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A short guide to WESTERNREITEN

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A short guide to WESTERNREITEN
Von Helene H. Vor 2 Jahren 2121 mal gelesen Keine Kommentare

Wenn man das Wort „Westernreiten“ hört, denkt man zuerst an Cowboyreiten, Lassowerfen, Rindertreiben und Lagerfeuerromantik. Dass das Westernreiten heute damit nur noch wenig gemeinsam hat, wissen die Wenigsten. Trotz der ständig wachsenden Anzahl an Westernreitern in Deutschland ist diese Reitweise weiterhin eher unbekannt- eine stille Präsenz im Schatten der Englischen Reitweise. Was kann man sich nun also unter dem Begriff vorstellen? Um Klarheit zu schaffen und einige vorbelastende Klischees zu beseitigen, gibt es hier einen kurzen Crash Kurs zum Thema „Westernreiten“- von A wie Allgemeines bis T wie Turniersport.

Der Ursprung

Der Ursprung des Westernreitens liegt im „Wilden Westen“-in der Arbeit der Cowboys am Rind. Dabei benötigte man Pferde die besondere Charaktereigenschaften aufweisen wie Nervenstärke, Gelassenheit, ebenso wie schnelle Reaktionsfähigkeit und Beweglichkeit. Kurz: ein arbeitswilliges Pferd mit ausgewogenem Temperament. Diese Kriterien sind heute genauso gewünscht wie früher. Ein wichtiges Merkmal des Westernstils ist der Impuls-Befehl, dh. es wird einmalig ein Impuls gegeben der das Pferd dazu veranlagt diesen so lange Auszuführen bis ein Neuer folgt. Dies ermöglicht es dem Pferd selber mitzudenken. Am Ende der Ausbildung eines Westernpferdes sollte es das Ziel sein das Pferd am angemessen lockeren Zügel mit minimalen Hilfengebungen reiten zu können.

Equipment

Typisch „Western“ ist das Equipment. Der Westernsattel gilt als besonders bequem mit seiner breiten Sitzfläche und den breiten Steigbügeln, den sogenannten „Fendern“. Das Horn welches früher zur Befestigung des Lassos diente, ist heute eher Dekoration. Unter dem Sattel befindet sich keine Schabracke, sondern ein sogenanntes „Pad“. Oft sind diese mit Lammfell unterlegt und deutlich dicker als die Unterlagen im Englischreiten. Zum Turnier wird häufig zusätzlich ein „Blanked“ verwendet, welches über das normale Pad gelegt wird und das Showoutfit optisch ergänzt. Auch die Trensen unterscheiden sich von den Englischen Zäumungen. Sperrriemen wird man hier nicht finden, zumal diese auf Turnieren verboten sind. Das herkömmliche „Snaffle Bit“, die Wassertrense, ist die Trense die für Anfänger sowie für Jungpferde geeignet ist. Das „Bit (with Shanks)“ ist die Westernvariante der Kandare. Diese Gebisse gehören nur in erfahrene Hände. In den höheren Leistungsklassen des Westernsports wird mit dieser Zäumung ausschließlich einhändig geritten.
(von links, Westerntrense mit Glitzer-Verschluss; komplettes Ranch Riding Outfit; punzierter Sattel)

Turniersport

Der Ruf, dass alle Westernreiter „Wald- und Wiesenreiter“ wären, kommt wahrscheinlich von der Tatsache, dass viele Freizeitreiter die bequemen Sättel bevorzugen.

Doch auch das Westernreiten bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten sein Können auf Turnieren unter Beweis zu stellen. In Deutschland gibt es dafür eine Reihe von Vereinen, die regelmäßig an verschiedensten Standorten Turniere austragen.
Diese wären beispielsweise:

  • EWU (Erste Westernreiter Union)
  • AQHA (American Quarter Horse Association)
  • DQHA (Deutsche Quarter Horse Association)
  • NRHA (National Reining Horse Association)
  • APHA (American Paint Horse Association)
  • ApHC (Appaloosa Horse Club)

Die meisten Turniere in Deutschland werden von der EWU veranstaltet. Hier gibt es eine sehr große Vielfalt an Disziplinen. Die Prüfungen, die dort ausgetragen werden, sind zudem rasseoffen, was bedeutet, dass dort nicht nur Quarter und Paint Horses sondern ebenso Haflinger, Kaltblüter und viele weitere Rassen an den Start gehen dürfen.

Das Turniersystem hält hier für jeden Reiter etwas bereit: Von E/D Turnieren, den sogenannten „Playdays“ ,die sich besonders für Turniereinsteiger eignen, bis hin zur German Open, für die man sich auf diversen AQ Turnieren (Qualifikationsturniere) qualifizieren kann.

Die Reiter werden dabei in verschiedene Leistungsklassen eingeteilt, was man in gewissen Maßen mit der Einteilung von E-S vergleichen kann. Weiterhin wird zwischen Erwachsenen (A) und Jugendlichen (B) unterschieden.

  • LK 5: Ist die Klasse der Einsteiger, in der noch keine Mitgliedschaft vorhanden sein muss
  • LK 4: Einsteiger (zweihändiges Reiten im Snaffle)
  • LK 3: Wahl zwischen einhändigem Reiten im Bit oder zweihändig mit Snaffle
  • LK 2: Einhändiges Reiten ist Pflicht
  • LK 1: höchste Leistungsklasse

Die jeweils höhere LK kann entweder durch das Erreiten von bestimmten Punktzahlen, die man durch Turnierplatzierungen erhält, oder durch das Absolvieren von Reitabzeichen erreicht werden.

Die Disziplinen

Besonders Interessant ist die Auswahl an Disziplinen, die die EWU zu bieten hat. So ist für jeden Geschmack etwas dabei.

-Showmanship at Halter: In dieser Disziplin wird das Pferd an der Hand vorgestellt. Hier gilt es eine vorgegebene Aufgabe zu absolvieren. Neben dem korrekten Ausführen der Pattern wird ebenso das Erscheinungsbild bewertet.

-Trail: Hierbei müssen Pferd und Reiter eine bestimmte Anzahl an Hindernissen bewältigen. Seien es Stangenkombinationen, egal ob Schritt, Trab oder Galopp, eine Brücke, das Tor, Slalom oder ein Rückwärts L, es gibt viele Möglichkeiten dies zu kombinieren. Gerade in den höheren Leistungsklassen ist Geschichtlichkeit gefragt um den Stangen-Dschungel ohne Fehler zu bewältigen.

-Ranch Riding: Dabei handelt es sich um eine Prüfung in der man, wie der Name bereits erwähnt, ein leichtrittiges Pferd sehen möchte, was selbst in höheren Gangarten gut zu kontrollieren ist- gleich einem guten Ranch Pferd. Verstärkungen der Gangarten wie extended trot oder extended lope sind Höhepunkte der Prüfung und machen sie besonders knackig. Neben Spins und Sidepass können auch Stangenelemente integriert sein.

-Reining: Gerne wird diese Disziplin auch als Königsdisziplin bezeichnet. Sliding Stops, Spins, schnelle Zirkel, Speed Controls, fliegende Galoppwechsel und Rollbacks sind die Manöver, die hier abgefragt werden. Es wird fast ausschließlich im Galopp geritten, was die Disziplin besonders rasant macht- Adrenalin pur. Während einer Reining wird der Reiter gerne kräftig angefeuert- die Stimmung ist jedes Mal der Wahnsinn.

-Western Horsemanship: Bei der Horsemanship liegt das Hauptaugenmerk auf dem Reiter und wie er seine Hilfen einsetzt. Ebenso sind der Sitz und die Linienführung ein wichtiger Aspekt in der Bewertung. Die zu reitende Pattern (Aufgabe) muss sauber geritten werden. Zwar ist diese Prüfung weniger spektakulär, doch glänzt sie durch ihre Eleganz die Manöver mit feinster Präzession zu absolvieren.

-Western Pleasure: Das Pferd wird in der Gruppe in der Bahn vorgestellt. Ein gleichmäßiges Tempo mit konstanter Oberlinie sind dabei erwünscht. Der Zügel soll dabei angemessen locker durchhängen wobei das Pferd in den verschiedenen Gangarten seine Bewegungsqualität präsentiert. Auch wenn ein gemäßigtes Grundtempo gefordert ist, sollte die Taktreinheit stets gegeben sein.

-Western Riding: Wechsel über Wechsel. Einer Pattern folgend, muss das Pferd in dieser Prüfung zahlreiche fliegende Galoppwechsel zeigen. Das macht die Western Riding wohl zu einer der anspruchsvollsten Disziplinen. Die Wechsel müssen punktgenau geritten werden. Pluspunkte gibt es dann, wenn das Tempo gleichmäßig erhalten bleibt und das Pferd an einem lockeren Zügel präsentiert werden kann.

-Working Cowhorse: Eine Rider Prüfung die zunächst in 2 Teile untergliedert ist: Die „Dry Work“ und die „Fence Work“. In der Fence Work wird ein Rind in die Bahn gelassen. Zuerst wird das Rind an der kurzen Seite der Bahn gearbeitet, bis es dann an der langen Seite einmal in jede Richtung gegen die Bande gewendet wird. Im letzten Teil heißt es das Rind in der Mitte der Bahn in einen Links- und in einen Rechtszirkel zu manövrieren.

Links: Reining; Rechts: Showmanship at Halter

Gerade die große Vielfalt an Disziplinen ist das, was in meinen Augen das Westernreiten so besonders macht. Egal ob rasant oder doch lieber gemächlich, elegant oder lässig- für jeden Geschmack hält der Westernsport etwas parat. Schwere Aufgaben leicht aussehen lassen, das Pferd zur Mitarbeit animieren mittels weniger Hilfen und die lockere, freundschaftliche Atmosphäre auf den Turnieren- dies sind nur einige Gründe, warum ich mich im #teamwestern zuhause fühle.


#teamridersdeal bedankt sich bei Helene von @prince.freckles für den tollen Beitrag!