Sehnenschaden beim Pferd erkennen und behandeln: Symptome, Heilung & Reha


Ein Sehnenschaden beim Pferd gehört zu den Verletzungen, vor denen sich jede Reiterin fürchtet - er kommt oft plötzlich, die Heilung dauert lange und verlangt viel Geduld. Die gute Nachricht: Wenn Du die ersten Anzeichen früh erkennst, sofort richtig reagierst und die Reha konsequent begleitest, stehen die Chancen gut, dass Dein Pferd wieder belastbar wird. In diesem Ratgeber erklärt Reitsport-Autorin Kathi Beißel, woran Du einen Sehnenschaden erkennst, was Du sofort tun solltest, welche Gamaschen das Bein im Alltag schützen und wie ein realistischer Reha-Plan aussieht.
Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Juni 2026
Was ist ein Sehnenschaden beim Pferd?
Ein Sehnenschaden ist eine Schädigung der Beugesehnen am Pferdebein, meist an der oberflächlichen Beugesehne der Vorderbeine. Die einzelnen Sehnenfasern reißen teilweise oder ganz - das nennt man Tendinitis oder Sehnenläsion.
Sehnen verbinden Muskel und Knochen und übertragen die Kraft bei jedem Schritt. Sie sind extrem zugfest, aber kaum dehnbar und sehr schlecht durchblutet. Genau das macht sie verletzlich: Eine Überlastung kann einzelne Fasern reißen lassen, und weil die Versorgung mit Nährstoffen gering ist, heilt das Gewebe nur langsam. Häufig betroffen ist die oberflächliche Beugesehne, seltener die tiefe Beugesehne oder der Fesselträger.
Wichtig: Die Diagnose stellt immer der Tierarzt per Ultraschall. Nur so lässt sich erkennen, welche Struktur betroffen ist und wie ausgeprägt der Schaden ausfällt. Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, sondern hilft Dir, früh die richtigen Schritte einzuleiten.
Wie macht sich ein Sehnenschaden beim Pferd bemerkbar?
Ein Sehnenschaden zeigt sich meist durch eine warme, geschwollene Stelle an der Beinrückseite, oft verbunden mit Lahmheit und Druckempfindlichkeit. Die typische bogenförmige Verdickung nennt man Bowed Tendon.
Achte besonders auf diese Anzeichen, wenn Du beim täglichen Putzen die Beine abtastest:
- Vermehrte Wärme an der Sehne im Vergleich zum anderen Bein
- Weiche oder feste Schwellung an der Beinrückseite (Fesselbeuge bis Karpalgelenk)
- Druckempfindlichkeit beim vorsichtigen Abtasten
- Lahmheit, die nach Belastung zunimmt - manchmal auch nur leichtes Taktunreingehen
- Sichtbar bogenförmige Kontur der Sehne (Bowed Tendon)
Ein akuter Sehnenschaden tut weh, ein chronischer kann dagegen nahezu schmerzfrei sein und fällt erst durch die Verdickung auf. Tastest Du Wärme oder eine Schwellung, gilt: nicht abwarten, sondern den Tierarzt verständigen. Wie Du die Beine richtig kontrollierst und bandagierst, zeigt unser Ratgeber zum Pferd bandagieren.
Was sind die Ursachen für einen Sehnenschaden?
Sehnenschäden entstehen fast immer durch Überlastung - akut durch eine Fehlbelastung oder schleichend durch wiederholte Mikroverletzungen, die sich über Wochen aufsummieren.
Typische Auslöser im Stall- und Trainingsalltag sind tiefer oder rutschiger Boden, ungenügendes Aufwärmen, Ermüdung gegen Ende einer Einheit, abrupte Wendungen und Stopps sowie eine zu schnelle Trainingssteigerung. Auch ein ungleichmäßiger Hufbeschlag, Übergewicht oder altersbedingt nachlassende Elastizität des Gewebes erhöhen das Risiko. Bei jungen Pferden im Aufbau und bei Sportpferden mit hoher Belastung treten Sehnenschäden besonders häufig auf.
Vorbeugen kannst Du mit gründlichem Aufwärmen, langsamer Trainingssteigerung, gutem Boden und regelmäßiger Hufpflege. Wie ein gesunder Beschlag dazu beiträgt, liest Du im Ratgeber Hufeisen wechseln.
Was solltest Du bei Verdacht sofort tun?
Bei Verdacht auf einen Sehnenschaden gilt: Belastung sofort stoppen, das Bein kühlen und den Tierarzt rufen. Je früher die Diagnose, desto besser die Prognose.
In der akuten Phase haben sich diese Schritte bewährt:
- Box statt Bewegung: Das Pferd in die Box stellen und jede Belastung vermeiden.
- Kühlen: Das Bein mehrmals täglich mit kaltem Wasser oder einer Kühlgamasche kühlen, um Schwellung und Wärme zu reduzieren.
- Stützen: Eine sachgerecht angelegte Bandage oder Stallgamasche kann das Bein stabilisieren - nur, wenn Du das Bandagieren sicher beherrschst.
- Tierarzt rufen: Für die Ultraschall-Diagnose und das weitere Vorgehen ist die tierärztliche Untersuchung unverzichtbar.
Dass ein ungeplanter Tierarztbesuch keine Seltenheit ist, zeigen unsere eigenen Zahlen.
Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515, ridersdeal.com/reitsportstudie-2026) hatten 72,6% der Reiterinnen im vergangenen Jahr mindestens einen ungeplanten Tierarztbesuch. Eine kleine, griffbereite Stallapotheke mit Kühlmaterial und Bandagen gehört deshalb in jeden Stall.
Für die akute Phase und die Reha brauchst Du das passende Beinmaterial. Bei uns findest Du Stall-, Kühl- und Therapiegamaschen nebeneinander zum Vergleichen.
Therapiegamaschen ansehen ->Welche Gamaschen helfen bei Sehnenschaden beim Pferd?
Bei Sehnenschaden kommen vor allem Kühlgamaschen für die akute Phase und stützende Stallgamaschen für die Box-Ruhe zum Einsatz. Welche Variante passt, stimmst Du am besten mit Deinem Tierarzt ab.
Gamaschen heilen keinen Sehnenschaden - sie können die Behandlung aber sinnvoll begleiten, indem sie kühlen, das Bein stabilisieren oder vor erneuten Schlägen schützen. Diese Übersicht hilft Dir bei der Orientierung:
| Typ | Nutzen | Einsatz |
|---|---|---|
| Kühlgamasche | Reduziert Wärme und Schwellung | Akute Phase, nach Belastung |
| Stallgamasche | Stützt und schützt bei Boxenruhe | Reha-Phase, über Nacht |
| Bandage | Individuelle Stützung, nur mit Erfahrung | Akut, kurzfristig |
| Keramikfaser-Gamasche | Reflektiert Körperwärme, soll Durchblutung anregen | Begleitend in der Reha |
Bandagen bieten zwar eine sehr individuelle Stützung, sind bei falscher Wickeltechnik aber riskant, weil sie punktuell Druck auf die Sehne ausüben können. Im Zweifel ist eine anatomisch geformte Stallgamasche die sicherere Wahl. Eine größere Auswahl findest Du in der Kategorie Gamaschen, spezielle Modelle in den Therapiegamaschen.
Beliebt bei unserer Community
Zu den dauerhaft meistgekauften Beinschutz-Modellen bei RidersDeal gehören die Stallgamaschen Keramikfaser Anatomic, die Stallgamaschen Royal Deluxe sowie die einzeln erhältliche Kühlgamasche für die akute Phase. Alle drei findest Du in der Kategorie Gamaschen.
Wie lange dauert die Heilung und Reha?
Ein Sehnenschaden braucht in der Regel sechs bis zwölf Monate bis zur vollen Belastbarkeit. Sehnengewebe heilt sehr langsam, und die Reha bestimmt maßgeblich, wie stabil das Bein danach ist.
Die Heilung verläuft typischerweise in drei Phasen, die der Tierarzt per Ultraschall begleitet:
- Akutphase (ca. Woche 1-3): Boxenruhe, Kühlen, Entzündungsabbau.
- Reparaturphase (ca. Woche 4-16): Kontrollierte Schrittarbeit an der Hand, langsam steigend - exakt nach tierärztlichem Plan.
- Umbauphase (ab Monat 4-12): Belastung schrittweise erhöhen, regelmäßige Ultraschall-Kontrollen, langsamer Aufbau bis zur vollen Arbeit.
Der häufigste Fehler ist, die Arbeit zu früh zu steigern - dann reißt die noch junge Faserstruktur erneut. Geduld ist hier die wichtigste Medizin. Sanftes Aufbautraining wie Arbeit auf dem Balance Pad kann später helfen, Stabilität und Körpergefühl wieder aufzubauen - immer erst nach Freigabe durch den Tierarzt.
Kann man ein Pferd mit Sehnenschaden noch reiten?
In der akuten Phase darf ein Pferd mit Sehnenschaden nicht geritten werden. Ob und wann wieder geritten werden darf, entscheidet allein der Tierarzt anhand des Heilungsverlaufs.
Viele Pferde werden nach einer gut geführten Reha wieder voll belastbar und können auch wieder im Sport gehen. Entscheidend sind die Schwere des Schadens, die Disziplin in der Reha und ein realistischer Wiederaufbau. Reiten beginnt frühestens in der Umbauphase, meist im Schritt, und wird nur in kleinen Schritten gesteigert - oft begleitet von Physiotherapie.
Wie sehr Reiterinnen auf ergänzende Behandlungen setzen, zeigt unsere Studie: Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515) nutzen 86,5% der Befragten Physio, Osteopathie oder Akupunktur für ihr Pferd. Gerade in der Reha nach einem Sehnenschaden ist diese fachliche Begleitung Gold wert.
Sehnenschaden nach Situation: Worauf es ankommt
Turniersportlerin
Hohe Belastung erhöht das Rückfallrisiko. Plane den Wiederaufbau besonders langsam und investiere in guten Beinschutz für das Training, zum Beispiel aus dem Bereich Dressurgamaschen.
Seniorenpferd-Besitzerin
Ältere Sehnen sind weniger elastisch und brauchen mehr Zeit. Setze auf moderate, regelmäßige Bewegung - mehr dazu im Ratgeber Seniorenpferd fit halten.
Wie kann ich mein Pferd nach einem Sehnenschaden aufbauen?
Der Aufbau nach einem Sehnenschaden gelingt durch kontrollierte, langsam steigende Bewegung kombiniert mit einer bedarfsgerechten Fütterung. Beides sollte mit Tierarzt und Physiotherapeut abgestimmt sein.
Beim Futter geht es vor allem um eine ausgewogene Grundversorgung mit Eiweiß, Mineralstoffen und Spurenelementen, die den Gewebeaufbau unterstützen kann. Ergänzungsfuttermittel werden in der Reha häufig empfohlen - sie sind aber kein Ersatz für Geduld und einen sauberen Trainingsaufbau. Lass Dich zur passenden Ration von Deinem Tierarzt beraten, und wirf einen Blick in unseren Ratgeber zur richtigen Fütterung.
Beim Bewegungsaufbau zählt jeder Schritt: kontrollierte Schrittrunden an der Hand, später leichtes Gymnastizieren und Bodenarbeit. Spezielle Therapieprodukte aus dem Bereich Back on Track werden in der Reha gern ergänzend eingesetzt. Wichtig bleibt: Steigere nur, wenn das Bein kalt und schwellungsfrei ist.
Stimmen aus der RidersDeal-Community
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Häufige Fragen zum Sehnenschaden beim Pferd
Ist ein Sehnenschaden beim Pferd heilbar?
Sehnengewebe kann sich regenerieren, erreicht aber selten die ursprüngliche Struktur. Mit konsequenter Reha werden viele Pferde wieder voll belastbar. Die Prognose hängt von Schwere und Verlauf ab und wird vom Tierarzt eingeschätzt.
Wie lange dauert die Schwellung bei einem Sehnenschaden?
Die akute Schwellung geht oft innerhalb von ein bis drei Wochen zurück, sofern konsequent gekühlt und das Bein geschont wird. Eine bleibende Verdickung der Sehne kann jedoch dauerhaft sichtbar bleiben.
Welche Gamaschen sind bei Sehnenschaden sinnvoll?
In der akuten Phase sind Kühlgamaschen sinnvoll, in der Box-Ruhe stützende Stallgamaschen. Welches Modell passt, stimmst Du mit dem Tierarzt ab. Eine Auswahl findest Du in der Kategorie Gamaschen und bei den Therapiegamaschen.
Kann ich mein Pferd mit Sehnenschaden auf die Weide stellen?
In der Akutphase ist Boxenruhe nötig, freie Weidebewegung wäre zu riskant. Kontrollierter Weidegang auf kleiner, ebener Fläche kann später Teil der Reha sein - aber nur nach Freigabe durch den Tierarzt.
Vom Kühlen in der Akutphase bis zum stützenden Beinschutz in der Reha - bei RidersDeal findest Du den passenden Schutz für jedes Stadium.
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