Richtige Fütterung Pferd: Grundlagen, Mengen und häufige Fehler
Die richtige Fütterung Deines Pferdes ist die Grundlage für Gesundheit, Leistung und ein langes Leben. Und trotzdem entstehen in Sachen Pferdefütterung täglich Fehler, die gut gemeint sind, aber dem Pferd schaden: zu viel Kraftfutter, zu wenig Raufutter, falsches Timing. Dieser Ratgeber erklärt Dir, worauf es bei der täglichen Fütterung wirklich ankommt, welche Mengen sinnvoll sind und welche Fehler Du aktiv vermeiden solltest.
Reitsport-Autorin & Pferdebesitzerin · Aktualisiert: Mai 2026
Was braucht ein Pferd täglich - die Grundlagen der richtigen Fütterung?
Ein Pferd ist ein Steppentier und von Natur aus darauf ausgelegt, bis zu 16 Stunden täglich zu fressen - fast ausschließlich Gras und Raufutter. Die richtige Fütterung orientiert sich an diesem Grundprinzip: viel Raufutter, wenig Kraftfutter, stetiger Futterfluss.
Die drei Säulen der Pferdefütterung sind: Raufutter (Heu, Gras), Kraftfutter (nur bei Bedarf) und Mineralien. Wasser zählt selbstverständlich dazu - ein ausgewachsenes Pferd trinkt täglich 30 bis 50 Liter. Wer diese Reihenfolge im Kopf behält, vermeidet die meisten Fütterungsfehler schon im Vorfeld.
Entscheidend ist außerdem die Häufigkeit: Pferde haben einen kleinen Magen (ca. 10-15 Liter Fassungsvermögen) und einen empfindlichen Verdauungstrakt. Mehrere kleine Mahlzeiten - mindestens drei Heugaben täglich - sind einer großen Ration am Morgen und einer am Abend deutlich überlegen.
Wie viel Heu braucht ein Pferd am Tag?
Die Faustregel: 1,5 bis 2 kg Heu je 100 kg Körpergewicht und Tag. Ein 500-kg-Warmblut braucht also mindestens 7,5 bis 10 kg Heu täglich - das ist die wichtigste Einzelregel der Pferdefütterung.
Weniger Heu bedeutet mehr Magenprobleme. Ein Pferd, das zu wenig Raufutter bekommt, entwickelt mit höherer Wahrscheinlichkeit Magengeschwüre, weil die Magensäure nicht mehr ausreichend von Speichel und Futterbrei gepuffert wird. Der Speichelfluss wird beim Kauen angeregt - und Pferde kauen ausschließlich beim Fressen von Raufutter so intensiv wie nötig.
Viele Pferdebesitzerinnen fragen, ob Heu allein als einziges Futter reicht. Die Antwort ist: In vielen Fällen ja - jedenfalls für Freizeitpferde mit wenig oder moderater Belastung. Kraftfutter ist nur bei erhöhtem Energiebedarf nötig, also bei intensiver Arbeit, in der Trächtigkeit oder beim Aufbau von Untergewicht. Wer hingegen ein gesundes Freizeitpferd mit qualitativ gutem Heu und einem geeigneten Mineralfutter versorgt, braucht oft kein einziges Kilogramm Kraftfutter hinzuzufügen.
Wann ist Kraftfutter für Pferde sinnvoll - und wann nicht?
Kraftfutter (Müsli, Pellets, Hafer, Gerste) liefert konzentrierte Energie. Es ist sinnvoll, wenn ein Pferd durch Arbeit, Trächtigkeit oder Erkrankung mehr Kalorien benötigt, als Heu allein liefern kann.
Kraftfutter ist in diesen Situationen sinnvoll:
- Turnierpferde oder Sportpferde mit intensivem Trainingspensum
- Tragende oder säugende Stuten
- Untergewichtige Pferde im Aufbau
- Pferde mit schlechter Futterkonversion (z.B. alte Pferde mit nachlassender Verdauung)
- Jungpferde im Wachstum mit entsprechendem Energiebedarf
Kraftfutter ist nicht sinnvoll bei leicht arbeitenden Freizeitpferden, bei Pferden, die bereits Übergewicht haben, oder wenn das Heu von ausreichend guter Qualität und Menge ist. Viele Pferde im Breitensport bekommen deutlich mehr Kraftfutter als sie benötigen - das erhöht das Koliken- und Hufrehe-Risiko.
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Die empfohlene Menge liegt bei maximal 0,3 bis 0,5 kg Kraftfutter pro 100 kg Körpergewicht und Tag. Ein 500-kg-Pferd sollte also nicht mehr als 1,5 bis 2,5 kg Kraftfutter täglich erhalten - und das verteilt auf mindestens zwei Mahlzeiten.
Wichtig: Kraftfutter darf nie auf nüchternen Magen gegeben werden. Immer zuerst Heu füttern, damit der Magen ausreichend gepuffert ist. Die Verdauungsphysiologie des Pferdes ist so ausgelegt, dass konzentriertes Futter nur dann gut verarbeitet wird, wenn der Raufutter-Anteil im Magen bereits vorhanden ist.
Wie viel Kraftfutter ein Pferd täglich bekommen sollte, hängt außerdem von der Energiedichte des jeweiligen Futters ab. Hafer hat eine andere Energiedichte als Müsli oder Pellets - immer die Herstellerangaben auf der Verpackung als Ausgangspunkt nehmen und individuell anpassen.
| Nutzung | Kraftfutter-Menge | Empfehlung |
|---|---|---|
| Leichte Freizeit (1-2x/Woche) | 0 bis 0,5 kg | Heu + Mineralfutter genügt oft |
| Mittlere Arbeit (3-4x/Woche) | 0,5 bis 1,5 kg | Je nach Körperzustand |
| Intensiver Sport / Turnier | 1,5 bis 2,5 kg | Auf mehrere Mahlzeiten verteilen |
| Trächtigkeit / Aufbau | Individuell nach Tierarzt | Proteingehalt beachten |
Was passiert bei zu viel Kraftfutter beim Pferd?
Zu viel Kraftfutter ist einer der häufigsten und gefährlichsten Fehler in der Pferdefütterung. Unverdaute Kohlenhydrate gelangen in den Dickdarm, vergären dort und können eine lebensbedrohliche Kolik oder Hufrehe auslösen.
Die Folgen von dauerhaft zu viel Kraftfutter können sein:
- Hufrehe: Durch Vergärung von überschüssiger Stärke im Dickdarm entstehen Giftstoffe, die die Blutgefäße im Huf angreifen können
- Kolik: Gaskolik oder Verstopfungskolik durch Darmflorastörungen
- Verhaltensveränderungen: Kraftfutter-Überschuss kann zu Unruhe, Hotness oder schlechter Konzentration führen
- Übergewicht: Häufig unterschätztes Problem, das die Gelenke belastet
- Magengeschwüre: Paradoxerweise kann zu viel Kraftfutter bei gleichzeitig zu wenig Heu Magengeschwüre begünstigen
Laut RidersDeal Reitsport-Studie 2026 (n=3.515, ridersdeal.com/reitsportstudie-2026) haben 43,6% der Reiterinnen das Futter ihres Pferdes in den letzten 12 Monaten umgestellt - und 28,8% gaben an, mehr Ergänzungsmittel eingesetzt zu haben. Das zeigt: Die Bereitschaft, beim Thema Fütterung umzudenken, ist in der Community vorhanden. Und oft beginnt das Umdenken damit, das Kraftfutter zu reduzieren und die Raufutterversorgung zu verbessern.
Welches Mineralfutter braucht mein Pferd?
Selbst das beste Heu kann Mineralstoffmangel nicht vollständig verhindern - der Mineralstoffgehalt von Heu ist stark vom Standort, der Ernte und der Lagerung abhängig. Ein geeignetes Mineralfutter rundet jede Heurationsgrundlage sinnvoll ab.
Zu den wichtigsten Mineralstoffen beim Pferd gehören Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium und Spurenelemente wie Zink, Kupfer und Selen. Fehlt beispielsweise Magnesium über längere Zeit, kann sich das in Nervosität, Muskelzittern oder schlechter Rittigkeit äußern.
Bei RidersDeal gehören Pellet-Supplemente zu den meistgekauften Produkten für Pferde. Das Magnesium Forte Pellets von Waldhausen (1 kg) ist das in den letzten 12 Monaten meistgekaufte Supplement in dieser Kategorie - gefolgt vom Biotin Forte Pellets, das sich positiv auf Huf und Fell auswirken könnte. Für Pferde mit speziellen Anforderungen, etwa Senioren oder empfindliche Mägen, könnten die Mineral Secure + Produkte von RidersChoice eine gute Option sein.
Mehr dazu, welche Mineralfutter für welches Pferd passen, erfährst Du in unserem ausführlichen Ratgeber: Mineralfutter für Pferde - welches braucht Dein Pferd wirklich?
Mineralfutter nach Pferd und Situation - was passt zu Dir?
Freizeitreiterin
Ein gutes Basis-Mineralfutter reicht in den meisten Fällen aus. Lecksteine als Ergänzung können sinnvoll sein, ersetzen aber kein vollwertiges Mineralfutter. Lies dazu auch unseren Ratgeber über Leckstein beim Pferd.
Seniorenpferd-Besitzerin
Ältere Pferde haben einen veränderten Stoffwechsel und können Nährstoffe schlechter aus dem Futter aufnehmen. Spezielle Senior-Mineralfutter mit erhöhtem Proteingehalt und leicht verdaulichen Trägern könnten helfen. Tipps für das Seniorenpferd findest Du hier.
Turniersportlerin
Sportpferde brauchen eine angepasste Mineralstoffversorgung, die dem erhöhten Verbrauch durch Schwitzen und Belastung Rechnung trägt. Natrium, Kalium und Magnesium stehen hier an erster Stelle.
Ist Leinöl als Futterzusatz für Pferde sinnvoll?
Leinöl ist unter Reiterinnen eines der beliebtesten Futterzusätze - und das aus gutem Grund: Es liefert hochwertige Omega-3-Fettsäuren und könnte Fell, Haut und Gelenke unterstützen, wenn es regelmäßig eingesetzt wird.
Das meistgekaufte Leinöl bei RidersDeal ist das Leinöl von Stiefel (1 Liter) - in den letzten 12 Monaten rund 300-mal gekauft und damit mit Abstand Bestseller in dieser Kategorie. Daneben ist das Leinöl kalt gepresst von Bense & Eicke sehr beliebt. Für alle, die eine RidersChoice-Alternative bevorzugen: Das Leinöl Secure+ von RidersChoice (1 Liter) ist speziell für Pferde mit sensiblem Verdauungstrakt konzipiert.
Die übliche Dosierung liegt zwischen 50 und 100 ml täglich, je nach Körpergewicht des Pferdes. Leinöl sollte langsam eingewöhnt werden, also in der ersten Woche eine kleinere Menge geben und steigern. Alles Weitere zum Thema erklärt unser Ratgeber: Leinöl für Pferde - Dosierung, Wirkung und worauf Du achten solltest.
Häufige Fütterungsfehler - und wie Du sie aktiv vermeidest
Die häufigsten Fütterungsfehler bei Pferden sind nicht mangelndes Wissen, sondern fehlende Konsequenz im Alltag. Diese Fehler kommen immer wieder vor - und alle lassen sich mit einfachen Anpassungen beheben.
- Zu wenig Heu: Die häufigste Ursache für Magenprobleme und schlechte Darmgesundheit. Mindestens 1,5 kg pro 100 kg Körpergewicht täglich - konsequent.
- Kraftfutter auf nüchternem Magen: Immer zuerst Heu, dann frühestens 30 Minuten später Kraftfutter.
- Zu große Kraftfutterportionen auf einmal: Maximal 0,3 kg pro 100 kg Körpergewicht pro Mahlzeit - lieber zweimal täglich wenig als einmal viel.
- Schimmeliges oder schlechtes Heu: Heu regelmäßig auf Schimmel, Staub und Fremdkörper prüfen - schlechtes Heu schadet mehr als kein Kraftfutter nützt.
- Futterwechsel ohne Eingewöhnung: Jede Futterumstellung braucht mindestens 10 bis 14 Tage - zu schnelle Wechsel destabilisieren die Darmflora.
- Kein Mineralfutter bei Heu-only-Fütterung: Auch qualitativ gutes Heu deckt nicht alle Mineralien ab. Eine gute Mineralfutter-Grundversorgung ist Pflicht.
Einen weiteren hilfreichen Artikel rund um die richtige Raufutterversorgung findest Du hier: Mash für Pferde - wann und wie oft sinnvoll?
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Häufige Fragen zur richtigen Pferdefütterung
Kann man ein Pferd nur mit Heu füttern?
Für Freizeitpferde ohne intensive Belastung ist eine Heu-only-Fütterung in vielen Fällen ausreichend - vorausgesetzt, das Heu ist von guter Qualität und ein passendes Mineralfutter wird ergänzt. Kraftfutter ist nur dann nötig, wenn der Energiebedarf durch Raufutter allein nicht gedeckt werden kann.
Wie viel Kraftfutter pro Mahlzeit ist beim Pferd maximal sinnvoll?
Pro Mahlzeit sollte die Kraftfuttermenge 0,3 kg je 100 kg Körpergewicht nicht überschreiten - also maximal 1,5 kg für ein 500-kg-Pferd pro Fütterung. Größere Mengen auf einmal überlasten den Magen und können zu Vergärungen im Dickdarm führen.
Ist Hafer gut für den Muskelaufbau beim Pferd?
Hafer liefert schnell verfügbare Energie und ist eine der ältesten Kraftfutterquellen für Pferde. Für den Muskelaufbau entscheidend ist jedoch nicht allein die Energiemenge, sondern die Eiweißqualität - Hafer hat zwar einen guten Aminosäurengehalt, reicht für gezielte Muskelförderung aber allein oft nicht aus. Sportpferde profitieren zusätzlich von gezielten Protein-Supplementen.
Wann sollte ich das Futter meines Pferdes umstellen?
Eine Futterumstellung ist sinnvoll, wenn sich Körperkondition, Leistungsniveau oder Gesundheitszustand des Pferdes verändern - beispielsweise beim Übergang von Sommer- zu Wintersaison, bei Gewichtsveränderungen oder nach einer Erkrankung. Jede Umstellung sollte über mindestens 10 bis 14 Tage erfolgen.
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