Pferd aufstollen: Ursachen, Vorbeugung und was wirklich hilft


Pferd aufstollen ist eines der häufigsten Verletzungsrisiken im Stallalltag: Das Hinterbein trifft auf den Fesselkopf oder den Hufrand des Vorderbeins - oft unbemerkt, bis die Haut aufreißt oder das Pferd lahmt. Wer die Ursachen kennt, kann gezielt vorbeugen und weiß, was im Ernstfall zu tun ist.
Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Mai 2026
Was bedeutet aufstollen beim Pferd?
Aufstollen beschreibt das Abgreifen oder Auftreten des Hinterbeins auf das Vorderbein - typischerweise auf den Fesselkopf, den Kronrand oder den Hufballen. Dabei kann Haut abgeschürft, aufgerissen oder bei beschlagenen Pferden sogar tief verletzt werden.
Das Wort kommt von den Hufeisenstollen: Mit Stollen beschlagene Pferdehufe greifen beim aufstollen besonders tief in das Gewebe des Vorderbeins ein - deswegen ist der Begriff vor allem im Turnier- und Geländereiten bekannt. Barhufe oder Eisen ohne Stollen können zwar auch aufstollen, richten dabei aber in der Regel weniger Schaden an.
Am häufigsten betroffen ist der Fesselkopf vorne, etwas seltener der Hufballen oder der Kronrand. In schweren Fällen können Sehnen oder tiefere Gewebeschichten in Mitleidenschaft gezogen werden.
Was sind die häufigsten Ursachen fürs aufstollen?
aufstollen hat selten nur eine einzige Ursache - meistens treffen mehrere Faktoren zusammen. Die häufigsten sind Erschöpfung, unvorteilhafte Exterieurmerkmale und falsches Schuhwerk.
Ermüdung ist der häufigste Auslöser: Wenn Muskeln erschöpfen, verändert sich der Bewegungsablauf, die Hinterbeine greifen weiter vor als gewöhnlich - und treffen auf das Vorderbein. Besonders häufig passiert das am Ende einer langen Trainingseinheit, beim Geländereiten bergab oder in unwegsamem Gelände.
Konformation spielt ebenfalls eine Rolle: Pferde mit viel Schub, enger Stellung oder langen Fesselgelenken sind anfälliger. Auch Gangveränderungen durch Arthrose, Verspannungen oder Stellungsfehler erhöhen das Risiko.
Weitere typische Ursachen auf einen Blick:
- Weiches, nachgebendes Gelände (Weide, Sandpaddock nach Regen)
- Bergabpassagen im Gelände
- Zu langer Huf oder falsche Beschlagsform
- Pferd ist unfit oder nach langer Pause wieder im Training
- Seniorenpferde mit nachlassender Hinterhandkraft
- Fehlende oder abgenutzte Hufglocken beim beschlagenen Pferd
Laut RidersDeal Community Studie 2026 (n=3.515) besitzen 37% der befragten Reiterinnen ein Pferd im Alter von 16+ Jahren. Gerade bei Seniorenpferden lohnt es sich, das aufstoll-Risiko aktiv zu managen - Hinterhandkraft und Koordination nehmen mit dem Alter ab.
Was hilft gegen aufstollen beim Pferd?
Die wirksamste Kombination gegen aufstollen ist mechanischer Schutz durch Hufglocken plus angepasstes Training - beides zusammen reduziert das Risiko deutlich besser als jede Einzelmaßnahme.
Sofortmaßnahmen und dauerhafte Prävention im Überblick:
- Hufglocken anlegen - besonders bei beschlagenen Pferden und Geländeeinsatz unverzichtbar
- Trainingsbelastung anpassen - Einheiten verkürzen, wenn das Pferd müde ist
- Schmied konsultieren - falscher Beschlag oder zu langer Huf verstärkt das Abgreifen
- Konditionstraining aufbauen, besonders Hinterhandgymnastik (Cavalettis, Übergänge)
- Bergabpassagen langsam und aufmerksam gehen, Tempo kontrollieren
- Weicher Untergrund nach Regen meiden oder nur Schritt reiten
Beim Pferd mit Abgreiftendenz lohnt außerdem ein Blick auf das passende Modell: Bei RidersDeal findest Du Hufglocken aus Gummi, Neopren und mit Schafwollfutter für besonders empfindliche Fesselköpfe.
Hufglocken gehören zu den günstigsten, aber wirksamsten Schutzmaßnahmen gegen aufstollen. Bei RidersDeal findest Du eine breite Auswahl - von einfachen Gummimodellen bis hin zu gepolsterten Varianten mit Kunstschaflammfell.
Hufglocken entdecken ->Schützen Hufglocken das Pferd wirklich vor dem aufstollen?
Ja - Hufglocken sind die direkteste und schnellste Maßnahme gegen aufstollen: Sie sitzen genau an der Stelle, die das Hinterbein am häufigsten trifft, und puffern den Aufprall ab.
Hufglocken schützen den Bereich von Fesselkopf bis Kronrand rundum. Bei beschlagenen Pferden mit Stollen sind sie kein Nice-to-have, sondern Pflicht - die Stollen können sonst tiefe, schlecht heilende Wunden reißen. Selbst bei barhufen Pferden mit Abgreiftendenz schaffen sie eine zusätzliche Schutzschicht, die Abschürfungen verhindert.
| Typ | Vorteil | Bester Einsatz |
|---|---|---|
| Gummi-Hufglocke | Günstig, robust, leicht zu reinigen | Alltag, Training |
| Neopren-Hufglocke | Weich, scheuerfrei, gute Dämpfung | Empfindliche Fesselköpfe, Winter |
| Lammfell-Hufglocke | Extra weich, schont gereizte Haut | Nach Wunden, bei Scheuerproblemen |
| Open-Front-Hufglocke | Vorne offen, erlaubt Bodenkontaktgefühl | Gelände, Turniersport |
Wichtig: Hufglocken immer nach dem Reiten abnehmen und kontrollieren. Feuchtigkeit unter der Glocke kann auf Dauer Mauke oder Scheuerstellen begünstigen.
Kann ein Pferd ohne Eisen aufstollen?
Ja - auch barhuf gehende Pferde können aufstollen, allerdings mit deutlich geringerem Verletzungsrisiko, weil kein hartes Metall auf das Gewebe trifft.
Der Hornhuf ist weicher als ein Hufeisen und verursacht bei Kontakt mit dem Vorderbein in erster Linie Abschürfungen oder Prellungen - keine tiefen Wunden wie Stollen. Das bedeutet nicht, dass man das Thema als Barhufpferd-Besitzerin ignorieren sollte: Wiederholtes aufstollen kann auch ohne Eisen auf Dauer das Gewebe am Fesselkopf schädigen und zu chronischen Reizungen führen.
Für das Barhufpferd mit Abgreiftendenz empfiehlt sich ebenfalls eine Hufglocke - hier genügen meist günstigere Modelle aus Gummi oder Neopren, da der Schutz nur gegen Abschürfung und nicht gegen Metallkanten nötig ist. Auch regelmäßige Hufpflege und korrekter Hufbearbeitung senkt das Abgreifrisiko beim Barhuf deutlich.
Was tun, wenn das Pferd sich aufgestollt hat?
Nach dem aufstollen gilt: Ruhe bewahren, Wunde versorgen und Tiefe der Verletzung einschätzen. Oberflächliche Wunden heilen mit einfacher Wundpflege gut ab - tiefe Verletzungen am Fesselkopf erfordern den Tierarzt.
Erste Schritte nach dem aufstollen:
- Pferd absteigen, betroffenen Bereich inspizieren
- Wunde mit klarem Wasser oder Wundreinigungsmittel spülen
- Blutung kontrollieren - leichte Abschürfungen bluten kaum, tiefe Wunden können stark bluten
- Wunde mit antiseptischer Salbe oder Spray versorgen
- Pferd auf Lahmheit prüfen - kurze Schrittrunden auf harter Bahn
- Bei Lahmheit, tiefer Wunde oder Schwellung: Tierarzt kontaktieren
Besonders riskant sind Stichverletzungen durch Stollen in der Nähe des Fesselgelenks - hier besteht die Gefahr einer Gelenkbeteiligung, die ohne tierärztliche Behandlung lebensbedrohlich werden kann. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel anrufen als zu wenig.
Welche Ausrüstung schützt das Pferd zusätzlich vor aufstollen?
Neben Hufglocken gibt es weitere Schutzmaßnahmen, die sinnvoll kombiniert werden können - je nach Einsatzbereich und Risikoprofil des Pferdes.
Gamaschen für die Vorderbeine schützen den Fesselkopf- und Unterschenkelbereich zusätzlich und sind besonders im Geländereiten und Springtraining Standard. Sie bieten mechanischen Schutz nicht nur gegen aufstollen, sondern auch gegen Hindernisse, Steine und Schenkeldruck.
Fesselkopfgamaschen sind eine gezieltere Alternative: Sie schützen ausschließlich den Fesselkopfbereich und sind leichter und luftiger als Vollgamaschen - ideal für Pferde, die nur an dieser einen Stelle gefährdet sind.
Die richtige Kombination hängt vom Einsatzzweck ab: Für tägliches Training auf der Reitbahn können Hufglocken allein ausreichen. Für Geländeausritte oder anspruchsvolles Springtraining empfiehlt sich Hufglocke plus Gamaschen für Pferde bei RidersDeal.
Wann sollte man Schmied oder Tierarzt einschalten?
Häufiges oder wiederkehrendes aufstollen ist ein Signal, dass etwas im System nicht stimmt - und dann braucht es Fachkenntnis, nicht nur mehr Schutzausrüstung.
Den Hufschmied einschalten, wenn das Pferd regelmäßig aufstollt, obwohl der Beschlag noch nicht fällig wäre - das kann auf eine zu lange Zehe, falsche Ballung oder eine unpassende Beschlagsform hinweisen. Ein erfahrener Schmied kann durch korrigierten Beschlag (z.B. Rollmesser, angepasste Stollensetzung) das Bewegungsmuster erheblich verbessern.
Den Tierarzt einschalten, wenn das Pferd nach dem aufstollen lahmt, eine Schwellung am Fesselgelenk zeigt, die Wunde tiefer als Haut und Unterhaut reicht oder sich trotz Pflege entzündet. Außerdem sollte bei einem Pferd, das plötzlich häufiger aufstollt ohne erkennbaren Grund, eine neurologische oder orthopädische Untersuchung erfolgen - Koordinationsprobleme können Zeichen systemischer Erkrankungen sein.
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- Anna-Lena Humpert, @Nordponys_FloKali
Häufige Fragen: aufstollen beim Pferd
Schützt Huffett das Pferd vor dem aufstollen?
Nein - Huffett pflegt den Huf und das Hufhorn, bietet aber keinen mechanischen Schutz gegen aufstollen. Für Schutz gegen aufstollen braucht es Hufglocken oder Gamaschen.
Wie kann man das aufstollen beim Pferd verhindern?
Am wirksamsten ist die Kombination aus Hufglocken anlegen, Trainingsbelastung anpassen und regelmäßigen Schmiedeterminen. Zusätzlich helfen Konditionstraining für die Hinterhand sowie bewusstes Reiten auf schwerem oder bergigem Gelände.
Ist aufstollen beim Pferd gefährlich?
Leichtes aufstollen ohne offene Wunde ist unangenehm, aber nicht unmittelbar gefährlich. Gefährlich wird es, wenn Stollen tiefe Wunden in Gelenknähe reißen - dort besteht das Risiko einer Gelenkinfektion, die ohne schnelle tierärztliche Behandlung lebensbedrohlich werden kann.
Was tun gegen ein aufstollendes Pferd auf der Weide?
Auf der Weide sind Hufglocken eine einfache und kostengünstige Lösung. Bei sehr nassem, tiefem Boden steigt das Risiko - dann kann es sinnvoll sein, das Pferd temporär auf einer festeren Fläche zu halten oder die Vorderbeine mit Gamaschen zu schützen.
Hufglocken, Gamaschen und Fesselkopfschutz für alle Einsatzbereiche findest Du bei RidersDeal - von günstig bis Premium, mit und ohne Lammfellfutter.
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