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Interview mit Dr. Kerstin Oberbeck

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Interview mit Dr. Kerstin Oberbeck
Von RidersDeal Vor 2 Jahren 5846 mal gelesen Keine Kommentare

Heiße Tipps für die richtige Abkühlung

Dr. Kerstin Oberbeck

Seit über 20 Jahren ist Kerstin Oberbeck als renommierte Tierärztin in der Pferdeklinik Fister in Bilsen tätig. Sie promovierte an der TiHo Hannover und verbrachte zuvor einige Zeit in den USA.


Frau Dr. Oberbeck, was sollte man bei heißen Temperaturen beachten?

„Pferde schwitzen sehr viel schneller und intensiver als Menschen, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Die normale Temperatur eines Pferdes liegt übrigens etwas höher als beim Menschen, nämlich zwischen 37 und 38 Grad Celsius. Eine Körpertemperatur von über 40 Grad Celsius schlägt auf den Kreislauf des Pferdes und die Muskulatur wird nicht mehr ausreichend durchblutet.“


Bis zu welchen Temperaturen darf ich normal reiten und worauf muss ich beim täglichen Weidegang achten?

„Bei bis zu 25 Grad Celsius Außentemperatur ist ein normales Reittraining und ganztägiger Weidegang unbedenklich. Ab 30 Grad Celsius wird der Kreislauf des Pferdes deutlich mehr beansprucht. Hitze ist aber nicht gleich Hitze, denn da spielt auch die Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle. Ist sie zu hoch, werden Pferde schneller kurzatmig und können nicht richtig schwitzen. Wenn es also zu heiß wird, gönnen Sie sich und ihrem Pferd einfach einen schattigen Ausritt im Wald. Sorgen Sie auch auf der Weide dafür, dass genügend Schatten zur Verfügung steht und natürlich ausreichend frisches Wasser.“

Mein Tipp: Ein intervallartiges Training, viel Schritt während und nach dem Reiten sowie die Mittagshitze vermeiden.


Woran erkenne ich ob mein Pferd überhitzt ist?

„Klare Anzeichen sind eine erhöhte Körpertemperatur und eine stark erhöhte Atemfrequenz. In der Ruhephase atmet ein Pferd bis zu 10-mal pro Minute, bei Dehydrierung kann die Atmung auf bis zu 60 Atemzüge pro Minute ansteigen. Weitere ernst zu nehmende Symptome sind blasse Schleimhäute, Muskelzittern und im Extremfall Gleichgewichtsstörungen. Sobald es diese Anzeichen zeigt, zögern Sie nicht einen Tierarzt zu rufen.“


Welche Gegenmaßnahmen sollte ich bei Anzeichen für eine Überhitzung einleiten?

„Das A und O ist, das Pferd unverzüglich in den Schatten zu bringen. Viele Reiter meinen es zu gut und spritzen ihr Pferd mit zu kaltem Wasser ab. Gerade wenn der Kreislauf überhitzt ist, kann das fatale Folgen haben. Handwarmes Wasser hat die richtige Temperatur, um das Pferd vorsichtig herunterzukühlen.

Mein Tipp: Dem Pferd nasse Handtücher hinter die Ohren legen, da hier die direkten Blutströme verlaufen.


Was sollte ich beim Abduschen des Pferdes nach dem Reiten beachten?

„Es klingt simpel: Behandeln Sie Ihr Pferd nicht wie einen Menschen. Es braucht zum Beispiel keine tägliche Dusche mit Shampoo. Gegen tägliches Abwaschen ist nichts zu sagen, zumal im Sommer die Poren vom Schweiß verkleben und es zu Juckreiz kommen kann. Und Ihr Pferd wird es Ihnen danken, wenn Sie dabei nicht eiskaltes Wasser nehmen.

Mein Tipp: Auch wenn Sie lauwarmes Wasser benutzen, fangen Sie mit den Hinterbeinen an und machen dann in Richtung Herz weiter.“


Darf ich bei Hitze aufs Turnier fahren? Was muss ich beim Transportieren beachten?

„Wenn Sie ein paar Regeln beachten und Ihr Pferd nicht besonders hitzeempfindlich ist, steht einem Turnierstart nichts im Wege: Stellen Sie Ihrem Pferd vor allem ausreichend Wasser zur Verfügung, denn Pferde trinken bei Hitze zwischen 80 und 100 Liter Wasser am Tag. Wie beim täglichen Training gilt es, Prüfungen in der Mittagshitze zu vermeiden. Das macht weder Tier noch Mensch Spaß. Und nicht vergessen, beim Anhänger die Fenster zu öffnen.

Mein Tipp: Wenn Sie einen Pferdeanhänger kaufen, wählen sie ein Modell in hellen Farben, da diese weniger schnell aufheizen.


Gibt es Rassenunterschiede bei der Empfindlichkeit gegenüber Hitze?

„Ja, Vollblüter und Halbblüter sind bei Hitze weniger empfindlich, da sie dünneres Fell haben. Pferderassen wie Friesen, Norweger und Isländer haben schneller Probleme mit der Wärme, da sie ein dickes und dichtes Fell haben, wodurch sie schneller schwitzen. Generell gilt, dass man darauf achten sollte, wie gut jedes Pferd individuell mit Hitze zurechtkommt.“


Top 5 Tipps bei Hitze im Überblick:

  • Viel Schatten bieten
  • Mittagshitze vermeiden
  • Ausreichend Wasser zur Verfügung stellen
  • Mit lauwarmen Wasser abwaschen
  • Atmung und Temperatur des Pferdes regelmäßig kontrollieren


Bildquelle: Pferdeklinik Fister