PSSM beim Pferd: Symptome, Ernährung und was Du jetzt tun kannst
PSSM beim Pferd ist eine Muskelspeicherkrankheit, die deutlich häufiger vorkommt als viele Reiterinnen vermuten - und die über Jahre unerkannt bleiben kann. Das Tückische: Die Symptome sind oft unspezifisch, der Leistungsabfall wird zunächst dem Training zugeschrieben, und erst wenn das Pferd sich beim Aufsteigen verweigert oder nach kurzer Arbeit übermäßig schwitzt, zieht die Reiterin einen Tierarzt hinzu. Wer PSSM früh erkennt, die Fütterung anpasst und das Bewegungsmanagement umstellt, kann das Leben seines Pferdes deutlich verbessern - und die Reitbarkeit in vielen Fällen vollständig erhalten.
Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Mai 2026
Was ist PSSM beim Pferd?
PSSM steht für Polysaccharide Storage Myopathy - eine erbliche Muskelspeicherkrankheit, bei der überschüssiges Glykogen und anormale Polysaccharide in den Muskelfasern eingelagert werden.
Gesunde Muskeln speichern Glykogen als kurzfristigen Energievorrat und verbrauchen ihn bei körperlicher Belastung. Bei PSSM-Pferden funktioniert dieser Mechanismus nicht korrekt: Die Muskelzellen nehmen übermäßig viel Glukose auf, bauen aber nicht genug davon ab. Das Ergebnis sind Glykogenpakete, die sich in den Muskelfasern ansammeln und diese im Wortsinn "verstopfen". Bei Belastung können die Muskeln die benötigte Energie nicht abrufen - das Pferd verspannt, schmerzt und verweigert.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Erkrankung. PSSM Typ 1 entsteht durch eine bekannte genetische Mutation im GYS1-Gen und ist per DNA-Test nachweisbar. PSSM Typ 2 ist ein Sammelbegriff für verschiedene Muskelerkrankungen mit ähnlichem klinischen Bild, aber ohne diese spezifische Mutation - der Nachweis erfolgt hier über eine Muskelbiopsie.
Wie erkenne ich PSSM bei meinem Pferd?
Typische Zeichen sind anhaltende Steifheit nach dem Aufstehen, Schweißausbrüche ohne körperliche Belastung, Verweigerung beim Aufsteigen und ein deutlicher Leistungsabfall - oft verbunden mit einem angespannt wirkenden Rücken.
Das Spektrum reicht dabei von leichten, kaum wahrnehmbaren Beschwerden bis zu akuten Krampfanfällen, dem sogenannten "Tying-up" oder Rhabdomyolyse. Beim Tying-up verkrampfen die Muskeln so stark, dass das Pferd kaum noch Schritt gehen kann, sich wegerecht versteift und manchmal zu fallen droht. Solche Episoden sind schmerzhaft und benötigen sofortige tierärztliche Versorgung.
Weitere Symptome, die auf PSSM hinweisen können:
- Muskelabbau trotz ausreichender Fütterung, besonders am Rücken und Kruppe
- Unwilligkeit beim Aufsitzen oder starke Reaktion auf den Sattel
- Dunkler, brauner Urin nach Belastung (Zeichen von Myoglobin)
- Wiederholte "schlechte Tage" ohne erkennbaren Grund
- Schlechte Trabqualität, unregelmäßiger Schritt, hinter der Hand
Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515, ridersdeal.com/reitsportstudie-2026) hatten 72,6% der Reiterinnen im vergangenen Jahr mindestens einen ungeplanten Tierarztbesuch. Muskelerkrankungen wie PSSM gehören zu den häufig übersehenen Ursachen hinter solchen Notfällen - zumal die ersten Anzeichen leicht als Lahmheit oder Rittigkeit-Problem fehlgedeutet werden.
Welche Pferde bekommen PSSM besonders häufig?
Besonders betroffen sind schwere Warmblüter, Quarter Horses, Belgier und andere Kaltblüter - bei ihnen liegt die Prävalenz für PSSM1 teils bei über 30%. Auch viele Freizeitpferde schwerer Warmblutlinien tragen die Mutation, ohne dass ihre Besitzerinnen es wissen.
Bei deutschen Warmblütern und Hannoveranern schwankt die Häufigkeit je nach Zuchtlinie zwischen 5 und 15%. Das bedeutet: Jede zehnte Warmblütreiterin könnte ein Pferd mit PSSM besitzen, ohne es zu wissen. Araberpferde und Vollblüter sind deutlich seltener betroffen. Für Ponyrassen liegen weniger Daten vor, aber auch hier werden zunehmend Fälle diagnostiziert.
Ein wichtiger Auslöser für akute PSSM-Episoden ist Bewegungsmangel kombiniert mit kohlenhydratreicher Fütterung. Das klassische Szenario: Das Pferd steht über das Wochenende, bekommt aber weiter sein normales Kraftfutter - und kollabiert am Montag beim ersten Aufwärmen. Bei Verdacht gilt: Lieber heute testen als morgen bereuen.
Für PSSM-Pferde ist Wärme besonders wichtig - Therapiedecken und Rückenwärmer können verspannte Muskeln entlasten und die Durchblutung fördern. Bei RidersDeal findest Du eine Auswahl, die direkt zu Deiner Situation passt.
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Pferde mit PSSM dürfen kein stärkereiches Kraftfutter wie Müsli, Hafer, Mais oder Gerste bekommen. Auch Melasse, zuckerreiches Heu und Gras mit hohem NSC-Gehalt sind tabu - sie treiben den Blutzuckerspiegel an und verschlechtern die Glykogenspeicherung in den Muskeln.
Folgende Futtermittel solltest Du bei einem bestätigten PSSM-Pferd grundsätzlich meiden oder stark reduzieren:
- Hafer - sehr stärkereich, direkt verwertbar, starker Glukoseschub
- Getreidemüsli mit Melasse - doppelt problematisch durch Stärke und Zucker
- Brot, Brötchen, Kekse - beliebte Leckerlis, aber reines Zucker- und Stärkekonzentrat
- Karotten und Äpfel in großen Mengen - in kleinen Mengen tolerierbar, aber nicht als Grundfutter
- Frühlingsgras - junges Gras hat einen extrem hohen NSC-Gehalt, besonders zwischen 10 und 16 Uhr
- Heu mit > 12% NSC - bei Bedarf Heu einweichen (30 Minuten) um Zuckergehalt zu senken
Besondere Vorsicht gilt nach Ruhephasen. Wenn Dein Pferd zwei oder mehr Tage nicht bewegt wurde, sollte es auch weniger Futter bekommen - das Kraftfutter reduzieren oder ganz weglassen, die Heumenge stabil halten. Viele PSSM-Episoden entstehen genau in dieser Kombination aus Pause und normaler Fütterung.
Was kann ich meinem Pferd mit PSSM füttern?
Die Basis der PSSM-Fütterung ist strukturreiches Heu mit einem NSC-Wert unter 10% plus hochwertige Fette als alternative Energiequelle. Fette liefern mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate - ohne den problematischen Glukoseschub.
Bewährte Fettquellen für PSSM-Pferde sind Leinöl, Sonnenblumenöl und speziell zusammengesetzte PSSM-Ergänzungsfutter mit hohem Fettanteil. Die Umstellung sollte schrittweise über 4-6 Wochen erfolgen, damit sich der Verdauungstrakt anpassen kann. Starte mit einem Esslöffel Öl täglich und steigere langsam auf 100-200 ml.
| Futtermittel | PSSM-Eignung | Hinweis |
|---|---|---|
| Heu (NSC < 10%) | Sehr gut | Basis jeder PSSM-Ration |
| Leinöl / Sonnenblumenöl | Gut | Langsam eingewöhnen |
| Luzerneheu (in Maßen) | Bedingt gut | Proteingehalt beachten |
| Hafer / Getreidemüsli | Nicht geeignet | Stärke verschlechtert PSSM |
| Mineralfutter (stärke- und zuckerfrei) | Pflicht | Vitamin E und Selen wichtig |
Vitamin E und Selen spielen eine besondere Rolle bei der Muskelgesundheit. Ein Mangel kann PSSM-Symptome verstärken und die Muskelregeneration verzögern. Bevor Du Nahrungsergänzungen dosierst, lass den Selenstatus Deines Pferdes durch Deine Tierärztin bestimmen - Selen ist im Übermaß giftig. Bei Vitamin E hingegen ist eine höhere Supplementierung bei PSSM-Pferden häufig sinnvoll.
Ist ein Pferd mit PSSM reitbar?
Ja, die meisten Pferde mit PSSM 1 und PSSM 2 sind mit dem richtigen Management reitbar. Tägliche, moderate Bewegung ist sogar ein wesentlicher Teil der Therapie - sie verbessert die Glukoseverwertung in den Muskeln und beugt neuen Episoden vor.
Der Schlüssel liegt in der Kontinuität. Unregelmäßiges Reiten mit langen Pausen ist für PSSM-Pferde schädlicher als kurze, tägliche Einheiten. Besser 20 Minuten jeden Tag als zwei Stunden am Wochenende. Das Aufwärmen verdient besondere Aufmerksamkeit: Mindestens 15-20 Minuten Schritt - idealerweise mit leichter Wärme durch Decke oder Rückenwärmer vor dem Aufsteigen.
Pferde mit PSSM 2 zeigen manchmal ein breiteres Symptombild und reagieren auf Therapie langsamer. Trotzdem berichten viele Reiterinnen, dass ihre PSSM-2-Pferde nach der Ernährungsumstellung und einem strukturierten Bewegungsplan deutlich besser werden. Der Fortschritt braucht Zeit - rechne mit 3-6 Monaten bis zur spürbaren Verbesserung.
86,5% der Reiterinnen laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515) setzen Physiotherapie, Osteopathie oder Akupunktur für ihr Pferd ein. Begleitende Therapien dieser Art können die Muskelentspannung bei PSSM-Pferden unterstützen und das Management ergänzen - mehr dazu im RidersDeal-Ratgeber zu Physio, Osteo und Akupunktur beim Pferd.
Wann sollte man ein Pferd mit PSSM eindecken?
PSSM-Pferde sollten früher eingedeckt werden als gesunde Pferde, da Kälte die Muskeln zusätzlich verspannen lässt. Als Faustregel gilt: Ab 8-10 Grad Außentemperatur empfiehlt sich eine leichte Abschwitzdecke oder ein Rückenwärmer - vor dem Reiten und beim Abkühlen nach der Arbeit.
Besonders kritisch sind die Übergangsjahreszeiten. Im Frühjahr und Herbst schwanken die Temperaturen stark - ein PSSM-Pferd, das morgens bei 4 Grad auf die Weide geht und nach vier Stunden bei 18 Grad wieder reinkommt, braucht flexible Decken-Optionen. Viele PSSM-Reiterinnen setzen auf eine Kombination aus leichtem Regenmantel und einer wärmenden Therapiedecke für Stall und Nachtstunden.
Beim Einreiten gilt die gleiche Logik: Lass Dein Pferd nicht kalt in die Arbeit starten. Eine Infrarot- oder Magnetfeldtherapiedecke kann vor dem Reiten helfen, die Muskulatur schonend vorzubereiten. Das ist kein Luxus, sondern bei PSSM ein sinnvoller Teil des Managements.
Was kostet ein PSSM-Test und wie funktioniert die Diagnose?
Ein genetischer PSSM1-Test kostet zwischen 30 und 80 Euro und kann über Veterinärlabore per Haarwurzel-Probe bestellt werden. Die Probe wird selbst entnommen - ein paar Schweifhaare mit Wurzel reichen aus - und per Post eingeschickt. Das Ergebnis liegt meist nach 2-3 Wochen vor.
Für die Diagnose PSSM2 ist ein Bluttest allein nicht ausreichend. Hier wird eine Muskelbiopsie benötigt - ein kleines Gewebsstück aus dem Gluteus- oder Semimembranosus-Muskel, das unter Vollnarkose oder Sedierung entnommen wird. Die Kosten dafür liegen je nach Labor und Tierarzthonorierung bei 300-600 Euro. Zusätzlich werden häufig Muskelenzyme im Blut gemessen: CK (Kreatinkinase) und AST sind bei aktiven PSSM-Episoden erhöht - ein erster Hinweis, aber kein eindeutiger Beweis.
Wenn Du den Verdacht hast, dass Dein Pferd PSSM haben könnte: Sprich zuerst mit Deiner Tierärztin über eine Blutuntersuchung während oder kurz nach einer Episode. Erhöhte CK-Werte zusammen mit dem klinischen Bild rechtfertigen in aller Regel den nächsten Diagnoseschritt. Die Kosten der Erstdiagnose und manche Folgebehandlungen können je nach Versicherung erstattet werden - mehr zu den GOT-Tierarztkosten 2026 und was sie für Dich bedeuten.
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- Frederike Wolbers, @Justanotherhorseblog
Häufige Fragen zu PSSM beim Pferd
Was ist der Unterschied zwischen PSSM 1 und PSSM 2?
PSSM 1 wird durch eine spezifische Mutation im GYS1-Gen verursacht und ist per Gentest nachweisbar. PSSM 2 ist ein Sammelbegriff für Muskelerkrankungen mit ähnlichen Symptomen ohne diese Mutation. Die Diagnose von PSSM 2 erfordert eine Muskelbiopsie. Beide Formen profitieren von ähnlichem Management - Fütterungsanpassung und regelmäßige Bewegung.
Kann ein Pferd mit PSSM dauerhaft geheilt werden?
Eine vollständige Heilung ist nicht möglich, da PSSM1 genetisch bedingt ist. Mit konsequentem Management - stärke- und zuckerarme Ernährung, tägliche Bewegung, Wärme - können die Symptome jedoch so weit kontrolliert werden, dass viele Pferde ein nahezu normales Reit- und Stalleben führen. Die Lebensqualität hängt stark davon ab, wie konsequent das Management umgesetzt wird.
Welche Rassen sind am häufigsten von PSSM betroffen?
Am häufigsten betroffen sind Quarter Horses, Belgische Warmblüter, Kaltblüter und schwere Warmblüter. Hannoveraner und andere deutsche Warmblüter haben eine Prävalenz von etwa 5-15% je nach Zuchtlinie. Araberpferde und Vollblüter erkranken deutlich seltener. Bei Verdacht lohnt sich der Gentest unabhängig von der Rasse.
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