GOT-Reform: Was Pferdehalter jetzt über Tierarztkosten wissen müssen

Seit der Reform der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) im November 2022 zahlen Pferdehalterinnen und Pferdehalter in Deutschland für viele Behandlungen deutlich mehr als zuvor. Routineuntersuchungen, Impfungen, Zahnbehandlungen - die Kosten sind in Teilen um 100 bis 300 Prozent gestiegen. In unserer RidersDeal-Community berichten viele Reiterinnen, dass sie die neuen Rechnungen zunächst kaum einordnen konnten. Dieser Ratgeber erklärt, was die GOT-Reform bedeutet, wie Tierarztkosten jetzt berechnet werden, und wie Du Dein Budget realistisch planst.

Was ist die GOT - und was hat sich geändert?

Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ist eine bundesweit geltende Rechtsverordnung, die festlegt, wie viel ein Tierarzt für seine Leistungen berechnen darf. Sie gilt für alle niedergelassenen Tierärzte in Deutschland und definiert für jede Leistung einen sogenannten Einfachsatz - den niedrigsten zulässigen Betrag. Darüber hinaus darf der Tierarzt unter bestimmten Bedingungen das Zwei-, Drei- oder Vierfache dieses Satzes berechnen.

Die Reform trat im November 2022 in Kraft und war die erste grundlegende Überarbeitung seit über 20 Jahren. Die alten Sätze stammten aus dem Jahr 1999 - Löhne, Mieten, Materialkosten und Technik hatten sich seitdem erheblich verändert. Die Bundesregierung und die Bundestierärztekammer begründeten die Anpassung damit, dass viele Tierarztpraxen unter den alten Sätzen wirtschaftlich nicht mehr kostendeckend arbeiten konnten.

Für Pferdehalterinnen bedeutet das konkret: Viele Leistungen, die früher als günstig galten, sind heute spürbar teurer. Gleichzeitig gibt die neue GOT mehr Transparenz - wer eine Rechnung genau liest, kann heute viel besser nachvollziehen, wofür er zahlt.

GOT-Sätze erklärt: 1-fach bis 4-fach

Der Kern der GOT ist das Stufensystem. Für jede Leistung gibt es einen Einfachsatz (1-fach), der den Mindestwert darstellt. Der Tierarzt kann diesen Satz mit einem Faktor multiplizieren - je nach Aufwand, Schwierigkeitsgrad, Tageszeit und anderen Kriterien. Das sind die vier Stufen:

GOT-Faktorensystem: Wann gilt welcher Satz?
Faktor Bezeichnung Typischer Anlass
1-fach Einfachsatz Routinebehandlung, einfache Untersuchung unter normalen Bedingungen
2-fach Doppelter Satz Erhöhter Aufwand, schwieriges Tier, besondere Umstände
3-fach Dreifacher Satz Nachtbesuche (zwischen 18 und 22 Uhr sowie 6 und 8 Uhr), besonders hoher Aufwand
4-fach Vierfacher Satz Nacht (22 bis 6 Uhr), Sonn- und Feiertage, außergewöhnlich hoher Aufwand

Der Regelfall für eine normale Praxisbehandlung ist der 2-fache Satz - nicht der 1-fache, wie viele Pferdehalterinnen irrtümlich annehmen. Der 1-fache Satz ist gesetzlich als Untergrenze definiert und kommt in der Praxis selten vor. Der sogenannte "mittlere" oder "durchschnittliche" Gebührensatz liegt laut GOT beim 2-fachen Wert. Auf Rechnungen wird dieser Faktor explizit ausgewiesen - das ist seit 2022 Pflicht.

Was kostet was? Typische Behandlungen im Überblick

Die folgenden Richtwerte basieren auf den aktuellen GOT-Sätzen (Stand 2024) und gelten für den 2-fachen Satz, der bei Praxis- oder Stallbesuchen üblich ist. Hinzu kommen Anfahrtskosten, die ebenfalls nach GOT berechnet werden. Die tatsächliche Rechnung hängt immer vom jeweiligen Aufwand und den Einzelpositionen ab.

Orientierungswerte häufiger Behandlungen (2-facher GOT-Satz, ohne Anfahrt)
Behandlung Orientierungswert Hinweis
Allgemeine Untersuchung 40-70 EUR je nach Umfang
Impfung (inkl. Untersuchung) 60-100 EUR Impfstoffkosten extra
Zahnbehandlung (einfach) 80-150 EUR ohne Sedierung
Zahnbehandlung (mit Sedierung) 200-350 EUR Sedierung und Material extra
Lahmheitsuntersuchung 150-400 EUR je nach Aufwand und Bildgebung
Kolikbehandlung (unkompliziert) 200-500 EUR Nachtkolik: deutlich teurer
Ankaufsuntersuchung (AKU) 300-600 EUR je nach Umfang und Röntgen
Anfahrt (erste 2 km) 20-40 EUR je nach Entfernung und Tageszeit

Laut der CAVALLO-Leserbefragung 2025 geben Pferdehalterinnen im Durchschnitt 2.104 Euro pro Jahr für Tierarztkosten aus - ein Wert, der durch die GOT-Reform weiter gestiegen ist. Gleichzeitig haben laut derselben Befragung nur 25 Prozent der Befragten eine Krankenversicherung für ihr Pferd. Das bedeutet: Die Mehrheit trägt steigende Tierarztkosten vollständig aus eigener Tasche.

"Man spürt, dass hier nicht nur gearbeitet, sondern mit Überzeugung gehandelt wird."

- Sonja Bußler-Spörl, @saomi.und.die.beiden.zwerge

Tierarztrechnung verstehen und prüfen

Seit der GOT-Reform 2022 muss jede Tierarztrechnung bestimmte Pflichtangaben enthalten. Das gibt Dir als Pferdebesitzerin die Möglichkeit, jede Position nachzuvollziehen - und bei Unklarheiten nachzufragen.

Eine korrekte GOT-Rechnung enthält:

  • Den Namen des Tierarztes und der Praxis
  • Datum und Ort der Behandlung
  • Eine genaue Beschreibung jeder einzelnen Leistung
  • Die zugehörige GOT-Positionsnummer
  • Den angewendeten Gebührensatz (1-fach bis 4-fach)
  • Die Begründung, wenn der 3- oder 4-fache Satz berechnet wird
  • Materialkosten und Medikamente separat ausgewiesen

Wichtig: Du hast das Recht, eine Rechnung zu verlangen, die alle Positionen einzeln auflistet. Pauschalangebote ohne Einzelaufstellung sind nach GOT nicht zulässig. Wenn Du eine Rechnung nicht verstehst, kannst Du beim Tierarzt um eine detaillierte Erläuterung bitten - das ist vollkommen normal und wird von seriösen Praxen problemlos beantwortet.

Wenn Du den berechneten Gebührensatz für nicht gerechtfertigt hältst, kannst Du innerhalb von vier Wochen nach Erhalt der Rechnung schriftlich widersprechen. Die Tierärztekammer des jeweiligen Bundeslandes berät in solchen Fällen kostenlos.

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Jahresbudget realistisch planen

Tierarztkosten sind einer der größten und gleichzeitig unberechenbarsten Kostenblöcke im Pferdebesitz. Der Unterschied zwischen einem gesunden Jahr und einem Jahr mit einer ernsteren Erkrankung oder einer Kolik kann mehrere tausend Euro ausmachen. Trotzdem lässt sich ein realistisches Jahresbudget planen.

Als Orientierung für die Pflichtkosten eines gesunden Pferdes pro Jahr:

  • Impfungen: Equine Influenza + Tetanus jährlich, Herpes empfohlen - ca. 150-250 EUR
  • Zähne: Jährliche Kontrolle und Raspeln - ca. 100-250 EUR
  • Blutbild / Gesundheitscheck: je nach Alter und Bedarf - ca. 80-200 EUR
  • Wurmkur / Kotproben: 2-4x jährlich - ca. 40-120 EUR
  • Unvorhergesehenes: Rücklagen empfohlen - mindestens 500-1.000 EUR

In unserer RidersDeal-Community geben 37 Prozent der Reiterinnen an, ein Pferd im Alter von 16 Jahren oder älter zu haben. Für Seniorenpferde steigen die jährlichen Tierarztkosten erfahrungsgemäß deutlich - Blutbilder und Kontrolluntersuchungen werden häufiger notwendig, und altersbedingte Erkrankungen wie Cushing oder Arthrose erfordern regelmäßige Betreuung.

Tierarztkosten nach Situation: Was passt zu Dir?

Freizeitreiterin mit eigenem Pferd (61% der Community)

Plane mindestens 1.500-2.000 EUR jährlich als Puffer ein - Routine plus Rücklage. Eine gut bestückte Stallapotheke kann helfen, kleinere Probleme früh zu erkennen.

Turniersportlerin (26% der Community)

Lahmheitsuntersuchungen, Sporttauglichkeitsuntersuchungen und häufigere Kontrollen sind einzuplanen. Das Budget liegt realistisch bei 2.500-4.000 EUR pro Jahr. Eine OP-Versicherung ist bei intensivem Turnierbetrieb besonders sinnvoll.

Seniorenpferd-Besitzerin (37% der Community)

Regelmäßige Blutbilder, Cushing-Kontrollen und Gelenkbehandlungen können das Jahresbudget auf 2.000-5.000 EUR treiben. Eine OP-Versicherung lohnt sich hier besonders zu prüfen.

Wann lohnt sich eine Pferdeversicherung?

Die GOT-Reform hat die Frage nach einer Pferdeversicherung neu gestellt. Laut CAVALLO-Leserbefragung 2025 haben 87 Prozent der Pferdehalterinnen eine Pferdehaftpflichtversicherung - die ist in fast allen Bundesländern ohnehin gesetzlich vorgeschrieben oder durch Stallordnungen gefordert. Aber nur 25 Prozent verfügen über eine Pferdekrankenversicherung, die Tierarztkosten abdeckt.

Grundsätzlich gibt es drei relevante Versicherungsformen für Pferdehalterinnen:

  • Pferdehaftpflicht: Pflicht. Schützt vor Schäden, die Dein Pferd Dritten zufügt.
  • OP-Versicherung: Übernimmt Kosten für chirurgische Eingriffe - oft ab 3.000 EUR Eingriffswert. Sinnvoll, wenn eine Kolik-OP das Budget sprengen würde.
  • Krankenversicherung / Vollkaskoversicherung: Deckt ein breiteres Spektrum an Behandlungen ab. Prämien und Leistungen variieren stark - immer das Kleingedruckte lesen.

Ob sich eine OP-Versicherung lohnt, hängt vor allem vom Alter und Gesundheitszustand des Pferdes sowie vom eigenen finanziellen Puffer ab. Für ein junges, gesundes Sportpferd mit geringen Rücklagen kann eine OP-Versicherung im Ernstfall den Unterschied machen. Für ältere Pferde mit Vorerkrankungen sind die Prämien oft hoch und der Leistungsumfang eingeschränkt - hier lohnt ein genauer Vergleich.

Mehr dazu findest Du in unserem Ratgeber zur OP-Versicherung für Pferde.

Tierarztbesuche sinnvoll reduzieren

Nicht jeder Anruf beim Tierarzt muss in einem Stallbesuch enden. Wer seinen Alltag mit dem Pferd gut organisiert und auf Frühwarnsignale achtet, kann unnötige Besuche vermeiden - und im Notfall schneller reagieren.

Drei Bereiche helfen dabei besonders:

1. Regelmäßige Vorsorge statt reaktiver Behandlung: Impfungen, Zahnkontrolle und Kotproben als Jahresplanung anlegen. Das verhindert teure Spätbehandlungen und sichert günstigere Tagessätze (kein Notfalleinsatz, kein Wochenendzuschlag).

2. Gut ausgestattete Stallapotheke: Fiebermessen, Wundversorgung, Pulsnahme - viele erste Einschätzungen kannst Du selbst treffen. Das hilft Dir zu entscheiden, ob es ein Notfall ist oder bis zur regulären Praxisstunde warten kann. Die meistverkauften Produkte in unserer Community sind das Fieberthermometer mit flexibler Sonde sowie wasserfeste Modelle für den Stallalltag - beide erhältlich im Stallapotheken-Bereich bei RidersDeal.

3. Telefonische Erstberatung nutzen: Viele Tierärzte bieten telefonische Beratung für kurze Einschätzungen an - oft ohne Gebühr oder zu einem deutlich reduzierten Satz. Ein kurzes Gespräch kann dir helfen, die Dringlichkeit einzuordnen, bevor der Tierarzt kommt.

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Häufige Fragen zur GOT

Was bedeutet GOT-Satz beim Tierarzt?

Der GOT-Satz gibt an, mit welchem Faktor der gesetzliche Einfachsatz einer Leistung multipliziert wird. Der 1-fache Satz ist der Mindestsatz, der 2-fache Satz der übliche Regelfall für normale Behandlungen. Der 3- und 4-fache Satz gilt für Nacht-, Sonn- und Feiertagsbesuche sowie besonders aufwendige Behandlungen.

Was ist der höchste GOT-Satz beim Tierarzt?

Der höchste reguläre GOT-Satz ist der 4-fache Einfachsatz. Er darf berechnet werden bei Behandlungen zwischen 22 und 6 Uhr (Nacht), an Sonn- und Feiertagen sowie bei außergewöhnlich hohem Aufwand. Für den 3- und 4-fachen Satz muss der Tierarzt die Begründung schriftlich auf der Rechnung angeben.

Wann rechnet ein Tierarzt den 2-fachen GOT-Satz ab?

Der 2-fache GOT-Satz ist der Regelfall für normale Behandlungen in der Praxis oder beim Stallbesuch unter normalen Bedingungen. Er gilt als "mittlerer Satz" und ist der häufigste auf Tierarztrechnungen. Ein erhöhter Aufwand, schwieriges Tier oder besondere Umstände können ebenfalls den 2-fachen Satz rechtfertigen.

Wann rechnet ein Tierarzt den 3-fachen GOT-Satz ab?

Der 3-fache Satz gilt für Besuche in den Abendstunden (18 bis 22 Uhr und 6 bis 8 Uhr morgens) sowie für besonders aufwendige Behandlungen. Auch hier ist eine schriftliche Begründung auf der Rechnung Pflicht.

Wie hoch sind die Tierarztkosten für ein Pferd im Jahr?

Laut CAVALLO-Leserbefragung 2025 liegen die durchschnittlichen Tierarztkosten bei 2.104 Euro jährlich. Der tatsächliche Wert hängt stark vom Alter und Gesundheitszustand des Pferdes sowie vom Nutzungsumfang ab. Für ein junges, gesundes Freizeitpferd sind 800-1.500 EUR realistisch, für ältere Pferde oder Turnierpferde kann der Wert deutlich höher liegen.

Kann ich eine Tierarztrechnung ablehnen oder anfechten?

Du kannst innerhalb von vier Wochen nach Erhalt schriftlich Widerspruch einlegen, wenn Du den berechneten Gebührensatz für nicht gerechtfertigt hältst. Die Tierärztekammer des jeweiligen Bundeslandes bietet kostenlose Beratung und kann in Streitfällen vermitteln.

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