. Nicht jede Bodenarbeit ist Natural Horsemanship - aber Natural Horsemanship ist immer auch Bodenarbeit.
Ist Natural Horsemanship tierschutzkonform?
Das Parelli-System selbst ist auf konsequente Gewaltfreiheit ausgerichtet. In der Praxis kommt es - wie in jeder Trainingsmethode - auf die Umsetzung an. Wer das System korrekt anwendet, wird Druck immer nur so lange einsetzen, bis das Pferd nachgibt, und sofort belohnen. Problematisch wird es, wenn Techniken ohne ausreichendes Verständnis angewendet werden - das gilt aber für jede Trainingsform.
Ab welchem Alter kann ich mit einem Pferd Parelli beginnen?
Natural Horsemanship nach Parelli eignet sich für Fohlen (ab dem ersten Lebensjahr) genauso wie für alte Pferde. Bei Jungpferden wird ausschließlich am Boden gearbeitet - das Reitprogramm beginnt erst, wenn das Pferd körperlich bereit ist. Für Senioren, die nicht mehr geritten werden können, kann Parelli-Bodenarbeit eine sinnvolle und schonende Beschäftigung bleiben.
Starte mit der richtigen Ausrüstung: Knotenhalfter, Führseil und Longierbedarf für Natural Horsemanship findest Du bei RidersDeal.
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