Hufrehe beim Pferd: Ursachen, Symptome und die lebenswichtigen Sofortmaßnahmen


Die Diagnose Hufrehe versetzt nahezu jeden Pferdebesitzer in Schrecken. Bei dieser ernsten Erkrankung entzündet sich die Huflederhaut, die das Hufbein mit der Hornkapsel verbindet. Betroffene Pferde leiden unter starken Schmerzen beim Stehen und Gehen. Im schlimmsten Fall kann die Rehe chronisch werden. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, die Symptome frühzeitig zu erkennen und sofort zu handeln. Hier erfährst Du, wie Du Hufrehe erkennen kannst, wie die Behandlung aussieht, was Du als Besitzer tun kannst und wie lange eine Hufrehe andauern kann.
Was genau ist Hufrehe beim Pferd?
Bei der Hufrehe handelt es sich um eine aseptische Entzündung der Huflederhaut – das heißt, die Entzündung wird nicht durch Keime, sondern durch andere körperliche Prozesse ausgelöst. Sobald die Huflederhaut entzündet ist, schwillt sie an und die Durchblutung des Hufes wird massiv gestört. Das Problem: Die Schwellung kann sich nicht ausdehnen, da sie von der festen Hufwand, der Hufsohle und dem Hufbein begrenzt wird. Dies führt zu einem enormen, schmerzhaften Druck im Huf.
Es wird zwischen dem Vorläuferstadium, der akuten Hufrehe und der chronischen Hufrehe unterschieden. Meist sind die beiden Vorderhufe betroffen, seltener die Hinterhufe. Grundsätzlich kann jedes Pferd erkranken, doch übergewichtige und leichtfuttrige Tiere sind besonders anfällig.
Wie erkennst Du, ob Dein Pferd Hufrehe hat?
Die Frage "Wie erkenne ich Hufrehe?" ist nicht immer einfach zu beantworten, da die Symptome im Anfangsstadium subtil sein können:
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Anfangsstadium: Das Pferd hebt die betroffenen Hufe immer wieder an, um sie zu entlasten. Es gibt die Hufe ungern und zeigt sich unkooperativ beim Hufschmied. Auf hartem Boden und in Wendungen kann es klemmig gehen oder leicht lahmen. Die Hufe fühlen sich wärmer an, und Du kannst oberhalb des Hufgelenks eine pochende Pulsation spüren.
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Akute Hufrehe: Bei einem akuten Schub sind die Symptome deutlich: Das Pferd lahmt stark und verweigert die Bewegung. Im Stand nimmt es die charakteristische Sägebockstellung ein (betroffene Vorderhufe werden weit nach vorne gestreckt), um das Gewicht auf die Hinterhand zu verlagern. Die Hufe sind sehr warm, und die Pulsation am Fesselkopf ist stark. Aufgrund der großen Schmerzen liegt das Pferd viel.
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Chronische Hufrehe: Nach 48 bis 72 Stunden kann der Zustand chronisch werden. Symptome können sein: Apathie, Appetitlosigkeit und Lahmheit. Durch die gestörte Durchblutung fühlen sich die Hufe oft kalt an. Äußere Anzeichen sind eine konkav verlaufende Zehenwand, eine verbreiterte weiße Linie an der Hufsohle (durch Narbengewebe) und eine schlechte Hornqualität. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zum sogenannten Ausschuhen (Ablösung der Hornkapsel) kommen.
Handlungsbedarf: Bemerkst Du erste Anzeichen, musst Du sofort den Tierarzt verständigen.
Wie bekommt ein Pferd Hufrehe? Die Ursachen im Überblick
Die Entstehung von Hufrehe kann vielfältige Gründe haben. Neben Fehlern in Fütterung und Bewegung kann die Krankheit auch ein Symptom einer tieferliegenden Stoffwechsel- oder Hormonerkrankung sein.
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Futterrehe (Häufigste Form): Verursacht durch eine Überlastung des Darms, oft durch zu viel Fruktan (in Gras und Heu), Stärke (in Getreide) und kohlenhydratreiches Futter (Kraftfutter, Brot, Obst). Die vielen Kohlenhydrate führen zu einer Übersäuerung im Darm, wodurch Bakterien absterben und Giftstoffe freisetzen, die über das Blut in die Huflederhaut gelangen und dort die Durchblutung stören.
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Belastungsrehe: Entsteht durch eine langanhaltende Überlastung oder Unterbrechung der Blutzirkulation im Huf. Dies kann durch langes Stehen auf hartem Boden oder durch die Schonung eines anderen Beines (Lahmheit) ausgelöst werden.
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Vergiftungsrehe: Durch die Aufnahme von Giftpflanzen, verdorbenem Futter, Schimmelpilzen oder Pestiziden können giftige Substanzen über den Darm in die Huflederhaut gelangen. Auch eine massive Abtötung von Parasiten durch Wurmkuren kann selten eine Vergiftungsrehe auslösen.
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Stoffwechselerkrankungen:
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Cushing-Syndrom (PPID): Tritt oft bei älteren Pferden auf. Die vermehrte Kortisolproduktion stört den Stoffwechsel und kann zu einer Übersäuerung der Blutgefäße führen.
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Equines Metabolisches Syndrom (EMS): Eine Kohlenhydratstoffwechselstörung, oft als "Wohlstandskrankheit" bei übergewichtigen, leichtfuttrigen Pferden mit typischen Fettdepots (Mähnenkamm, über den Augen) beobachtet. Die erhöhte Insulinproduktion kann Hufrehe begünstigen.
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Borreliose: Durch Zecken übertragene Borrelia-Bakterien können als Begleiterscheinung eine Huflederhautentzündung auslösen.
Wie sieht die Behandlung bei Hufrehe beim Pferd aus und was kannst Du tun?
Die Behandlung hängt stark vom Stadium der Erkrankung und den Schmerzen ab. Ziel ist es, die Ursache zu finden und abzustellen und die Entzündung schnellstmöglich zu bekämpfen, um eine Senkung oder Rotation des Hufbeins zu verhindern.
Tierärztliche Sofortmaßnahmen:
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Medikation: Der Tierarzt verabreicht Entzündungshemmer (z. B. Aspirin) zur Unterstützung der Durchblutung und zur Reduzierung des Drucks.
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Flüssigkeit: Intravenöse Flüssigkeitszufuhr zur Stabilisierung des Säure-Basen-Haushalts.
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Kühlung: Ständige Kühlung der Hufe (z. B. mit Eis-Packs) um den Kronsaum.
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Hufkorrektur: Gegebenenfalls Entfernung eines Teils der vorderen Zehenwand, um Entzündungssekret ablaufen zu lassen und den Zehenbereich zu entlasten.
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Polsterung: Anlegen eines Hufreheverbands mit Polsterung unter dem Strahl, um den Zug auf die tiefe Beugesehne zu minimieren.
Sofortmaßnahmen als Pferdebesitzer:
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Kühlung: Kühle die betroffenen Hufe umgehend in einem Eimer mit kaltem Wasser oder Eis.
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Untergrund: Sorge für einen weichen Untergrund (z. B. Sägespäne oder steinfreier Sand) im Stehbereich.
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Futterdiät: Bei Futterrehe sofortiges Weglassen von Kraftfutter, Leckerlis und Silage. Nur Heu und Wasser bereitstellen. Füttere getreidefreies Mash, um Koliken durch Bewegungsmangel vorzubeugen.
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Ruhe: Stress vermeiden und das Pferd nicht zur Bewegung zwingen.
Kann man bei Hufrehe das Pferd bewegen und wie lange dauert die Genesung?
Eine pauschale Empfehlung zur Bewegung gibt es nicht, aber die meisten Tierärzte raten von einer striken, langanhaltenden Boxenruhe ab, da diese die Durchblutung im Huf weiter verschlechtern kann.
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Bewegungsfreiheit: Zwinge das Pferd nicht zur Bewegung. Im Offenstall sollte es in einem separaten Bereich untergebracht werden, um Stress und Jagereien durch andere Pferde zu vermeiden.
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Wiederaufnahme des Trainings: Sobald das Pferd nach einigen Wochen oder Monaten wieder freiwillig und lahmfrei geht, kannst Du nach Rücksprache mit dem Tierarzt langsam mit dem Reiten beginnen. An intensives Training solltest Du jedoch erst denken, wenn die Röntgenbilder die vollständige Verheilung und Belastbarkeit der Hufe bestätigen.
Dauer der Hufrehe: Eine akute Phase kann schnell in den Griff zu bekommen sein, doch eine chronische Hufrehe kann sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen. Ein einmal von Hufrehe betroffenes Pferd bleibt leider lebenslang anfällig dafür.
Kann Hufrehe geheilt werden und wie kannst Du vorbeugen?
Die Heilungschancen hängen vom Pferd und dem Stadium der Krankheit ab (Rotation oder Senkung des Hufbeins).
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Heilungschancen: Bei geringer Rotation (unter sieben Grad) stehen die Chancen gut, dass Dein Pferd wieder voll reitbar wird. Bei stärkeren Rotationen (acht bis zwölf Grad) ist der Einsatz im Turniersport eher unwahrscheinlich, aber individuell zu entscheiden.
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Ausschuhen: Dies ist selten und tritt nur in extrem fortgeschrittenen Fällen auf. Es ist nicht das Ende: Neues Horn bildet sich, und eine neue Hufkapsel entsteht nach Monaten.
Hufrehe vorbeugen – Die wichtigsten Maßnahmen:
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Fütterung anpassen: Viel hochwertiges, nähstoffarmes Heu und gutes Mineralfutter. Reduziere Getreide und passe die Kraftfutterrationen exakt dem Energiebedarf an.
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Raufutter-Qualität: Füttere hochwertiges Heu (ohne Schimmel oder Verunreinigungen). Heu gegebenenfalls waschen.
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Weidegang regulieren: Beachte den hohen Fruktangehalt von frischem Gras im Frühjahr und bei Frost. Nutze gegebenenfalls eine Fressbremse.
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Gewichtskontrolle: Vermeide Übergewicht und Fettleibigkeit durch ein korrektes Fütterungs- und Bewegungsmanagement. Übergewicht stört den Insulin- und Zuckerstoffwechsel.
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Gesundheits-Check: Lasse Dein Pferd bei Verdacht auf Cushing-Syndrom oder EMS testen und sofort behandeln.
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Hufpflege: Sorge für regelmäßige, korrekte Hufpflege und Hufbearbeitung durch den Schmied.
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Bewegungsmanagement: Vermeide zu viel Bewegung auf sehr hartem Boden.
