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Reiten in der Schwangerschaft – wie lange darf ich das?

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Reiten in der Schwangerschaft – wie lange darf ich das?
Von Tatjana von RidersDeal Vor 2 Monaten 80973 mal gelesen 5 Kommentare

Reiten und Schwangerschaft - passt das zusammen? Unsere Tatjana hat bereits zwei Schwangerschaften hinter sich und hat einige Gleichgesinnte gefragt: „Reiten in der Schwangerschaft – wie lange darf ich das?“
Verschiedene Meinungen zu diesem Thema findet Ihr in diesem Beitrag.

Reiterinnen. Vieles wird Ihnen zugeschrieben. Zahlreiche Artikel á la „Wie hält man es aus mit einer Reiterin“ oder „Wie muss er sein, der Reiter-Mann“ kursieren im Internet. Aber die Wahrheit ist, eigentlich sind wir gar nicht anders als alle andren und irgendwann findet sich auch für jede Reiterin der passende Deckel. Und dann nimmt auch bei jeder Reiterin das Leben seinen Lauf. Früher oder später glitzert vielleicht ein schmucker Ring am Finger und die Hochzeitsglocken läuten. Ja und dann? Dann kündigt er sich an - erst sind es zwei Striche, ein weißer Punkt auf einem schwarzen Bild oder auch veränderte Essgewohnheiten – der Reiternachwuchs. Die Freude ist groß. Schnell an den Stall, schnell aufs Pferd und zur Feier des Tages erstmal eine Runde Seele baumeln lassen und diese Neuigkeit verarbeiten. Ja, wir Reiterinnen teilen halt alles mit unserem Vierbeiner. Auch diesen besonderen Moment. Doch gerade dann dauert es nicht lange bis sich diese eine, diese große Frage stellt „Schwanger reiten - ja oder nein?“

Und leider gibt es hier, wie für viele Fragen in der Reiterei, kein Patentrezept. Die großen Suchmaschinen im Netz liefern viele Ergebnisse, jedoch keine klare Antwort. Auch das Zurate ziehen des Frauenarztes bringt kein Seelenheil. Der eine hat keinerlei Bedenken, der nächste fällt fast vom Stuhl bei diesem Thema. Kann denn nicht einfach irgendwer, am besten mit 10 Doktortiteln, sagen „Ja, Du darfst reiten!“ Nein. Leider nicht. Und so muss jede Reiterin für sich und das Baby entscheiden. Wir haben einige Reiterinnen befragt wie sie das gehandhabt haben oder aktuell handhaben. Lest selbst:


  • Svenja von @two_dark_horses_and_more

    Meinen letzten Ausritt vor dem Kaiserschnitt habe ich am 21. Mai gemacht. Das war SSW 36+4. Bis zu diesem Ausritt hatte ich immer das Gefühl es ist alles prima und es zwickt nix. An dem besagten Tag habe ich das erste Mal gedacht: "oh es fühlt sich anders an". Ein paar Tage später hat mir der Frauenarzt dann bestätigt, dass das Köpfchen im Becken sitzt und von da an war das Thema Reiten für mich auch erstmal auf Eis gelegt. Grundsätzlich bin ich seit Dezember nur noch mein "Verlasspferd" Grubas geritten. Meinen Jungspund Chipego Grande habe ich reiten lassen. Er ist 5 und fährt gerne mal aus der Hose *lach*. Und weil ich das weiß, habe ich das Risiko abgegeben und meine Trainerin reiten lassen. Mit Grubas bin ich auch noch bis SSW 24+3 gesprungen, wenn auch nicht mehr so hoch aber ein paar gemütliche Runden im Parcours haben wir mit Kugel gemeistert.

29. Schwangerschaftswoche: Dank Reitleggings klappt das Reiten in der Schwangerschaft ganz komfortabel


  • Anna-Lena von @el_kantano

    In der Schwangerschaft bin ich bis zum vierten Monat geritten. Auch nicht oft, da es mir Kreislauf bedingt nicht gut ging. Von Mal zu Mal hatte ich immer mehr ein mulmiges Gefühl in den Sattel zu steigen. Zum Einen, weil immer etwas passieren kann (Pferd stolpert oder erschreckt sich) und zum Anderen weil ich vermutlich nie mehr mit meinem Pferd glücklich geworden wäre, wenn etwas mit meinem Baby passiert wäre. Es fiel mir relativ schwer nicht mehr zu reiten, da ich für meinen Wallach auch keinen anderen Reiter in dieser Zeit hatte. Dennoch war ich eigentlich jeden Tag selbst im Stall, um mit ihm vom Boden aus zu arbeiten. Anmerkung der Redaktion: Anna-Lena war tatsächlich bis in die 42. Woche schwanger und bis zum Schluss jeden Tag bei El Kantano (y) Stark!



  • Tessy von @tessybluesky

    Ich hab von Anfang an gesagt, dass ich reiten werde, so lange ich mich gut fühle, und ich habe auch immer zwischendrin bemerkt, dass etwas fehlt und ich unzufrieden war, wenn ich mal ein paar Tage ausgesetzt habe.

    Ich hatte zwei schöne Turniere im Visier, einmal 12. und einmal 21. SSW, die wollte ich unbedingt noch schaffen. Letztendlich konnte ich (mit Hilfe beim Abreiten) sogar in der 26. Woche noch einmal starten. Danach habe ich aber mit Schnibbi aufgehört, weil ich ja den Beritt für ihn hatte und da nicht mit "rumdümpeln" reinpfuschen wollte.

    Die Schlümpfe bin ich aber immer noch 1-2x pro Woche ein halbes Stündchen geritten. Die Kleine im Bauch hat vor allem Navys weichen, regelmäßigen Galopp geliebt, das hat mir so gut getan. Zuletzt saß ich 8 Tage vor der Entbindung in allen 3 GGA auf Khalif.

Tessy und ihr Seelenpferd Navy 3 Tage vor der Entbindung

  • Tatjana von @kruemels_on_tour

    Schon zu Beginn meiner Schwangerschaft habe ich mich mit meinem Partner hingesetzt und wir haben uns über das Thema unterhalten. Wie bei allem, wollte ich, dass er hinter mir steht und wir die Entscheidung gemeinsam treffen. Er hatte von Beginn bis Ende, jederzeit die Möglichkeit die Bremse zu ziehen und mich vom Pferd zu holen. Wir waren einer Meinung – Reiten mit Sinn und Verstand sollte kein Problem sein. Schließlich muss auch eine werdende Mami mal den Kopf frei bekommen. In der 11. SSW verabschiedete ich mich vom Geländespringen. Von da an stand viel Dressurarbeit und Ausreiten auf dem Plan.

    Anfang August war dann Schluss mit lustig. Bedingt durch die Zwillings-Schwangerschaft in Kombination mit der Muskelarbeit beim Reiten hat sich mein Gebärmutterhals verkürzt. Ich entschied mich für einen klaren Schlussstrich. Also standen jetzt gemütliche Spaziergänge auf dem Plan. Mein Pony wurde fleißig von meiner tollen Reitbeteiligung weitergearbeitet. Während ich immer dicker wurde, sorgte sie dafür, dass das Pony nicht komplett vermoppste.

35. Schwangerschaftswoche: Eine gute Reitbeteiligung ist Gold wert!

Ich würde es jederzeit wieder so machen. Man sollte auf das eigene Bauchgefühl hören. Schließlich kennt man sich und das liebe Pferdetier am Besten. Wichtig ist immer: Man ist nicht mehr alleine und muss stets auch auf das kleine Würmchen achten.

  • Michaela

    Ich bin bis zum 6. Monat geritten und habe mich dabei immer sehr wohl gefühlt. Meine Stute ist sehr brav und daher hatte ich keine Bedenken. Mein Frauenarzt hat immer gesagt, dass ich reiten kann so lange ich mich wohl fühle, ich soll einfach ruhiger machen. Gesprungen bin ich ab dem Zeitpunkt als ich wusste, dass ich ein Baby erwarte, nicht mehr.

    Als ich dann nach dem Urlaub wieder in den Stall kam, kam ich mit dem großen Bauch kaum mehr auf mein Pferd. Da war dann klar, dass ich es lasse. Da ich zwei super Mädels als Reitbeteiligungen habe, war das kein Problem. Ich bin trotzdem regelmäßig in den Stall gefahren und hab einfach geputzt und zugeschaut. Ganz ohne geht es einfach nicht.

Und jetzt seid Ihr dran! Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Wir freuen uns über weitere Erfahrungsberichte.

Baby on Board: Nachwuchsdressurreiter im Anflug

Bianca Vor 4 Jahren um 14:40
Ich bin bis um die 20 Schwangerschaftswoche geritten. Meine Frauenärztin hatte damit kein Problem und sagte, solange ich mich wohlfühlen würde, soll ich ruhig reiten. Anfangs haben wir noch ganz normal trainiert, zum Schluss gab es nur noch Spazierritte. Dann durfte ich aufgrund starken Magnesium-Mangels mit damit verbundener leichter Wehentätigkeit nicht mehr. Das fiel mir anfangs wirklich schwer. Dennoch war ich fast täglich im Stall, bin mit meiner Stute spazieren gewesen oder habe Longiert oder Bodenarbeit gemacht. Bis zum Geburtstermin habe ich so oft es ging selber gemistet. Es hat dann zwar alles länger gedauert, aber mir hat das unheimlich gut getan.
Carmen Vor 4 Jahren um 12:55
Laut meinem Frauenarzt sollte ich solange reiten, wie ich nich Wohlfühle .Bis zum 7 ten Monat habe ich noch komplett geritten.Dann habe ich gemerkt das es mit dem Bauch einfach unangenehm wird..Im April wurde meine maus heborgen und im juni saß ich wieder auf dem Pferd.
FS Vor 4 Jahren um 22:31
Vier Stunden bevor meine Tochter gekommen ist, saß ich noch auf dem Pferd. Mein Trainer hatte Sorge, ich würde in die Klinik reiten.
Ich würde es immer wieder so machen, eine Tag ging es besser, einen Tag schlechter. Dann bin ich halt nur Schritt geritten.
Julia Vor 4 Jahren um 14:05
Ich habe aktuell von meiner FÄ und Hebamme das okay für's Reiten in der Schwangerschaft. Aus diesem Grund werde ich so lange reiten, wie ich mich wohlfühle. Aktuell bin ich in der 28.SSW, nächste Woche beginnt damit der 8.Monat. Ich reite noch in allen 3 GGA Dressur, aussitzen im Trab tue ich aber meistens nicht mehr, da mein Pferd sehr schwungvolle Gänge hat. Ausreiten tue ich alleine auch schon länger nicht mehr. Wirklich gesprungen bin ich seitdem wir von der Schwangerschaft wissen auch nicht mehr. Lediglich ein paar Mini Geländesprünge habe ich vor einigen Wochen nochmal gemacht, als Abschied bis zum nächsten Jahr. Dafür wird viel Dressur geritten, auch mal mit Trab und Galoppstangen, Longenarbeit und Bodenarbeit gemacht. Mein Mann lernt zur Zeit auch reiten, ich habe eine tolle RB und eine Freundin wird zusätzlich ab Mitte Oktober noch mit Korrektur reiten.
Michi Vor 4 Jahren um 13:23
Auch ich (jetzt ca. 1 1/2 Wochen vor ET) stand zu Anfang der Schwangerschaft vor der Frage, wie lange ich noch reiten sollte. Google und Ratgeber geben darauf ja eine schnelle und einfache Antwort: GAR NICHT. Das finde ich auch nicht wirklich verwerflich, immerhin kann immer was passieren und das Pferd kann sich immer erschrecken. Bei einem Sturz zu riskieren, dass mit dem Kind was passiert wäre eine Tatsache, die mein Partner und mich wohl nicht mehr so froh werden lassen würde.
Reiten ist ja generell kein ungefährlicher Sport.
Denoch hat man ja schon dieses gewisse Verlangen und die Motivation, so oft es geht in den Sattel zu steigen.
Wie viele wahrscheinlich auch war ich also hin und hergerissen.
Letzendlich habe ich mich dafür entschieden,nach ca 5 Monaten nicht mehr in den Sattel zu steigen, da der Bauch dann zunehmend sichtbarer wurde und das bei mir im Kopf sowas ausgelöst hat wie "Ja, okay, da ist was vorne dran, das will beschützt werden. Dem soll nix passieren, auch nicht aus Versehen." Es besteht ja kein Grund, sich dann komplett aus dem Stall zu verbannen. Mir halfen dann Bodenarbeit, lange Spatziergänge etc.
Ich kann nicht sagen, dass es leicht war auf das Reiten zu verzichten. Oft hatte ich Sehnsucht, besonders weil ich noch aktiv war und bin und Bewegung guttut.
Es ist klar, dass sich mit der Schwangerschaft auch die Bauchmuslulatur verändert und das das Reiten oder das Gefühl beim Reiten beeinflussen kann. Mir ist zum Schluss aufgefallen, dass lange aussitzen schonmal anstrengend werden kann. Schritt und Galopp waren dann fürs Kind irgendwie angenehmere Alternativen :D
Auch wenn ich, vergleichsweise zu dem was hier teilweise gesagt wurde, früh ausgestiegen bin bleibt zu sagen: Eine Schwangerschaft ist bei jedem individuell. Sollte man Schnerzen haben ist ja klar, dass man sich nicht mehr aufs Pferd schwingt, aber man hat auch dem Ungeborenen gegenüber eine Verantwortung und die sollte man nicht ausnutzen! Egal wie gut man sein Pferd kennt, egal wie gut man sonst jedes gebocke sitzen kann, es kann immer etwas passieren und ich denke, dass keiner das so leicht wegstecken würde im dramatischsten Falle sein Kind verloren zu haben, weil man nicht verzichten konnte und ungünstig gefallen ist.
Jede Reiterin muss den Punkt für sich selbst finden, an dem sie den Sattel meidet. Jede Reiterin muss sich auch bewusst sein, dass sie es für ihr Kind tut(!) nicht für sich und das ja auch der Zeitpunkt kommt, an dem man wieder fliegen kann :)