Wie schwer darf ich zum Reiten sein? So findest Du heraus, ob Dein Gewicht zu Deinem Pferd passt
Vielleicht hast Du Dich auch schon gefragt: „Bin ich zu schwer für mein Pferd?“
Diese Frage stellen sich viele Reiterinnen irgendwann – besonders, wenn sich das eigene Körpergefühl verändert oder das Pferd in einem Alter oder Zustand ist, in dem Rücksicht gefragt ist. Die gute Nachricht: Reiten ist auch mit höherem Körpergewicht möglich – solange Du fair, informiert und verantwortungsvoll mit Deinem Pferd umgehst.
In diesem Ratgeber bekommst Du faktenbasierte Antworten, praxisnahe Tipps und Hilfestellung, wie Du einschätzen kannst, ob Dein Gewicht im gesunden Rahmen für Dein Pferd liegt. Ohne Verurteilung – aber mit viel Tierverstand.
Warum ist das Reitergewicht überhaupt so wichtig?
So unterschiedlich Pferde in ihrer Größe, ihrem Temperament und Körperbau auch sind – eines gilt für alle: Sie tragen uns mit ihrem sensiblen Rücken. Dieser ist von Natur aus nicht zum Tragen von Lasten gemacht, sondern auf Bewegung in der Horizontalen spezialisiert.
Ein zu hohes Reitergewicht kann über längere Zeit negative Auswirkungen auf die Rückengesundheit des Pferdes haben:
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Dysbalancen in der Rückenmuskulatur
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Verspannungen und Muskelabbau (v. a. bei schwacher Tragemuskulatur)
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Veränderungen der Wirbelsäule (z. B. Senkrücken, Kissing Spines)
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Vermeidungsverhalten unter dem Sattel bis hin zu Lahmheiten
Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass Pferde Reitergewicht grundsätzlich tragfähig kompensieren können – allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Als grobe Orientierung gilt: Belastungen über 20 % des Pferdegewichts können problematisch werden.
Wie viel Gewicht kann ein Pferd tragen? Die Faustregel zur Tragfähigkeit
Eine oft zitierte Faustregel besagt: Ein Pferd kann ungefähr 15–20 % seines eigenen Körpergewichts an Reitergewicht (inklusive Kleidung und Sattel) tragen. Aber: Diese Prozentregel ist nur ein Ausgangspunkt, denn viele weitere Faktoren spielen hinein.
Beispiel:
Ein gesundes Pferd mit 550 kg Körpergewicht kann laut Faustregel etwa 82–110 kg tragen. Inklusive Sattel, Kleidung und Reitstiefel. Wenn Dein Sattel 8–10 kg wiegt, bleibt für Dich ca. 74–100 kg je nach Pferd und Zustand.
Entscheidend sind:
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Der Körperbau (kräftige Lendenpartie, breiter Rücken = mehr tragfähig)
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Der Trainingszustand (gut bemuskuliert > tragkräftiger)
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Alter, Gesundheitszustand und eventuelle Vorerkrankungen
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Balance, Sitz und Bewegungsgefühl der Reiterin
Auch das Gelände, die Reitweise und die Dauer der Belastung spielen eine Rolle: Ein Pferd, das 30 Minuten auf weich federndem Reitplatzboden korrekt gymnastiziert wird, bewältigt mehr als ein Pferd, das 90 Minuten im Trab über unebene Waldwege läuft.
Bin ich zu schwer für mein Pferd? So findest Du es heraus
Es geht nicht primär um die Kilozahl – sondern um die Frage, ob das Gewicht im Verhältnis zu Pferd, Sattel und Rittigkeit passt. Du kannst Dich an folgenden Kriterien orientieren:
Kleine Checkliste:
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Passt Dein Reitergewicht innerhalb der 15–20 %-Regel (inkl. Sattel)?
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Hat Dein Pferd eine gute Bemuskelung rund um Rücken, Kruppe und Schulter?
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Kann Dein Pferd unter dem Sattel locker schwingen und läuft taktrein?
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Ist Dein Sattel gut angepasst – oder drückt er zusätzlich?
Achte auf mögliche Warnzeichen, dass Dein Pferd mit der Last überfordert sein könnte:
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Taktfehler oder Wegdrücken des Rückens beim Reiten
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Verspannter Rücken, häufiges Bocken oder Verweigern des Sattels
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Stolpern, Kurvenverweigerung oder "festreiten"
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Tierärztlich festgestellte Rückenprobleme trotz auffälliger Reitweise
Wenn Du unsicher bist, ziehe eine:n Tierärzt:in oder Pferdephysiotherapeut:in hinzu. Diese Fachpersonen können mit einer objektiven Tragefähigkeitseinschätzung helfen.
Darf ich reiten, obwohl ich Übergewicht habe?
Diese Frage ist emotional sehr aufgeladen – und das völlig zu Recht. Denn viele Reiterinnen kämpfen mit dem Gefühl, dass sie entweder sich oder dem eigenen Pferd nicht gerecht werden. Wichtig hier: Reiten ist keine Frage der Idealfigur, sondern der Fairness gegenüber dem Pferd.
Was wirklich zählt:
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Sitzt Du ausbalanciert und bewegst Dich im Takt mit dem Pferd – oder kippst Du mit?
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Kannst Du Einwirkungen dosiert geben, ohne das Pferd mit Gewicht zu blockieren?
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Unterstützt Deine Ausrüstung Dein Pferd (Sattelverteilung, Korrekturpad)?
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Wird das Pferd regelmäßig gymnastiziert und muskulär aufgebaut?
Auch Dein Körper darf auf dem Pferderücken Platz haben – wenn die Bedingungen stimmen. Es gibt kein generelles „Zu schwer zum Reiten“ – aber es gibt Grenzen, die man verantwortungsvoll im Blick haben muss.
Tipp: Gute Sattelberatung ist unverzichtbar, besonders bei höherem Gewicht. Spezial-Sättel mit weitflächiger Auflage helfen, den Druck auf den Pferderücken besser zu verteilen.
Gibt es Pferderassen, die sich besser für schwerere Reiterinnen eignen?
Ja, denn Rasse, Exterieur und Konstitution machen einen großen Unterschied bei der Tragkraft. Grundsätzlich gilt: Pferde mit starkem Fundament, breiter Brust, stabiler Kruppe und ausgeprägtem Rücken sind tragfähiger.
Geeignete Rassen können u. a. sein:
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Noriker, Freiberger, Haflinger
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Irish Cob / Tinker
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Kaltblut-Mixe mit sportlichem Einschlag
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Andalusier, Lusitanos mit guter Reitpferdetraining
Aber Achtung: Auch innerhalb einer Rasse gibt es große Unterschiede. Die individuelle Ausbildung, Gesundheit und Bemuskelung sind entscheidender als die Rassenzuschreibung.
Was tun, wenn Dein Pferd (derzeit) nicht tragfähig ist?
Falls Du erkennst, dass Dein aktuelles Pferd Dein Gewicht (noch) nicht tragen kann, ist das kein Grund zur Verzweiflung – aber ein Anlass zur Veränderung. Hier ein paar Alternativen:
Möglichkeiten, wenn die Tragkraft nicht reicht:
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Bodenarbeit: Muskelaufbau, Kommunikation, Bindung – ganz ohne Reiten
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Langsamer Aufbauplan mit Unterstützung von Trainer:in & Physio
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Reitbeteiligung mit einem tragfähigeren Pferd suchen
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Spaziergänge, Doppellonge oder Freiheitsdressur als Bindungsarbeit
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Umstieg auf Spazier- oder Kutschpferd-Arbeit
Der Schlüssel liegt in der Ehrlichkeit – nicht in der Selbstverleugnung. Du möchtest Deinem Pferd nicht schaden, und das zeichnet Dich als verantwortungsvolle Pferdefreundin aus.
Infobox: 5 Dinge, die wirklich zählen
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Dein Reitergewicht ist nur ein Faktor – Sitz und Bewegungsgefühl zählen ebenso viel
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Faustregel Tragkraft = 15–20 % des Pferdegewichts inklusive Ausrüstung
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Trainingszustand schlägt Kilozahl – ein fitter Rücken kann mehr tragen
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Reiten mit Übergewicht ist möglich – mit passender Ausrüstung und Achtsamkeit
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Wenn Du zweifelst: Tierärztliche Einschätzung schafft Klarheit
Fazit: Reiten mit Herz – und Verstand
Ob 70, 85 oder 100 kg – die reine Zahl auf der Waage sagt wenig darüber aus, wie gut Du mit Deinem Pferd harmonierst. Entscheidend ist, wie durchdacht Du mit seinem Körper umgehst. Pferde brauchen keine Idealfigur auf dem Rücken – sie brauchen Achtsamkeit, Gefühl und gute Vorbereitung.
Wenn Du bereit bist, genau hinzusehen und individuelle Lösungen zu suchen, dann bist Du auf dem richtigen Weg. Und Dein Pferd auf einem gesunden.
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