Fragen & Hilfe RidersDeal-Blog
Swipe to the left

Der erste Weidegang: Praktische Tipps zum Anweiden

Drucken
Der erste Weidegang: Praktische Tipps zum Anweiden
Von RidersDeal Vor 10 Monaten 2549 mal gelesen Keine Kommentare

Erster Weidegang: Achtung vor Koliken, Durchfall oder Hufrehe

Junges Gras ist sehr niedrig, enthält aber dennoch bereits große Mengen an Zucker, auch Fructan genannt. Dieser Zuckergehalt bleibt während des gesamten Wachstums konstant. Dadurch nehmen Pferde während des ersten Weidegangs im Frühling verhältnismäßig große Mengen dieses Stoffes zu sich. Genau hier liegt die Ursache von Koliken, denn schließlich muss sich der Darm im Frühjahr durch die Bildung neuer Bakterien erst schrittweise an diese Umstellung gewöhnen. Wird der erste Weidegang zu lang, können sich Pferde entsprechend überfressen. Nicht selten leiden sie hier auch unter Durchfällen. Eine Übersäuerung durch zu viel Fructan im Darm kann zudem alle anderen Bakterien abtöten und führt zur Freisetzung von Giftstoffen. Diese gelangen in den Blutkreislauf und können die Kapillargefäße der Huflederhaut verengen. Schmerzhafte Entzündungen oder gar Hufrehe können die Folge sein.

Schrittweise Angrasen: So geht´s

Wenn Du die ersten Weidegänge Deines Pferdes aufmerksam begleitest, könnt Ihr den Frühling mit großer Sicherheit ohne Beschwerden genießen. Allgemein empfiehlt sich immer die Gabe von Heu vor dem Weidegang im Frühling. So verringerst Du die Gefahr des Überfressens und gewährleistest gleichzeitig eine ausreichende Versorgung mit Strukturfasern. Diese sind in jungen Gräsern noch nicht in genügend großen Mengen vorhanden.

  • Woche 1 bis 2: Der Weidegang sollte am Nachmittag stattfinden, da sich der Zuckerstoff bereits in der gesamten Pflanze verteilt hat. An den ersten beiden Tagen ist eine Dauer von 15 bis 20 Minuten empfehlenswert. Danach kann diese alle zwei Tage um jeweils 15 Minuten verlängert werden. Auf diese Weise stellt sich der Körper des Pferdes im Frühjahr optimal auf den Nahrungswechsel ein. Viele Pferdebesitzer übernehmen diesen Teil des Anweidens selbst, indem sie das Pferd täglich an der Hand grasen lassen. In den darauffolgenden Tagen kannst Du Dein Pferd zusätzlich am Vormittag grasen lassen. Dabei sollte diese Eingewöhnung ebenso schrittweise vonstattengehen.
  • Woche 3: Ab der dritten Woche ist es möglich, jeweils eine 60-minütige Einheit am Vormittag und zusätzlich zwei Stunden am Nachmittag anzubieten.
  • Woche 4: Nun kann Dein Pferd jeweils 2 Stunden am Vormittag und am Nachmittag auf die Weide.

Nach etwa 4 bis 5 Wochen ist das Angrasen abgeschlossen und Dein Pferd darf die gewünschte Länge auf der sonnigen Weide verbringen.

Bei Pferden, die besonders anfällig für Koliken sind, kannst Du die einzelnen Schritte zeitlich ausdehnen. Alternativ kannst Du Dein empfindliches Pferd auch etwas später angrasen. Bereits in der Frühjahrsmitte sind die Gräser höher und die Zufuhr an Mineral- als auch Ballaststoffen ist ausgewogener.

Nach dem Angrasen die Fütterung gezielt anpassen

Grundsätzlich gilt, dass die tägliche Fütterung im Frühjahr während kurzer Weidegänge von maximal zwei Stunden Dauer nicht verändert werden sollte. Schließlich benötigt Dein Pferd große Mengen an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen. Diese sind im jungen Gras noch nicht in ausreichender Menge vorhanden. Sobald der Weidegang jedoch länger wird, kannst Du die Futterrationen im Stall schrittweise verringern. Jedoch sollte bei ausgedehnten Aufenthalten im Freien nie auf die zusätzliche Gabe von Heu verzichtet werden.