Hackamore: Der große Ratgeber zu Wirkung, Typen und Passform


Ein Hackamore ist ein gebissloses Zaumzeug, das über Nasenrücken, Kinngrube und Genick auf das Pferd einwirkt - und damit zu den am häufigsten unterschätzten Zäumungen im Reitsport zählt. Richtig verschnallt und mit ruhiger Hand geritten wirkt es fein über klar definierte Druckpunkte am Pferdekopf. Falsch sitzend oder mit grober Hand bewegt wird aus dem Hackamore eine harte Hebelzäumung. In diesem Ratgeber von RidersDeal zeigen wir Dir, wie ein Hackamore funktioniert, welche Typen es gibt, ob es wirklich scharf ist und wann der Umstieg vom Gebiss Sinn ergibt - mit Daten aus der RidersDeal Reitsport-Studie 2026 und klaren Antworten auf die häufigsten Community-Fragen.
Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Oktober 2026
Was ist ein Hackamore - und wie unterscheidet es sich von einer Trense?
Ein Hackamore ist ein gebissloses Zaumzeug mit Nasenriemen, Kinnkette und seitlichen Anzügen. Es wirkt über Hebelkraft auf Nasenrücken, Kinngrube und Genick - ohne jedes Metall im Pferdemaul. Damit gehört es zur Gruppe der gebisslosen Zäumungen und unterscheidet sich grundlegend von einer klassischen Trense, die über ein Mundstück einwirkt.
Während eine Trense über Zungen- und Lefzendruck wirkt, verlagert das Hackamore die Einwirkung komplett nach außen auf den Pferdekopf. Das macht es für Pferde interessant, die auf Gebissdruck empfindlich reagieren, Zahnprobleme haben oder im Freizeitbereich entspannt gearbeitet werden sollen. Verwechsle das Hackamore aber nicht mit einem einfachen Halfter - die Hebelwirkung macht aus dem Hackamore eine echte Zäumung mit klarer Einwirkung.
Laut unserer WhatsApp-Community-Umfrage reiten rund 88 % der Reiterinnen mit Gebiss, 56 % davon mit einer doppelt gebrochenen Wassertrense. Die Minderheit, die gebisslos reitet, greift besonders häufig zu Hackamore, Sidepull oder Kappzaum - je nach Ausbildungsstand von Pferd und Reiterin.
Welche Hackamore-Typen gibt es?
Die drei verbreitetsten Hackamore-Typen sind das Englische Hackamore mit kurzen Anzügen, das Mechanische Hackamore (S-Hackamore) mit langen Hebelarmen und das klassische Bosal aus der Westernreiterei. Jeder Typ hat ein eigenes Hebelverhältnis - und damit eine völlig andere Einwirkung.
Das Englische Hackamore hat kurze, gerade Anzüge und wirkt vergleichsweise moderat. Es eignet sich für den Einstieg in das gebisslose Reiten und für Pferde, die freundlich auf Nasendruck reagieren. Das Mechanische Hackamore, oft S-Hackamore genannt, hat deutlich längere, geschwungene Anzüge - der Hebel ist entsprechend stärker. Es wird häufig im Western- und Freizeitreiten eingesetzt, verlangt aber eine sehr ruhige, geübte Hand. Das Bosal ist ein geflochtenes Rohlederseil ohne Metallanzüge und arbeitet rein über Nasenseildruck. In der klassischen Westernausbildung dient es als Übergang zwischen Jungpferdearbeit und Kandare.
| Typ | Hebelwirkung | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| Englisches Hackamore | gering bis mittel, kurze Anzüge | Freizeit, Umstieg vom Gebiss |
| Mechanisches Hackamore (S-Hackamore) | stark, lange geschwungene Anzüge | fortgeschritten, Western, Gelände |
| Bosal | ohne Hebel, nur Nasenseildruck | Western, Jungpferdeausbildung |
Preislich bewegen sich einfache Englische Hackamore im Bereich von rund 40 bis 80 Euro, hochwertige Lederausführungen und S-Hackamore bekannter Marken wie Sprenger, Barefoot oder Zilco liegen zwischen 100 und 250 Euro. Ein handgeflochtenes Bosal kann je nach Verarbeitung schnell dreistellige Beträge erreichen.
Wie wirkt ein Hackamore am Pferd?
Das Hackamore wirkt über drei Druckpunkte: Nasenrücken, Kinngrube durch die Kinnkette und Genick durch die Hebelverstärkung über die Anzüge. Je länger die Anzüge, desto größer die Hebelkraft - und desto feiner muss die Reiterhand sein.
Nimmst Du die Zügel an, kippen die Anzüge nach hinten. Der Nasenriemen wird nach unten gezogen, die Kinnkette von unten gegen die empfindliche Kinngrube gedrückt und zeitgleich das Genick von oben belastet. Das Pferd soll auf diesen gleichzeitigen Druck mit Nachgeben in der Ganasche und Durchlässigkeit reagieren - genau wie bei einem Gebiss, nur eben ohne Metall im Maul.
Wichtig: Der Nasenrücken des Pferdes ist eine knöcherne, sehr dünnwandige Partie mit darunterliegenden Nervenästen. Dauerhafter oder zu harter Druck kann Schmerzen verursachen und im Extremfall das Nasenbein schädigen. Ein korrekt eingesetztes Hackamore kann die feine Kommunikation zwischen Hand und Pferd fördern - erfordert aber Ausbildung auf beiden Seiten.
Ist ein Hackamore scharf oder sanft?
Ein Hackamore ist nicht grundsätzlich scharf, kann aber durch lange Anzüge, dünne Nasenriemen und harte Hände zur sehr scharfen Zäumung werden. Entscheidend sind drei Faktoren: Hebelverhältnis, Polsterung des Nasenriemens und die reiterliche Einwirkung.
Ein Englisches Hackamore mit breitem, gut gepolstertem Nasenriemen und kurzen Anzügen wirkt in geübter Hand sehr fein. Ein S-Hackamore mit 20 cm langen Anzügen und dünnem Lederriemen vervielfacht dagegen jeden Zügelimpuls - der Nasendruck kann in diesem Fall ein Vielfaches dessen betragen, was eine normale Wassertrense am Maul erzeugt. Die oft gehörte Aussage "Hackamore ist sanfter als jedes Gebiss, weil kein Metall im Maul liegt" ist in dieser Pauschalität falsch.
Faustregel: Je länger der Anzug und je dünner der Nasenriemen, desto schärfer das Hackamore. Für den Einstieg sind kurze Anzüge und ein breiter, gepolsterter Nasenriemen die sichere Wahl.
Welches Hackamore zu Dir und Deinem Pferd passt, hängt stark von Ausbildung, Einsatzzweck und Pferdetyp ab. Bei RidersDeal findest Du Englische Hackamore, S-Hackamore und passende Zäumungen zum direkten Vergleich.
Wann reitest Du mit Hackamore - und wann besser nicht?
Ein Hackamore eignet sich, wenn Pferd und Reiterin bereits sicher am Gebiss ausgebildet sind, das Pferd Zahnprobleme hat oder im Freizeit- und Geländebereich eine Alternative zum Metallgebiss gesucht wird. Für Jungpferde, unerfahrene Reiterinnen oder im Dressurviereck ist es nicht die erste Wahl.
Besonders häufig greifen Reiterinnen aus den folgenden Situationen zum Hackamore:
- Pferde mit Zahnproblemen, Maulverletzungen oder Zahnwechsel
- Senioren und Freizeitpferde, bei denen Gebissdruck nicht mehr sinnvoll ist (23,5 % der Pferde in der RidersDeal Reitsport-Studie 2026 sind 18+ Jahre alt)
- Entspanntes Ausreiten im Gelände, bei dem das Pferd am langen Zügel laufen soll
- Pferde mit sehr empfindlichen Lefzen oder Zungenproblemen
- Als Wechsel-Zäumung neben dem Gebiss, um Abwechslung ins Training zu bringen
Nicht geeignet ist das Hackamore für Jungpferde ohne solide Grundausbildung, für sehr nervöse Pferde, die bei Nasendruck panisch werden können, und für den Turniereinsatz im klassischen Dressursport - dort ist es nach LPO nicht zugelassen. Im Freizeit- und Westernbereich sowie im Wander- und Distanzreiten ist das Hackamore dagegen etabliert. Wer das Thema gebissloses Reiten weiter vertiefen möchte, findet in unserem Ratgeber zum Halsring den nächsten logischen Schritt in Richtung freies Reiten.
Wie sitzt ein Hackamore richtig?
Der Nasenriemen des Hackamore liegt ca. drei bis vier Finger breit unterhalb des Jochbeins - deutlich oberhalb der weichen Nasenknorpel, aber nicht zu hoch auf dem Nasenbein. Die Kinnkette muss glatt in der Kinngrube liegen und zwei Finger zwischen Kette und Ganasche zulassen.
Diese Punkte musst Du beim Verschnallen prüfen:
- Nasenriemen-Position: drei bis vier Finger unter dem Jochbein, nie auf dem weichen Nasenknorpel
- Weite Nasenriemen: zwei Finger zwischen Riemen und Nasenrücken passen locker durch
- Kinnkette: glatt gedreht, flach anliegend, zwei Finger Platz in Ruhestellung
- Genickstück: hinter den Ohren bequem anliegend, nicht auf die Ohrmuschel drückend
- Backenstücke: auf beiden Seiten gleich lang verschnallt, Anzüge hängen senkrecht
- Zügelposition: Zügel am untersten Ring der Anzüge für die stärkste, am mittleren für die mildeste Einwirkung
Ein guter Stirnriemen und sauber angepasste Backenstücke verhindern, dass das Hackamore beim Reiten verrutscht. Prüfe die Passform regelmäßig - gerade im Fellwechsel oder nach einer Trainingspause kann sich die Form des Pferdekopfes verändern.
Hackamore oder Sidepull - was ist der Unterschied?
Der entscheidende Unterschied: Ein Hackamore wirkt über Hebelkraft auf Nasenrücken, Kinn und Genick. Ein Sidepull wirkt ohne Hebel seitlich auf den Nasenriemen - mehr vergleichbar mit einem festen Reithalfter als mit einer echten Zäumung.
Beim Sidepull sind die Zügelringe direkt seitlich am Nasenriemen befestigt. Zieht die Reiterin an einem Zügel, wird der Pferdekopf zur Seite gedreht - ohne Hebelverstärkung, ohne Druck im Genick. Das macht das Sidepull zum typischen Einstiegsgerät für den Umstieg vom Gebiss, besonders bei Jungpferden und sehr empfindlichen Pferden. Allerdings ist die Einwirkung weniger präzise für seitliche Impulse im feineren Training.
Das Hackamore ist dagegen eher ein Werkzeug für fortgeschrittene Pferd-Reiter-Paare, die klare Impulse auf kurzem Weg brauchen - etwa im zügigen Gelände oder in der Westernarbeit. Für den sanften Einstieg ins gebisslose Reiten eignet sich das Sidepull, für die feinere Kommunikation mit ausgebildetem Pferd das Hackamore. Weitere Zubehör-Tipps rund um Zäumung und Ausrüstung findest Du in unserem Reitzubehör-Ratgeber.
"Bei RidersDeal merkt man einfach, dass es eine Seite von Pferdemenschen für Pferdemenschen ist: Immer nahbar, persönlich und mit den Produkten, die man wirklich braucht."
- Frederike Wolbers, @Justanotherhorseblog
"RidersDeal ist meine erste Anlaufstelle, weil es immer tolle Deals gibt und man einfach alles rund um den Reitsport findet, so muss man nicht bei 10 Anbietern gleichzeitig bestellen."
- Anna-Lena Humpert, @Nordponys_FloKali
Häufige Fragen zum Hackamore
Was ist ein Hackamore?
Ein Hackamore ist ein gebissloses Zaumzeug mit Nasenriemen, Kinnkette und seitlichen Anzügen. Es wirkt über Hebelkraft auf Nasenrücken, Kinngrube und Genick - ohne Mundstück im Pferdemaul.
Ist ein Hackamore scharf?
Ein Hackamore ist nicht grundsätzlich scharf, kann aber durch lange Anzüge, dünne Nasenriemen oder harte Hände deutlich schärfer werden als eine normale Trense. Entscheidend sind Hebelverhältnis, Polsterung und reiterliche Einwirkung.
Wie scharf ist ein Hackamore?
Die Schärfe hängt direkt von der Anzugslänge ab. Ein Englisches Hackamore mit kurzen Anzügen wirkt moderat, ein S-Hackamore mit langen geschwungenen Anzügen vervielfacht jeden Zügelimpuls und kann sehr scharf wirken.
Was bringt ein Hackamore?
Ein Hackamore ermöglicht gebissloses Reiten mit klarer Hilfengebung. Es ist eine Alternative bei Zahnproblemen, Maulempfindlichkeit und im Freizeitreiten - und kann die Kommunikation zwischen Hand und Pferd neu kalibrieren.
Welche Wirkung hat ein Hackamore?
Das Hackamore wirkt gleichzeitig auf drei Druckpunkte: Nasenrücken durch den Nasenriemen, Kinngrube durch die Kinnkette und Genick durch die Hebelanzüge. Das Pferd soll auf diesen Druck mit Nachgeben und Durchlässigkeit reagieren.
Ist ein Hackamore gut oder schlecht?
Ein Hackamore ist weder grundsätzlich gut noch schlecht - es kommt auf richtige Passform, Hebelverhältnis und reiterliche Hand an. Für ausgebildete Pferd-Reiter-Paare ist es ein feines Werkzeug, in ungeübter Hand kann es Schmerzen verursachen.
Wann reitet man mit Hackamore?
Mit Hackamore wird typischerweise im Freizeit- und Geländereiten, in der Westernausbildung sowie bei Pferden mit Zahnproblemen oder Maulverletzungen geritten. Im klassischen Dressursport ist das Hackamore nach LPO nicht zugelassen.
Wie wirkt ein Hackamore?
Beim Zügelanziehen kippen die Anzüge nach hinten, der Nasenriemen zieht nach unten, die Kinnkette drückt von unten gegen die Kinngrube und das Genickstück belastet den Nacken. Diese drei Druckpunkte wirken gleichzeitig.
Wie sitzt ein Hackamore richtig?
Der Nasenriemen liegt drei bis vier Finger unterhalb des Jochbeins auf dem knöchernen Nasenrücken, nie auf dem weichen Nasenknorpel. Die Kinnkette liegt glatt in der Kinngrube, zwei Finger passen in Ruhestellung dazwischen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Hackamore und einem Sidepull?
Ein Hackamore wirkt über Hebelkraft auf Nasenrücken, Kinn und Genick. Ein Sidepull wirkt ohne Hebel seitlich am Nasenriemen - vergleichbar mit einem festen Reithalfter. Das Sidepull ist milder und für den Einstieg ins gebisslose Reiten besser geeignet.
Englisches Hackamore, S-Hackamore oder lieber eine klassische Trense zum Vergleich? Bei RidersDeal findest Du passende Zäumungen für jedes Ausbildungsniveau.
Ausgezeichnet als Top Shop 2024 & 2026 von COMPUTER BILD & Statista in der Kategorie Freizeit, Spiel und Hobby. Zur Auszeichnung 2026