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Pferde als Seelenöffner in der Reitpädagogik

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Pferde als Seelenöffner in der Reitpädagogik
Von Anja O. Vor 5 Monaten 445 mal gelesen Keine Kommentare

Besonders Jugendlichen fällt es schwer, sich über ihre Gefühle auszutauschen. Die Pubertät ist ohnehin eine schwierige Phase. Alles sortiert sich neu, die Ablösung der Eltern beginnt, die Jugendlichen sind dabei ihren eigenen Weg zu finden. Sie probieren sich aus, tun gefährliche und sinnlose Dinge, sind motzig, verbarrikadieren sich. Die Eltern sind meist völlig peinlich und haben keine Ahnung ;-).
Das Gehirn ist eine Großbaustelle. Kommen nun noch psychische Erkrankungen hinzu, gerät das Gefühlsleben der Jugendlichen völlig aus den Bahnen.

Die Pferde können die Jugendlichen ins Hier und Jetzt holen. Selbst eine Stunde mit dem Pferd reicht, um sich ganz auf sich zu konzentrieren.
In meinen Reitpädagogik Stunden stelle ich immer wieder die faszinierende Gabe der Pferde fest. Sie verraten mir die Gefühlswelt meiner Klienten in dem sie diese spiegeln. Sie machen es mir so leichter einen Zugang zu diesen zu erlangen.
So z.B. das Beispiel mit einer 15-Jährigen. Die Mutter meldet ihre Tochter zur Reitpädagogik Stunde an. Es kommt ein sehr selbstbewusstes und fröhlich wirkendes Mädchen auf mich zu, fragt welches Pferd sie reite, sagt Sie habe bereits Erfahrungen und kenne sich im Umgang mit den Pferden aus. Ich lasse sie ein Pferd putzen und beobachte. Währenddessen unterhalte ich mich erst einmal mit der Mutter. Diese erzählt mir, dass ihre Tochter vorallem in der Schule Probleme hat. Sie pöbelt andere Kinder an, ist frech zu den Lehrern und verweigert die Arbeit. Ständig rufen die Lehrer zu Hause an und beschweren sich. Es folgen mehrere Klassenkonferenzen, Beurlaubungen. Mittlerweile ist das Mädchen in einer Psychotherapie und krank geschrieben. So richtig voran geht es jedoch in der Therapie nicht. Die Idee einer tiergestützten Einheit mit Pferden entsteht.
Während meiner Beobachtung sehe ich, dass das Pferd die Ohren anlegt und dem Mädchen droht. Es weicht zu Seite und ist unruhig. Ich wartete einen guten Moment ab und sprach das Mädchen an, was los sei und ob es ihr nicht so gut gehe. Wir kamen vorsichtig ins Gespräch nach dem sie etwas irritiert war, woher ich denn wissen würde, dass es ihr nicht gut geht. Ich erklärte ihr, dass die Pferde das merken und darauf mit ihrer Körpersprache reagieren. Die Pferde merken, wenn der Mensch einen erhöhten Puls hat, angespannt ist, Angst hat oder wütend ist. Die Pferde spiegeln Dir Deine Gefühlswelt. Ich konnte also am Pferd ablesen, dass das Mädchen sehr unter Anspannung steht, obwohl man es so nach außen hin nicht merkt.

Man kann so viel von den Pferden lernen, die eigenen Verhaltensweisen reflektieren und mit ein wenig Übung die neu erlernten Verhaltensweisen auf den Alltag übertragen. Während der nächsten Stunden konnte sich das Mädchen immer mehr öffnen und musste ihre verletzte Seele nicht mehr hinter einer riesigen Mauer aus Wut und Aggressionen verstecken. Man fühlte die Erleichterung, dass sie nun endlich mit jemandem über ihre wahren Gefühle reden konnte. Sie hat Existenzängste, nicht gemocht und gesehen zu werden, nichts wert zu sein, Schuldgefühle. Nach der Trennung der Eltern, als Sie 10 Jahre alt war, baute sie sich schrittweise diese Mauer auf. Je mehr sie sich diese Schutzmauer innerlich aufbaute, desto mehr verbarg sie ihre wahren Gefühle. Für viele Jugendliche bedeutet Gefühle zu zu lassen, die nichts mit Freude oder Mut zu tun haben, „Schwäche“. Sie wollen natürlich unter keinen Umständen vor Freunden oder anderen Menschen so da stehen. In Wahrheit ist es doch aber genau das Gegenteil. Es ist verdammt mutig und stark sich Hilfe zu holen und an seinen wahren Gefühlen zu arbeiten.

Wer Fragen zu diesem Thema hat, kann gerne auf meiner Homepage www.paedagogische-reitschule.de oder auf meinem Instagramm Account @anjaopitzmunstermann vorbeischauen und mich kontaktieren. Auch hier wird es immer wieder Kurzbeiträge zu den Reitpädagogik Stunden geben. Nächstes Thema: Bindungsarbeit in der Reitpädagogik


#teamridersdeal bedankt sich bei Anja für diesen interessanten Beitrag! Wir sind begeistert von Deiner Arbeit. :-)