Dickes Pferd? Gewichtskontrolle, Futteranpassung und Training zur Vermeidung von Folgeschäden


Übergewicht ist ein Problem, das auch unsere Pferde häufig betrifft. Da sie vollständig auf unsere Fürsorge angewiesen sind, liegt es in unserer Verantwortung, frühzeitig zu erkennen, wann ein Pferd zu viele Kilos mit sich trägt. Die Folgen für ein dickes Pferd können gravierend sein. Hier erfährst Du, wie Du Übergewicht erkennst, wie Du eine Diät für Pferde sicher umsetzt und welche ernährungsphysiologischen Besonderheiten Du beachten musst.
Woran erkennst Du, dass Dein Pferd zu dick ist?
Übergewicht bei Pferden entsteht meist durch ein Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme (zu viel Futter) und Energiebedarf (zu wenig Bewegung). Dieses Problem wird durch moderne Haltungsformen, bei denen sich Pferde weniger eigenständig bewegen als in freier Wildbahn, sowie durch leichtfuttrige Rassen wie Shetlandponys, Haflinger oder Fjordpferde noch verstärkt.
Ein übergewichtiges Pferd erkennst Du an seiner runden, weichen Körperform. Überschüssige Energie wird als Fettpolster gespeichert:
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Rippen: Bei Normalgewicht sollten die Rippen leicht sichtbar und gut tastbar sein. Sind sie nur schwer zu ertasten, ist dies ein deutliches Zeichen.
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Hals: Es bildet sich häufig ein ausgeprägter Kamm am Hals (Fettkamm).
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Rücken und Becken: Auch die Dornfortsätze der Wirbel im Rückenbereich und die Beckenknochen sollten mit leichtem Handdruck fühlbar sein.
Zur objektiven Bestimmung des Gewichts kannst Du folgende Hilfsmittel nutzen:
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Mobile Pferdewaage
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Gewichtsmaßbänder (zur Messung des Rumpfumfangs)
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Pferdegewichtsrechner
Wie setzt Du Dein übergewichtiges Pferd richtig auf Diät?
Der Weg zurück zum Idealgewicht erfordert die Kombination aus angepassten Futterrationen und ausreichender Bewegung.
Achtung bei abrupten Diäten: Setze eine Diät für Pferde niemals zu abrupt um! Eine schnell und lange anhaltende negative Energiebilanz führt zur Mobilisierung von Fettreserven. Kann die Leber diese großen Mengen an Fett nicht mehr verarbeiten, gelangt es ins Blut und es droht eine fettige Degeneration der Leber, die zum Organversagen führen kann.
Das richtige Training für dicke Pferde
Ein dickes Pferd benötigt dringend mehr Bewegung, oft auch ohne Reiter. Übergewicht belastet Gelenke, Sehnen und Bänder zusätzlich, daher muss das Training langsam aufgebaut werden.
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Grundkondition schaffen: Überstürze nichts. Dein Pferd muss zuerst eine Grundkondition aufbauen. Beginne mit Bodenarbeit, um die Gelenke zu schonen, bis die ersten Kilos verloren sind.
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Abwechslung und Effizienz: Gestalte das Training vielseitig, um Deinen Partner zu motivieren und effizient Kalorien zu verbrennen:
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Lange Spaziergänge oder Ausritte im Schritt.
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Lockere Übergänge in allen Grundgangarten.
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Gymnastizierende Übungen, Longe, Freispringen oder Springgymnastik.
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Dicke Pferde richtig füttern
Die Pferde-Ernährung muss radikal umgestellt werden, da hier oft die Ursache des Übergewichts liegt.
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Kraftfutter reduzieren: Reduziere das Kraftfutter oder lasse es, falls Dein Pferd nicht im Hochleistungssport steht, komplett weg. Die meisten Pferde kommen mit ausreichend Rau- und Mineralfutter aus.
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Futterneid vermeiden: Wird in der Gruppe gefüttert, biete Ersatzfutter mit wenig Zucker und ohne Getreide an (z. B. Karotten oder Mash), um Futterneid zu verhindern.
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Rohfaser als Sättigung: Sorge für eine ausreichende Zufuhr von rohfaserreichem Futter (Heu). Das Sättigungsgefühl kommt über die Rohfaser.
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Fresspausen vermeiden: Lange Fresspausen (länger als vier Stunden) führen zu Stress und können den Verdauungstrakt schädigen (Risiko von Magengeschwüren oder Koliken). Verlängere die Fresszeit durch die Nutzung von engmaschigen Heunetzen.
Weidegang regulieren: Frisches Gras, besonders im Frühjahr, enthält viel Zucker und liefert zu viel Energie. Beschränke die Weidezeit oder nutze eine bereits abgegraste Koppel. Ein Maulkorb kann zusätzlich die Grasaufnahme limitieren.
Bei Unsicherheit solltest Du einen professionellen Futterplan erstellen lassen.
Welche gesundheitlichen Folgen drohen einem übergewichtigen Pferd?
Anhaltendes Übergewicht ist gesundheitsschädlich und kann zu schwerwiegenden Krankheiten führen.
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Bewegungsapparat: Gelenke, Bänder und Sehnen werden überlastet und verschleißen vorzeitig.
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Stoffwechselentgleisung: Das Hormonsystem wird gestört, was zu ernsthaften metabolischen Erkrankungen führen kann:
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Equines Metabolisches Syndrom (EMS): Eine Störung des Energie- und Zuckerstoffwechsels, ausgelöst durch zu wenig Bewegung und energiereiches Futter. Es entstehen typische Fettpolster (Mähnenkamm, Schulter, Kruppe). Es kommt zur Insulinresistenz und einem erhöhten Blutzuckerspiegel. EMS kann eine chronische Hufrehe begünstigen.
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Hufrehe: Eine extrem schmerzhafte Erkrankung der Huflederhaut. Chronische Hufrehe resultiert oft aus langfristigen Fütterungsfehlern, während die akute Hufrehe durch eine einmalige Fütterungsentgleisung (z. B. beim Anweiden im Frühjahr) ausgelöst werden kann.
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Leber- und Nierenerkrankungen: Die Organe sind für den Abbau von Giftstoffen und überschüssigen Proteinen zuständig. Eine Überbelastung durch zu viel Eiweiß in der Nahrung kann zu erhöhten Leberwerten und Organschäden führen.
Wenn Du den Eindruck hast, dass Dein Pferd zu dick ist, solltest Du unverzüglich einen Tierarzt oder einen erfahrenen Futterberater konsultieren. Nur so kannst Du eine angepasste Fütterung und Bewegung sicherstellen und gesundheitliche Folgeschäden verhindern.